1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

Mit Böhne kommt die Wende

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Nico Hartung

gispor_1805_huet_190522_4c_1
Durchgesetzt: Der Hüttenberger Niklas Theiss im harten Kampf gegen die Eulen-Abwehr. © Roeczey

Hüttenberg. Die letzte Szene der Partie war zugleich die zweite Halbzeit in einer Nussschale abgebildet: Hendrik Wagner, Rückraum-Allrounder der Eulen Ludwigshafen und noch im Januar für die deutsche Handball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft aktiv, hatte sich zum Kreis durchgetankt und schleuderte das Harzleder in Richtung des Tores des TV Hüttenberg.

TV Hüttenberg - Ludwigshafen 28:24

Doch da stand jemand, der dem Bundesliga-Absteiger aus der BASF-Stadt in der vorangegangenen halben Stunde den Zahn gezogen hatte: TVH-Schlussmann Simon Böhne, der gegen Wagner seine achte und letzte Parade im zweiten Durchgang zeigte und damit ein Hauptgarant dafür war, dass die Hüttenberger im Nachholspiel der 2. Handball-Bundesliga mit 28:24 (11:14) die Oberhand behielten.

»Wir sprechen denke ich von einem verdienten Sieg«, freute sich TVH-Trainer Johannes Wohlrab hinterher über den zweiten Triumph innerhalb von vier Tagen und sprach Böhne ein Sonderlob aus: »Wir haben hintenraus eine super Torhüterleistung, Simon hat eine Quote von an die 40 Prozent. Das ist natürlich super«, so der 36-Jährige.

Neben den Saisonpunkten Nummer 39 und 40 hatte das Duell gegen die Eulen aus Hüttenberger Sicht noch einen weiteren positiven Aspekt: So steigerte der starke Auftritt von Gäste-Linksaußen Jannik Hofmann die Vorfreude auf dessen Rückkehr nach Hüttenberg im Sommer. Der 26-Jährige war in den ersten 30 Minuten der beste Akteur auf der Platte: Sieben seiner acht Versuche fanden den Weg in die Maschen des TVH-Tores, wodurch der Rechtenbacher für die Hälfte aller Ludwigshafener Treffer zum 14:11-Halbzeitstand verantwortlich zeichnete.

Nach 22 Minuten hatte Hofmann mit seinem fünften Tagestreffer zum 8:7 von der Siebenmeterlinie getroffen. Zu diesem Zeitpunkt agierten beide Teams auf Augenhöhe, wenngleich die Hüttenberger Deckung Probleme damit hatte, wenn die Gäste mit zwei Kreisläufern angriffen. Auch ging das Torhüterduell im ersten Durchgang noch an die Eulen, bei denen Matej Asanin nicht nur einen Siebenmeter gegen den zuletzt kaum zu stoppenden Ian Weber hielt (11.), sondern mit zwei Paraden kurz vor der Pause zwei Gegenstöße über die zweite Welle durch Pascal Durak einleitete, der sein Team fünf Minuten vor der Halbzeit erstmals auf drei Tore davonziehen ließ (11:8). »Da ist bei uns vieles nicht zusammengelaufen. Ich war ehrlich gesagt froh, dass wir nur mit drei Minustoren in die Pause gegangen sind«, meinte Hüttenbergs Dominik Mappes hinterher.

Doch die Eulen fühlten sich zu sicher. Die gesamte erste Hälfte über hatten sie sich im Angriff konzentriert und vor allem sehr diszipliniert verhalten, während auf der Gegenseite Asanin im Tor und der Mittelblock um Stefan Salger und Gunnar Dietrich dichthielten.

Es dauerte nach dem Seitenwechsel jedoch keine fünf Minuten, ehe die Hüttenberger die jetzt nachlassenden Eulen packten und ihnen nach und nach die Federn zupften. »Wir machen dann zu viele technische Fehler und spielen zu oft in Unterzahl. Das war der Knackpunkt«, analysiert Eulen-Coach Michael Biegler später. Hatte Weber nach 36 Minuten noch den Anschluss zum 13:14 geschafft, gelang Theiß 120 Sekunden später der 16:16-Ausgleich. Und als der von seinen muskulären Problemen wiedergenesene Kapitän Dominik Mappes - ausgerechnet gegen seinen Ex-Club - die Führung für die Blau-Weiß-Roten zurückeroberte (19:18, 43.), kochte die Stimmung unter den 720 Zuschauern über.

Auf der Tribüne wurde spürbar, wie die Partie zugunsten des »Originals aus Mittelhessen« kippte. Der zu Beginn der zweiten Halbzeit in die Begegnung gekommene Böhne hielt wichtige Bälle, was Ludwigshafen - und den mächtig angefressenen Biegler in einer lautstarken Auszeit-Predigt (46.) - zunehmend den Kopf verlieren ließ. Philipp Schwarz erhöhte von Linksaußen auf 25:20 (53.), Tristan Kirschner machte von Gegenüber mit seinem 27:22 den Heimsieg perfekt (56.).

»Es war ein sehr emotionales Spiel und unwahrscheinlich kampfbetont«, so Wohlrab später. Wohl wissend: Den wichtigsten Wechsel hatte er kurz nach der Pause zwischen den Pfosten vorgenommen.

Hüttenberg: Plaue, Böhne (ab 31.) - Schwarz (4), Kneer, Kirschner (2), Opitz (1), Theiß (2), Fujita (2), Weber (7/2), Rompf, Zörb (2), Mappes (8/3), Hahn, Klein, Jockel, Schreiber.

Ludwigshafen: Asanin, Urbic (41.-48.) - Salger (1), Dietrich, Eisel, Keskic, Meyer-Siebert, Cirac, Sorda (2), Hofmann (9/4), Durak (5), Wagner (6), Neuhaus (1), Schlafmann.

Schiedsrichterinnen: Kuttler/Merz (Ostrach/Oberteuringen) - Zuschauer: 720 - Zeitstrafen: Hüttenberg zwei (Zörb, Kirschner), Ludwigshafen sechs (Salger, Dietrich, Eisel zwei, Meyer-Siebert, Wagner) - verworfene Siebenmeter: Weber und Mappes (beide Hüttenberg) scheitern an Asanin (11., 51.), Hofmann (Ludwigshafen) scheitert an Böhne (55.).

Auch interessant