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Mit dem Mute der Verzweiflung

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Jovica Nikolic HSG-Neuzugang © Red

Wetzlar/Gießen . Wenn die Konkurrenten in der Handball-Bundesliga im neuen Jahr und nach der Europameisterschaftspause ihre Datenbank noch einmal gecheckt haben, dann sind sie im Blick auf die HSG Wetzlar in einer Erkenntnis bestärkt worden: Die Mittelhessen dürfen nicht unterschätzt werden! Auf keinen Fall! Davon kündet schon der derzeit unangefochtene fünfte Tabellenplatz der Grün-Weißen.

Diese Einschätzung bestätigt hat auch das jüngste 29:29 (15:15)-Remis zum Jahresauftakt gegen den Favoriten SG Flensburg-Handewitt.

FA Göppingen - HSG Wetzlar (So., 16 Uhr)

Das wird auch Hartmut Mayerhoffer als Trainer von Frisch Auf Göppingen mit besonderem Interesse zur Kenntnis genommen haben. Denn bei den Schwaben spielen die Schützlinge von Trainer Ben Matschke am Sonntag um 16 Uhr auf. Tabellennachbar Göppingen hatte sich zum Neustart 2022 beim Bergischen HC deutlich mit 27:33 geschlagen geben müssen.

Im Blick auf das sonntägliche Aufeinandertreffen wird sich FA-Coach Mayerhoffer aber kaum zusätzliche Informationen von seinem Flensburger Trainerkollegen Maik Machulla holen wollen. Denn gleichermaßen verärgert wie verständnislos quittierte der 45-Jährige den nicht eingeplanten Punktverlust in der Buderus-Arena in Wetzlar. »Wir sind extrem enttäuscht. Der Spielverlauf war ganz anders«, schüttelte der gebürtige Greifswalder nach dem Spielende den Kopf ob des Resultats.

Womit er aber nur für die ersten 50 Minuten Recht hatte. Was auch der fünffach erfolgreiche Flensburger Rechtsaußen Lasse Svan so sah. »Wir haben ein super Spiel gemacht, bis auf die letzten zehn Minuten.«

Schließlich schienen die Gäste mit einem 23:17 Vorsprung (42.) und einer 24:18-Führung zwei Minuten später schon sicher auf der Siegerstraße. Doch der Siebenmetertreffer von Hampus Wanne zum 29:24-Vorteil in der 53. Minute war auch schon das letzte Flensburger Tor an diesem Abend.

Aber mit dem Mut der Verzweiflung stemmten sich die Gastgeber gegen die vermeintliche Niederlage. »Ein Lob an meine Mannschaft, dass sie nie aufgegeben hat«, freute sich HSG-Trainer Ben Matschke, der zuvor nicht immer zufrieden sein konnte mit seinen Schützlingen. Zwei taktische Eingriffe wendeten das Spiel in der Schlussphase. Und das etwas überraschend. Denn sowohl die nun praktizierte Plus-eins-Deckung der Mittelhessen genauso wie die Hereinnahme eines siebten Feldspielers sollten eigentlich den Nordlichtern mit ihren personellen Qualitäten in die Karten spielen. An diesem Abend aber nicht. »Das wichtigste war die Umstellung auf eine offensive 5:1-Abwehr, vorher waren wir zu passiv«, urteilte Wetzlars rechter Flügelmann Lars Weissgerber, der sich mit fünf Einwürfen auszeichnete. Jetzt klappte auch das Tempospiel des Tabellenfünften, wie Matschke zufrieden anmerkte. Zudem sollte der nun praktizierte siebte Angreifer (in der Offensive eingewechselt für den Torwart) die bis dahin sattelfeste Abwehr des Rangdritten mehrfach aushebeln. Dadurch seien vor allem die Außenspieler besser zum Wurf gekommen, merkte Weissgerber an.

Auf diese Maßnahmen der sonntäglichen Gäste wird Hartmut Mayerhoffer sicherlich ebenfalls ein Augenmerk legen. Doch nach der Niederlage in Solingen mit einer schwachen ersten Halbzeit und einem 9:17-Rückstand beim Bergischen HC schaut er erst einmal auf die eigene Mannschaft. »Für uns wird es darum gehen, dass wir wieder gemeinsam trainieren und die Abläufe einstudieren können«, setzt der 52-Jährige auf eine Aufarbeitung der klaren Niederlage, bei der er Corona-bedingt mit Tim Kneule seinen verlängerten Arm auf dem Spielfeld ersetzen musste. Es bleibt abzuwarten, ob der 35-jährige Rückraumspieler am Sonntag in der Göppinger EWS-Arena dabei sein kann. Die Wetzlarer dürften hingegen wieder in Bestbesetzung antreten können und wollen nach dem 28:28-Remis im Hinspiel und dem am Donnerstag gegen Flensburg gewonnenen Selbstvertrauen den ersten doppelten Punktgewinn im Jahr 2022 feiern.

Dann noch nicht mit dabei ist Jovica Nikolic, den die HSG Wetzlar am Freitag als Neuzugang bekanntgab. Die Mittelhessen haben den serbischen Jung-Nationalspieler für die kommende Saison verpflichtet. Der 20-Jährige wechselt vom HC Vojvodina, dem neunfachen serbischen Meister, an die Lahn und ersetzt dort den Kroaten Ivan Srsen. Dessen im Sommer auslaufender Vertrag wird nicht verlängert. Nikolic, der einen Zweijahresvertrag unterzeichnet hat, ist in Novi Sad geboren und hat bereits im Alter von 16 Jahren für die 1. Mannschaft von HC Vojvodina gespielt. Bei der U19-Weltmeisterschaft wurde er im Jahr 2019 zum besten rechten Rückraumspieler gewählt. »Jovica ist schon heute ein Leistungsträger in Vojvodina, der sein Team extrem pusht. Er gilt als eines der hoffnungsvollsten Linkshänder-Talente auf dem Balkan und wird ganz sicher zu einem festen Bestandteil der Nationalmannschaft werden«, weiß Jasmin Camdzic, Leiter Scouting bei der HSG Wetzlar.

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