Maximilian Schmid sucht beim 1. FC Köln sein Glück

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RANSTADT/KÖLN - Ranstadt/Köln. Maximilian Schmid hat einen durchgetakteten Tagesablauf. Mit vielen Terminen und wenig Freizeit. Das muss so sein, wenn der 17-jährige Ranstädter seinen Profifußball-Traum verwirklichen will. Die letzten Schritte auf dem Weg zum großen Ziel geht der Stürmer seit 2018 im Internat des 1. FC Köln.

Bei Schmid grüßt unter der Woche täglich das Murmeltier - sofern Lockdown-Beschränkungen sein Leben nicht auf den Kopf stellen. In der Regel klingelt sein Wecker um 7 Uhr. Eine halbe Stunde später sitzt er in der Bahn, die ihn zum ersten Schulunterrichtsblock fährt. Vor der zweiten Lerneinheit steht ein einstündiges Training auf dem Programm. Nach Schulschluss (13.10 Uhr) geht es für den Stürmer in die Geißbockakademie. Mittagessen, kurz ausruhen, dann Hausaufgaben machen. Um 17.15 Uhr wieder Training - für zwei Stunden. "Ab 20.30 Uhr habe ich dann etwas Zeit für mich. Zocke FIFA oder Fortnite auf der PlayStation, spiele Darts mit Kumpels oder unterhalte mich einfach", erzählt der angehende Fachabiturient. Schmid lebt für seinen großen Traum. 200 Kilometer entfernt von der Familie.

Seine Eltern besucht der Fan des 1. FC Köln (natürlich!) und FC Liverpool trotzdem so oft wie möglich. "Meistens an den Wochenenden nach unseren Punktspielen." Bereut hat Schmid diesen Schritt nicht. Auch keinen seiner anderen, die ihn vom SV Ranstadt, über die Sportfreunde Oberau, den JFC Frankfurt, FSV Frankfurt und FSV Mainz 05 nach Köln führten. "Natürlich war es nach meinem Wechsel von Mainz zum FC nicht leicht. Vor zweieinhalb Jahren musste ich mein gewohntes Umfeld verlassen. Aber nach einer gewissen Zeit gibt sich das", erzählt er. Besonders hart traf es Schmid im November 2019, als ihn ein fünffacher Bruch der großen Zehe am rechten Fuß für zwei Monate außer Gefecht setzte. Kicken in Köln, weshalb er in die Domstadt gezogen ist, ging plötzlich nicht mehr. "Zum Glück hatte ich durch Physio, Aufbau- und Krafttraining einen geregelten Tagesablauf. Das lenkte ab." Genauso geht es ihm jetzt während des neuerlichen Lockdowns. Training und viel Arbeit für die Schule bringen ihn auf andere Gedanken.

Der dreifache Juniorennationalspieler ordnet seinem großen Ziel ohnehin alles unter. "Ich verzichte auf vieles, arbeite hart und hoffe, irgendwann dafür belohnt zu werden." Dass Schmid dafür ein Stück seiner Jugend herschenkt, bereut er nicht. "Deshalb findet er es auch gut, "wenn der Dortmunder Youssoufa Moukoko schon mit 16 Jahren seine Chance in der Bundesliga bekommt. Wenn der Verein auf dich setzt, ist es egal, ob du 16 oder 18 bist."

Schmid hofft ebenfalls auf seine Chance bei den Nordrhein-Westfalen. Bislang lief es mehr als ordentlich. In seiner ersten Saison mit dem Geißbock auf dem Trikot gewann er als U16-Spieler die Deutsche U17-Meisterschaft. Im zweiten Jahr durfte der Angreifer mit der Rückennummer neun gleich doppelt jubeln, wurde mit der U17 und U 19 Staffelmeister der Bundesliga West. Endspiele um die Deutsche Meisterschaft fielen wegen Corona aus.

Trotz der fehlenden Titelspiele und der Fußverletzung war es unter dem Strich eine gelungene Spielzeit 2019/20 für Schmid, in der er sieben Tore in elf Partien für die U 17 erzielte und zweimal in vier Begegnungen als "Aushilfskraft" für die U19 traf. Sein bestes Spiel für die Rheinländer lieferte der 17-Jährige wohl kurz vor dem ersten Lockdown im Frühjahr ab, steuerte beim 3:3-Spitzenspielremis gegen Borussia Dortmund den 1:0-Führungstreffer bei.

Das Sahnehäubchen auf die gelungene Runde folgte schließlich im August: Weil in der abgebrochenen A-Junioren-Bundesliga-Spielzeit kein Meister ermittelt werden konnte, wurde in der DFB-Zentrale unter den Siegern der Staffeln West, Nord/Nordost und Süd/Südwest der Youth-League-Starter gezogen. Köln hatte das nötige Losglück und spielt nun im Nachwuchs-Pendant zur Champions League. Schmid freut sich auf diese internationalen Vergleiche. Würde am liebsten gegen "Liverpool, Madrid oder Barcelona" spielen. Und das möglichst erfolgreich, "weil wir in diesem Wettbewerb sehr weit kommen wollen".

In der Bundesliga West belegen die Kölner aktuell Rang vier. Mit sechs Punkten aus drei Spielen. Der Kicker aus dem Fußballkreis Büdingen stand in diesen Partien nicht einmal auf dem Platz. Er musste wegen einer Knieverletzung, die er sich im letzten Vorbereitungsspiel auf die laufende Runde zugezogen hatte, passen. "Jetzt bin ich wieder richtig fit und bereit, wenn es wieder losgehen sollte."

Das ist gut für ihn. "Bald stehen nämlich Gespräche an", so Schmid, "in denen es um meine Zukunft geht." Sein Ziel ist klar: Er will in Köln bleiben und sich in den Fokus der Profi-Mannschaft spielen. Aktuell ist Schmid bis 2021 an den FC gebunden.

Berater Johannes Noack ist jedenfalls von seinem Schützling überzeugt: "Maxi gehört zu den Spielern, die man schon wegen seiner Einstellung und seinem Engagement lieber im eigenen Team als gegen sich hat. Zudem ist er beidfüßig, abschlussstark, technisch sowie taktisch gut ausgebildet und besitzt ein enormes Tempo, um sich in den entscheidenden Momenten vom Gegenspieler lösen oder schneller am Ball sein zu können. Genau diese Eigenschaften sollte ein moderner Mittelstürmer mitbringen." Nun müsse der nächste Entwicklungsschritt folgen. Noack weiß: "Anhand vieler Beispiele der jungen Wilden in Köln sieht man, dass der Verein auf die eigene Jugend setzt und diese nach Möglichkeit auch bestmöglich fördert."

Einer aus Schmids unmittelbarem Umfeld hat es bereits geschafft. "Letzte Runde habe ich noch mit Jan Thielmann, der ein Jahr älter ist, zusammen in der Jugend gespielt, jetzt darf er in der Bundesliga ran."

Ihm eifert der Ranstädter nach - und gibt selbstkritisch zu, "dass ich noch an meinem Kopfballspiel und einem gezielteren Abschluss arbeiten muss". Schmid weiß aber auch, was er kann. Die sollen ihn schließlich in die Bundesliga führen. Und das wäre zumindest für Wilhelm Rott, seinen ersten Trainer bei der JSG Ranstadt, keine Überraschung. "Maxi war schon als Bambini fußballverrückt, wollte von morgens bis abends nur kicken. Bereits nach einem Jahr habe ich zu meinem Schwager gesagt, dass wir Maxi irgendwann in der Bundesliga sehen werden. Seine starke Technik und ausgeprägte Verbissenheit waren schon damals zu erkennen." Zwölf Jahre später hat Schmid sein Ziel fast erreicht. Die letzten Schritte fehlen noch.

Zur Person

Maximilian Schmid startete seine Karriere bei der JSG Ranstadt (SV Ranstadt; 2008 bis 2013). Danach wechselte er zu den Sportfreunden Oberau (2013/14), zum JFC Frankfurt (2014/15), FSV Frankfurt (2015/16) und FSV Mainz 05 (2016 bis 2018). Seit 2018 trägt der 17-Jährige das Trikot des 1. FC Köln. Der 1,80 Meter große und 68 Kilogramm schwere Stürmer schoss in der U17-Bundesliga zehn Tore in 26 Spielen, in der U19-Bundesliga sind es bislang zwei Tore in vier Partien. Schmid absolvierte drei U-Länderspiele und erzielte einen Treffer für die U15 des Deutschen Fußball-Bundes. Der Elftklässler geht in Köln zur Schule (Lieblingsfächer: Sport und Mathe). Cristiano Ronaldo ist sein fußballerisches Vorbild, seine Lieblingsvereine sind der 1. FC Köln und FC Liverpool. Schmid hat zudem ein Faible für Eishockey, drückt den Kölner Haien und dem EC Bad Nauheim die Daumen.

"Er geht dahin, wo es wehtut"

Martin Bülles (39) ist der Entdecker der Stars von morgen. Im Interview mit dieser Zeitung spricht der Nachwuchschefscout des 1. FC Köln über die Verpflichtung von Maximilian Schmid und dessen Chancen im Profigeschäft.

Warum hat der 1. FC Köln Maxi Schmid von Mainz nach Nordrhein-Westfalen geholt?

Wir kannten Maxi schon von Sichtungen aus der U13 beim FSV Frankfurt. Da in diesem Altersbereich bei uns aber noch keine nationalen Transfers getätigt werden, beobachteten wir ihn auch intensiv bei Mainz 05. Er zeichnete sich damals vor allem durch seine unbekümmerte Spielweise, sein gutes Eins-gegen-Eins, seine Zielstrebigkeit und seine Torgefahr aus. Er war sich aber auch nicht zu schade, gegen den Ball zu arbeiten und sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Maxis Stern ging vor allem beim DFB-Länderpokal 2017 in Bad Blankenburg auf, als er für die Südwest-Auswahl groß aufspielte und sich dort auch für den Deutschen Fußball-Bund präsentieren konnte. Spätestens da war uns klar: Wir müssen Maxi zum FC lotsen - zumal er und seine Familie absolut FC-verrückt sind.

Was zeichnet Maxi Schmid auf und neben dem Platz aus?

Er verkörpert in unseren Augen noch einen Stürmertyp, den es nicht mehr so oft gibt. Er geht dahin, wo es wehtut, schont sich und seine Gegenspieler nicht und hat ein gutes Gefühl für Raum und Zeit. Maxi ist aber nicht nur der Stürmer, der in der Box seine Qualitäten hat. Er kann sich auch mal zurückfallen lassen, auf die Flügel ausweichen und sich die Bälle im Mittelfeld abholen. Körperlich hat er im vergangenen Jahr extrem zugelegt und inzwischen auch eine sehr gute Mittelstürmer-Figur. Seine Zeit bei uns ist leider von kleineren oder mittelfristigen Verletzungen geprägt. Aber: Im fitten Zustand hat er immer abgeliefert und seine Tore geschossen. Neben dem Platz ist Maxi ein sehr bescheidener, aber herzlicher Junge, mit dem man auch viel lachen kann. Man merkt ihm jederzeit an, dass er stolz ist, für seinen Lieblingsklub zu spielen. Er gibt alles dafür, irgendwann einmal vielleicht vor 50 000 Fans im RheinEnergie-Stadion aufzulaufen.

Was kann er noch verbessern?

Der Ausbau des Kraftniveaus ist ein zentraler Punkt in der physischen Ausbildung. Fußballerisch bringt Maxi sehr viele Attribute für den Seniorenfußball mit, wobei er sich noch in der Ballbehauptung, dem Kombinationsspiel und der Übersicht verbessern muss. Der Torabschluss und Coolness sind sehr gut ausgeprägt, Wille, Leidenschaft und Motivation sind super. Sein Ehrgeiz ist jedoch manchmal kontraproduktiv, da er zu verbissen ist und sich durch negative Situationen wie ausgelassene Chancen oder verlorene Zweikämpfe runterziehen lässt. Ein bisschen mehr Lockerheit würde also nicht schaden, ohne jedoch seinen Einsatzwillen und seinen Spirit zu vernachlässigen.

Was muss ein Nachwuchsspieler in Köln grundsätzlich mitbringen, um eine Chance bei den Profis zu bekommen?

Wir haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die Tür beim 1. FC Köln für unsere Nachwuchsspieler jederzeit offen steht - egal auf welcher Position oder in welcher Lage sich die Profimannschaft befindet. Grundtugenden sind immer die eigene Motivation und der Wille, sich stetig verbessern zu wollen. Charakterlich bilden wir die Jungs so gut aus, dass sie den Sprung in den Profifußball schaffen, ohne abzuheben. Dazu ist bei uns die Verzahnung zwischen Profi- und Nachwuchsabteilung sehr gut. Wenn Maxi verletzungsfrei bleibt, das ist die Grundvoraussetzung, wird er sicherlich bei guter fußballerischer und athletischer Weiterentwicklung einmal die Chance bekommen, sich im Profitraining zeigen zu können. Der letzte Schritt ist sicherlich der schwerste! Aber: Maxi bringt charakterlich und wegen seines FC-Herzens sehr gute Voraussetzungen mit.

Zum Abschluss noch eine aktuelle Frage zum Profidebüt von Dortmunds Youssoufa Moukoko. Sind 16-Jährige schon reif für die Bundesliga? Oder kommt das alles zu früh?

Warum sollte er nicht schon mit 16 in der Bundesliga debütieren, wenn die Physis, das fußballerische Talent und vor allem der Kopf stimmen. Das muss man aber ganz individuell, jeder Klub für jeden seiner Spieler, entscheiden.

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