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Mehr Sport als Show oder mehr Show als Sport?

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Poliert steht sie da - die Vince Lombardi Trophy. Doch ist der Wirbel um die NFL-Trophäe gerechtfertigt? © dpa

Der Super Bowl erfreut sich in Deutschland stetiger Beliebtheit. Dabei ist das Endspiel um die NFL-Meisterschaft mehr als nur ein Sportereignis. Es ist vor allem ein Event. Doch was überwiegt mehr?

Mehr Sport als Show

Die Frage, ob beim Super Bowl der Sport oder die Show überwiegt, ist die Frage nach der Henne und dem Ei. Sicher: Der Event-Faktor ist nicht wegzudiskutieren. Das beginnt in den Tagen vor dem »Super Bowl Sunday« und hört bei den pompösen Halbzeit-Shows auf. Das Endspiel um die NFL-Meisterschaft ist nicht umsonst das größte Einzelsport-Ereignis der Welt. Aber genau bei diesem Punkt lässt sich diese Frage beantworten.

Ohne den Sport dahinter wäre dieses tagelange Brimborium in Hochglanz-Optik eben auch nichts wert. Es ist der Sport an sich, der das event-begeisterte US-Publikum dazu bringt, jedes Jahr im Februar einen Hühnchen-Massenmord zu begehen (dieses Jahr sollen etwa 1,4 Milliarden Chicken Wings verzehrt worden sein) oder mehrere tausend Dollar für eine der begehrten Eintrittskarten hinzublättern.

Joe Montana, Terry Bradshaw, Emmit Smith oder Tom Brady: Es sind nur einige wenige Namen von Sportlern, die dieses Endspiel um die Krone des American Footballs nachhaltig prägten. Montana etwa holte seine vier Ringe vor über 30 Jahren - und ist doch jedem Kenner ein Begriff. Und das hat einen simplen Grund: Die Vince Lombardi Trophy hat Prestige. Aufgrund der gewollten (und geregelten) Ausgeglichenheit der Liga sogar jede Menge davon. Dass in Zeiten der fortschreitenden Globalisierung alles »noch größer wird«, liegt in der Natur der Sache. Ohne den Sport wäre das aber nicht möglich.

David Heinemann

Mehr Show als Sport

Am Sonntagabend war es sogar ein Thema in der Tagesschau. Kurz vor dem Wetter, kurz nach Klima- und Ukraine-Krise, verkündete der Nachrichtensprecher nicht nur die Bundesliga-Ergebnisse des Tages und die News zu den Olympischen Winterspielen, sondern auch, dass in der kommenden Nacht der »Super Bowl« stattfinden würde. Das sogenannte größte Einzelsport-Ereignis der Welt.

Gut, Football ist Sport. Und wenn ich Menschen, die sich dafür begeistern, glauben darf, dann ist es hochdiffizil mit unzähligen taktischen Winkelzügen, während ich nur gepolsterte Muskelprotze sehe, die rumstehen oder gegeneinander rennen und sich nicht einmal einen runden Ball leisten können, weshalb sie vor kreischendem Publikum ein Ei durch die Gegend werfen, während leicht bekleidete junge Frauen am Spielfeldrand in einem 5-Milliarden-Stadion auf- und abhüpfen.

Sieben Millionen Dollar zahlen werbewillige Unternehmen pro Minute bei einem Ereignis, von dem in Europa nur Begriffe wie Nipple-Gate in Erinnerung sind. Und das seit ein paar Jahren auch in Deutschland Menschen veranlasst, sich die Nacht um die Ohren zu hauen. Aber warum? Weil die Cincinnati Bengals oder die Los Angeles Rams sie wirklich interessieren? Oder nur, weil der Super Bowl für den Sport das ist, was der Eurovision Songcontest für die Musik: Ein künstlich hochgejazztes Event-Theater, das den Affen Zucker gibt.

Rüdiger Dittrich

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