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Mit eigenen Talenten ins Rampenlicht

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... für eine Vielzahl an Erfolgen (und Fotos) stehen. © LAZ/Theimer

Gießen . Hier könnten jetzt Kolonnen von Zahlen, Namen und Rekorden stehen. Schier nicht enden wollend. Denn 40 Jahre eines Zusammenschlusses von Leichtathletik-Abteilungen fördern eben dies zutage: Kolonnen von Zahlen, Namen und Rekorden. Doch wer will das lesen? Selbst die direkt Beteiligten, die vielleicht mehrfach und herausgehoben darin auftauchen, werden sich in der Regel einer solchen Darstellungsform verweigern.

Und so wählen wir einen anderen Weg, um 40 Jahre Leichtathletik-Zentrum (LAZ) Gießen Stadt und Land in entsprechender Form zu würdigen. Denn heute am 29. März 2022 jährt sich die Gründung des LAZ zum 40. mal.

Drei der insgesamt nur vier (!) Vorsitzenden blicken für den Anzeiger zurück. Dabei haben Volker Clarius (von der Gründung 1982 bis 1986 und dann wieder von 1991 bis »95), sein Nachfolger Eckhard Paul (1995 bis 2018) und der seitdem an der Vorstandsspitze stehende Martin Theimer viel zu erzählen. Herbert Steinhoff, der von 1986 bis 1991 die Führungsposition inne hatte, lebt nicht mehr.

»Wir waren immer eine LAZ-Familie«, zieht Theimer, selbst in jüngeren Jahren ein sportliches Aushängeschild der Gemeinschaft, bereits ein Fazit. Zudem verweist er darauf, dass das mittelhessische LAZ in den 40 Jahren »alle Talente selbst entwickelt« habe.

Doch bis es so weit war, waren einige Hürden zu überwinden. Und nicht nur für die Hürden- und Hindernisläufer. Die Idee hatte Volker Clarius. »Ich habe mich schon mit 18 geärgert über den Partikularismus der Gießener Vereine«, wollte der junge Mann vom MTV 1846 schon früh die Kräfte für das Laufen, Springen und Werfen in der Universitätsstadt bündeln. Erst recht, als er 1962 in jungen Jahren das Amt des Kreisvorsitzenden übernahm. Anfangs war »Schorsch« Richtberg, die damalige Leichtathletik-Institution vom VfB 1900, noch ein Gegner dieses Vorhabens. Dennoch stellte Clarius mit Unterstützung von Alfred Dieffenbach, dem Vorsitzenden des Hessischen Leichtathletik-Verbandes (HLV), beim bundesdeutschen Verbandstag in Stuttgart einen Antrag zur Bildung von Wettkampfgemeinschaften. Der wurde zwar »abgeschmettert«, wie der langjährige Oberstudienrat an der Gießener Liebig-Schule mit einem Schmunzeln erzählt, doch die Idee war geboren.

Ironie der Geschichte: 1968 brachte das Präsidium des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) selbst den Antrag zur Zulassung von Leichtathletik-Gemeinschaften (LGs) ein. Der dann auch beschlossen wurde. Damit konnten die Leichtathletik-Abteilungen verschiedener Vereine als Wettkampfgemeinschaften ohne Vereinscharakter an Wettkämpfen teilnehmen.

Woraufhin Clarius und seine Mitstreiter, jetzt auch mit Richtberg, flugs zur Tat schritten und zum 1. Januar 1969 eine LG Gießen (mit dem MTV 1846 und dem VfB 1900, und anfänglich auch mit dem TSV Kleinlinden) ins Leben riefen. Das war doch schon einmal etwas.

Geburtshelfer des LAZ war aber ein anderer Leichtathletik-Infizierter: Bernd Barth vom SV Garbenteich, einem Verein, der damals in dieser Sportart stark besetzt war und für viel Furore sorgte. Am Ende der Saison 1981 sei der engagierte Trainer an ihn herangetreten, berichtet Clarius, und habe angefragt, »ob man sich über eine größere Leichtathletik-Gemeinschaft unterhalten könne«. Man konnte. Und auf den Ruf zur ersten Gesprächsrunde folgten fast alle Vereine mit Leichtathletik-Abteilungen im Kreis. Es kam noch zu weiteren Treffen und am 29. März 1982 schlossen sich immerhin 16 (!) Vereine zum LAZ (Leichtathletik-Zentrum Gießen Stadt und Land) zusammen. »Leider waren die TSF Heuchelheim und der TSV Krofdorf-Gleiberg nicht dabei«, blickt Volker Clarius noch heute mit großem Bedauern zurück.

Die Führungsspitze übernahmen Clarius und der zum MTV 1846 zurückgekehrte Kurt Drolsbach. Aber alle drei Vorsitzende werden nicht müde zu betonen, dass es vornehmlich die vielen engagierten Trainer und Helfer in den Vereinen waren, die zu den vielen Erfolgen beigetragen hätten. Dabei habe sich das Konzept innerhalb des LAZ in den 40 Jahren nicht verändert. »Wir wollen die Talente in den Stammvereinen entdecken und sie dann in Stützpunkten zusammenführen«, beschreibt es Martin Theimer. Was heißt, dass die Schülerarbeit in den Stammvereinen passiert und ab der Jugend gebündelt wird. Dazu passte, dass 1981 die Sportanlage der Gießener Herderschule eine neue Kunststoffanlage erhielt. Damals »beste Voraussetzungen«, wie Clarius erklärt.

Doch so wie die meist »West-Stadion« genannte Anlage in die Jahre gekommen ist, so hat auch das LAZ in den vier Jahrzehnten Federn lassen müssen. »Die Stammvereine TV Großen-Buseck, TSG Lollar, MTV 1846 Gießen und TV Großen-Linden sind derzeit unsere aktivsten Vereine«, gibt Martin Theimer Einblick in die aktuelle Situation, bei den anderen Vereinen spricht er von einer »Einfrierphase«.

Beim Blick auf die momentane Situation will er vor allem den Busecker Reinhard Böttner sowie Andrea Ewald und Erich Gebhardt aus Lollar lobend erwähnt sehen. Aktuell halten als Stützpunkt-Trainer neben Gebhardt vor allem Markus Czech und Adrian Becker die LAZ-Fahne hoch. Nicht zu vergessen die Theimer-Twins. Denn neben Martin war und ist auch Zwillingsbruder Jörg eine der Stützen des LAZ.

Wobei schon einmal angemerkt werden muss, dass der Fokus der Trainings- und Vereinsarbeit vor allem auf dem Mehrkampf und den Mittelstrecken sowie den Mannschaften und den Staffeln lag und liegt. »Unsere Stärke war immer der Mannschaftssport mit Individualsportlern«, umschreibt es der Vorsitzende. Vor allem mit Schüler-Mannschaften sorgten die Gießener lange auf hessischer und deutscher Ebene für Furore und Erfolge. »Wir haben Grundlagen gelegt und alle vielseitig ausgebildet«, blickt Clarius zurück. Und so, als könnte er es im Rückblick fast selbst nicht glauben, ergänzt er: »Es grenzt schon fast an ein Wunder, dass wir manche Spitzenleute so lange halten konnten.« Schließlich hatten diese im Winter so gut wie keine Möglichkeit zum Training. Die nächste verfügbare Halle stand damals in Stadtallendorf.

Dies bekam Senior Clarius im doppelten Sinne mit. Denn Mehrkampf-Tochter Birgit war und ist so etwas wie die Vorzeigesportlerin des LAZ. Schließlich gab sie in den 80er und 90er Jahren eine international erfolgreiche Mehrkämpferin ab. Neben der Teilnahme an den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona mit dem siebten Platz ragen vor allem der dritte Rang bei der Hallen-WM 1993 im kanadischen Toronto und der Sieg bei der Universiade 1991 in Sheffield heraus. 1985 wechselte sie zum MTV Ingolstadt, auch der besseren Trainingsmöglichkeiten wegen.

Daneben waren es natürlich noch viele andere Sportlerinnen und Sportler, die im internationalen und deutschen Rampenlicht standen. So wie jeder Aufzählung die Gefahr der Unvollständigkeit immanent ist, so können auch die nachfolgend genannten Namen nur kleine Eisbergspitzen in einem großen Meer darstellen. Dianna Ponzio, Ulrike Walther, Ina Drolsbach, Katharina Döring, Beatrice Marscheck, Ann-Christin Strack, Nadine Schnürer bei den Frauen sowie Christoph Blum, die Rückel-Brüder Michael und Markus, Martin Seidel, Martin Melchior, die erwähnten Theimer-Zwillinge und Markus Czech, Martin Bujard, Niklas Harsy, Christopher Wenzel, Christopher Nagorr, Adrian Becker, Costa Laurenz bei den Männern - sie alle dürften sich auch über die Leichtathletik hinaus hierzulande einen Namen gemacht haben. Und sorgten ebenso für die vielen eingangs erwähnten Rekorde.

»Aktuell haben wir keine Top-Athleten«, muss Vorsitzender Theimer eingestehen. Die Vereine befänden sich in der Aufbauphase. Allerdings sei auch die Tendenz festzustellen, dass manche Gruppen die Reisen zu weiter entfernten Wettkämpfen nicht mehr bestreiten wollten. »Wir müssen uns mehr auf den Breitensport konzentrieren«, sagt Martin Theimer. Und auch wenn das LAZ über die meiste Zeit seines Bestehens geschätzter Veranstalter von Wettkämpfen war, so ist davon nur der Silvesterlauf übrig geblieben. Hier hat der Glanz des LAZ Gießen Stadt und Land überdauert.

Silversterlauf bleibt

Trotzdem stellen die Vorsitzenden immer noch viel Engagement in ihren Reihen fest. Wobei Eckhard Paul ein wichtiges aktuelles Element nicht vergessen sehen will: »Uns fehlen zwei Jahre durch die Pandemie.« Hier sind im Rückblick auf 40 Jahre LAZ die Kolonnen von Zahlen, Namen und Rekorden merklich ausgedünnt.

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Symbolische Staffelübergabe auf dem MTV-Gelände: Die LAZ-Vorsitzenden (von links) Volker Clarius, Eckhard Paul und Martin Theimer. © Wißner
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Leichtathletik-Historie im heimischen Raum. Vier Fotos, die freilich nur stellvertretend.......... © Red
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Vier Fotos einer langen und erfolgreichen .... © Red
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IImpressionen aus 40 Jahren LAZ: © Red

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