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Mein Spiel im »Camp Nou«

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Gießen (bir). Ganz Frankfurt, ja fast ganz Hessen ist derzeit im Barcelona-Fieber. Auf jeden Fall diejenigen, die mit dem Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt sympathisieren. Nach dem 1:1 im selbsternannten »Jahrhundert-Spiel« im Viertelfinale der Europa League letzten Donnerstag gegen den FC Barcelona steht jetzt eine Woche später das Rückspiel bevor.

An die 30 000 Frankfurter Fans wollen in Kataloniens Hauptstadt reisen und ihre Mannschaft im Stadion »Camp Nou«, das mit 110000 Zuschauern das nach Sao Paulo und Mexiko City das drittgrößte Stadion der Welt ist, zu unterstützen.

Bei den Namen »FC Barcelona« und »Camp Nou« kommen bei unserem Mitarbeiter Rolf Birkhölzer intensive Erinnerungen hoch. Denn genau in der Arena, in der die Eintracht um den Einzug in das Halbfinale des europäischen Wettbewerbs kämpft, stand der inzwischen 72-jährige ehemalige Bundesliga-Torwart Mitte April 1969 im Kasten des 1. FC Köln und strebte mit den »Geißböcken« den Einzug ins Finale des damals noch bestehenden Europacups der Pokalsieger an.

Du warst damals erst 19 Jahre alt, wie kam es zu diesem internationalen Einsatz?

Ich hatte als Jugendnationalspieler beim FC, in dem ich seit der Schülermannschaft gespielt hatte, einen Vertrag bekommen und sollte hinter dem Weltklasse-Torwart und unumstrittenen Nummer eins, Milutin Soskic, Erfahrungen sammeln und aufgebaut werden. Als Soskic sich in der Vorbereitung einen doppelten Schienbeinbruch zuzog und lange Zeit ausfallen sollte, ging der FC mit mir und einem ebenfalls jüngeren Kollegen, Paul Heyeres, der eigentlich den Verein verlassen wollte, in die neue Saison. Nach einem überzeugenden Testspiel stellte mich unser Trainer Hans Merkle im Bundesliga-Auftaktspiel gegen Kickers Offenbach ins Tor. Aber ich konnte wohl nicht so auf Anhieb überzeugen, sodass ich nach vier Bundesligaspielen Heyeres Platz machen musste. Für einige Monate, in denen wir es bis ins internationale Pokal-Halbfinale schafften. Im Hinspiel gegen den FC Barcelona patzte mein Kollege beim 2:2 derart, dass ich noch während der Partie im Müngersdorfer Stadion eine Viertelstunde vor Schluss eingewechselt wurde. Und auch in den restlichen Bundesliga-Begegnungen sowie im Europapokal-Rückspiel in Barcelona im Tor stand.

Und wie war das für Dich als Youngster in diesem großen Stadion bei diesem berühmten Klub?

Ehrlich gesagt, habe ich mir fast in die Hose gemacht, als wir aus den Umkleide-Katakomben kamen und uns über 80 000 Zuschauer mit einem ungeheuren akustischen Spektakel empfingen. Und nachdem die Spanier in Führung lagen, wurde praktisch jeder gelungene Pass der Platzherren von zig tausend Zuschauern, mit dem lautstarken Ruf »Ole«" gefeiert. Das bekam ich deshalb auch besonders hautnah mit, weil, anders als bei uns im Müngersdorfer Stadion mit der Laufbahn drumherum, im »Camp Nou« auch damals schon die Zuschauerränge direkt am Spielfeldrand und hinter dem Tor begannen. Für unsere international erfahrenen Asse wie Wolfgang Overath, Wolfgang Weber oder Hannes Löhr war diese Atmosphäre nichts Besonderes, aber ich war natürlich total beeindruckt und bin erst während des Spiels gelassener geworden.

Was erwartet heute die Frankfurter?

Ich bin sicher, die Eintracht wird sich im Stadion am Donnerstag auch wieder auf einen Hexenkessel einstellen müssen. Wir haben damals 1:4 verloren und das Finale verpasst, aber es war trotzdem das größte Erlebnis in Sachen Fußball für mich. Und daran lasse ich mich durch das Gastspiel der Eintracht beim FC Barcelona auch heute noch gerne erinnern.

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