"Meine Traumelf": Formation mit Tunnelkönig und Schlitzohr

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HAINCHEN - Obwohl Jörg Hinterseher seine aktive Karriere relativ früh beendete und insgesamt nur für drei Vereine aktiv war, hat er in dieser Zeit mit vielen guten Fußballern zusammengespielt. "Dementsprechend hatte ich Probleme, mich bei der Zusammenstellung meiner Traumelf auf elf Stammspieler und drei Joker zu beschränken", gesteht der aktuelle Büdinger Kreisfußballwart.

Klar, dass einige Spieler vom 1. FC Lorbach vertreten sind. "Das ist mein Heimatverein, mit dem ich damals unter anderem in der A-Liga aktiv war", berichtet der 49-Jährige. Im Laufe seiner Karriere trug Hinterseher noch das Trikot des SV Rohrbach und des VfR Hainchen, mit dem er seinen größten sportlichen Erfolg feierte. "Das war der legendäre Kreispokalsieg 1997 in Ortenberg. Wir gewannen mit Hainchen 7:4 gegen den SV Rohrbach." Während des Ligabetriebs durfte Hinterseher mit dem VfR sogar einmal Bezirksoberluft schnuppern. "Ansonsten spielte ich mit der zweiten Mannschaft die Bezirksoberliga-Reserverunde und engagierte mich im Spielausschuss." Der wegen der Liebe nach Hainchen gezogene Familienvater beendete bereits mit Anfang 30 seine Karriere und schlug die Funktionärslaufbahn ein. Hinterseher ist seit 2004 Mitglied des Kreisfußballausschusses, den Chefposten hat er seit 2016 inne.

Bei der Zusammenstellung seiner Traumelf fällt auf, dass er überwiegend alte Weggefährten ausgewählt hat, mit denen er zumeist heute noch freundschaftlich verbunden ist. Die Ausnahme: Noah Michel. "Weil er mich in den vergangenen Jahren am meisten überrascht hat", erklärt Hinterseher, der an dieser Stelle Dieter Richter und Volker Dillemuth erwähnt. "Hätte ich auch Spielausschussmitglieder nominieren dürfen, wären sie dabei."

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So charakterisiert Jörg Hinterseher seine Nominierten:

Tor

Stefan Faßbinder (1. FC Lorbach): Einmal Lorbach, immer Lorbach. Stefan war zu seiner Zeit einer der besten Torhüter im Fußballkreis Büdingen. Obwohl er jedes Jahr mehrere Angebote bekam, blieb er dem 1. FC treu. Als Führungsspieler nahm er uns nach den Partien an die Hand und trank das eine oder andere Bierchen mit uns.

Abwehr

Gerald Gumbel (VfR Hainchen): Unsere Frauen sind Jugendfreundinnen, das konnten wir auch auf uns übertragen. Gerald war ein Verteidiger, der sich trotz relativ bescheidener Mittel in Hainchen etabliert hat. Dank seines Trainingsfleißes spielte er Bezirksoberliga - und manchmal im B-Team mit mir. Später kickten wir noch einmal gemeinsam für die Alten Herren der SG Hainchen/Eckartshausen.

Andreas Bäuscher (1. FC Lorbach): Als ich aus der Jugend zu den Senioren stieß, war Andreas einer der Führungsspieler. Ein kopfballstarker Verteidiger, der einige Tore nach Standards erzielte. Unvergessen bleibt, dass er als Schreiner nach Siegen die "Hobelbank" oder "Auf dem Weg nach Berlin" anstimmte.

Alexander Brill (1. FC Lorbach): Einer meiner Jugendfreunde, mit dem ich zusammen in Lorbach spielte. Wir verbrachten das komplette Wochenende miteinander. Unsere Clique traf sich beim "Botz", der Kneipe im Ort, oder bei Alexander in der Kellerbar. Sonntags standen wir zusammen auf dem Platz.

Alexander Fischlein (VfR Hainchen): Alexander und ich kamen zur gleichen Zeit nach Hainchen. Er schaffte dank seines Einsatzwillens den Sprung vom B-Ligisten Vonhausen in die Bezirksoberliga-Mannschaft. Unsere Verbindung besteht noch heute über den Fußball hinaus.

Mittelfeld

Stefan Thoma (VfR Hainchen): Mit Stefan verbinden mich zwei prägende Ereignisse. Am Tag nach unserer Weihnachtsfeier musste ich wegen einer plötzlichen Absageflut im Hainchener Bezirksoberliga-Team aushelfen. Wir reisten mit zwölf Mann zum SV Bernbach, also nur mit mir als Ersatzspieler, weil weder der Klassenleiter noch der SVB einer Spielverlegung zugestimmt hatten. Am Ende siegten wir 1:0, weil Stefans Befreiungsschlag von der Mittellinie den Weg ins Tor fand. Der Ball sprang kurz vor dem Bernbacher Torhüter auf und zum Siegtreffer ins Tor. Nach dem Schlusspfiff waren wir mausetot, konnten kaum jubeln. Das zweite Erlebnis war nicht schön: Stefan zog sich im Spiel gegen den SSV Lindheim einen offenen Knöchelbruch zu. Das Bild, als sich der Knochen durch den Stutzen bohrte, habe ich noch heute vor Augen. Es ist beeindruckend, dass er nach dieser Verletzung wieder Fußball spielte.

Steffen Schäfer (SV Rohrbach): Steffen Schäfer und der SV Rohrbach gehörten einfach zusammen. Der Fädenzieher im SVR-Mittelfeld war nicht der schnellste Spieler, seine Aktionen hatten aber Hand und Fuß. Weil wir zum damaligen Zeitpunkt viel privat miteinander zu tun hatten, überredete er mich zum Wechsel nach Rohrbach.

Dietmar Jüngling (1. FC Lorbach): Jugendfreund und Schlitzohr auf dem Platz. Er vernaschte gerne seine Gegenspieler und schoss auch mal ein Tor aus spitzem Winkel. Parallel spielte Dietmar Handball für den HC Büdingen.

Sturm

Noah Michel (Türk Gücü Friedberg): Noah ist der Spieler aus dem Fußballkreis Büdingen, der mich in den vergangenen Jahren am meisten überrascht hat. Ich kenne ihn aus seiner Zeit beim SC Viktoria Nidda. Danach wollte er es noch einmal wissen, spielte für Gießen in der Regionalliga und jetzt für Türk Gücü Friedberg in der Hessenliga. Toll, wie er das in Angriff genommen und durchgezogen hat. Ich hoffe, dass er irgendwann in den Fußballkreis Büdingen zurückkehrt und dann seine Erfahrung als Spielertrainer oder Trainer weitergibt. Mit seinem Vater Jörg, der früher für den SSV Lindheim spielte, schlug ich übrigens einige Schlachten auf dem Platz.

Thorsten Nuhn (VfR Hainchen): Thorsten ist einer meiner besten Freunde und ein Spieler, der mich sehr beeindruckt hat. Er verließ Hainchen in Richtung Bruchköbel, wurde dort Gruppenliga-Torschützenkönig, marschierte mit der SGB bis in die Oberliga durch und erzielte auch dort seine Tore. Legendär ist der Spruch "Es hat sich noch nie jemand in die Mannschaft gelaufen", den er bei fast jeder Laufeinheit während der Saisonvorbereitung zum Besten gab, wenn er mit der Schlussgruppe ins Ziel kam. Er behielt recht: Am Ende setzte sich immer seine fußballerische Stärke durch.

Holger Eckhardt (VfR Hainchen): Seinerzeit wohl der beste Mittelstürmer des Fußballkreises. Im Training war er der Tunnelkönig und tat unter der Dusche immer kund, wen er wie oft tunnelte. Im Pokalfinale 1997 wurde ich kurz vor Schluss für Holger eingewechselt. Das war ein Trainer-Dank an uns B-Team-Spieler, weil wir die ersten beiden Pokalrunden mit einer gemischten Truppe spielten.

Trainer

Dieter Scheuer (VfR Hainchen): Dieter war nicht nur der Trainer, der mich damals im Pokalfinale einwechselte. Er war auch der Trainer, mit dem ich als Spielausschussmitglied lange zusammenarbeitete. Der beste Spruch des Saarländers: "Ein Training muss nicht länger als eine Stunde und 15 Minuten dauern. In dieser Zeit packe ich alles rein, was wir für 90 Spielminuten brauchen."

Joker

Benjamin Weber (VfR Hainchen): Der Innenverteidiger stieß während meiner Spielausschusszeit von den A-Junioren zu den Senioren. Benjamin ging als junger Kerl mit hohem Einsatzwillen vorneweg und war relativ schnell angesehen im Team. Später nahm Benjamin meinen Posten im Spielausschuss ein.

Jörg Rosenfeld (VfR Hainchen): Viele belächelten mich, als ich den Keeper von Nieder-Mockstadt nach Hainchen holte, weil er früher für mehrere Platzverweise pro Runde gut war. Bei uns kassierte er in all den Jahren nur einmal Rot. Jörg war auf und neben dem Platz ein wichtiger Faktor.

Raimund Lott (1. FC Lorbach): Einer meiner besten Jugendfreunde, der viel für das Lorbacher Offensivspiel leistete. Er gehörte zur Clique mit Alexander Brill und Dietmar Jüngling.

Zur Serie

In unserer Lokalsportserie "Meine Traumelf" stellen Fußballer eine Mannschaft aus Spielern zusammen, auf die sie in der Regel während ihrer aktiven Zeit getroffen sind. Dabei muss es sich nicht nur um Mitspieler handeln - es können auch Gegner sein, die in Erinnerung geblieben sind. Heute: Teil neun mit Jörg Hinterseher. (tf)

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