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Mit Herzblut im Hexenkessel

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Hüttenberg. Herzblut. Leidenschaft. Es kocht im Hexenkessel. Der vor dem Heimspiel des TV Hüttenberg auf der Leinwand über der Zuschauer-Glasfront des Sportzentrum abgespielte Trailer weist schon darauf hin, was der Handball-Zweitligist brauchen wird, um an diesem Abend den TSV Bayer Dormagen zu schlagen, um zum zweiten Mal hintereinander vor eigenem Publikum zwei Punkte einzusacken.

TV Hüttenberg - Bayer Dormagen 30:28

Ein spannendes Duell auf Augenhöhe hatte TVH-Trainer Johannes Wohlrab im Vorfeld prophezeiht - und das wurde es dann auch. Nicht nur gemessen an den Spielständen agierten die beiden Tabellennachbarn lange Zeit gleichauf, auch die Spielanlage ähnelte sich sehr. Sodass am Ende die Einstellung und die Entschlossenheit, die in der zweiten Halbzeit das Pendel in Richtung Gastgeber ausschlagen ließen, über den Ausgang entscheiden musste. Par Excellance verkörpert vom im Einspielfilmchen passenderweise zwischen den Herzblut- und Leidenschaft-Schriftzügen eingeblendeten Spielmacher Ian Weber, der in der entscheidenden Phase viel Verantwortung übernahm und mit der letzten Aktion den Deckel draufmachte auf einen 30:28 (12:14)-Sieg beim letzten Heimauftritt des TVH in diesem Kalenderjahr.

Der insgesamt neunmal erfolgreiche Rückraumspieler wendete, als es nach einer 28:24-Führung für sein Team rund drei Minuten vor dem Abpfiff plötzlich noch einmal spannend geworden war, beim Stand von 29:28 in den letzten Zügen der Partie noch zwei wichtige Schachzüge an. Rund eine halbe Minute war noch zu spielen, als Weber sich, nachdem sein Rückraum-Kollege Niklas Theiß mit einem Freiwurf am Rande des Zeitspiels im Dormagener Block hängengeblieben war, den Abpraller schnappte und clever einen erneuten Freiwurf samt Zeitstrafe für den Gegner herausholte. Und schließlich für das Happy End sorgte, als er vier Sekunden vor Schluss - auf halbrechter Position durchgekommen - den viel umjubelten Siegtreffer erzielte.

»Es war schon auch etwas Glück, dass der Abpraller bei uns landet, das Foul und die zwei Minuten für Dormagen nehme ich dann dankend an. Am Schluss wollten sie wohl gegen einen Wurf verteidigen, so richtig durchtanken musste ich mich da nicht mehr«, schilderte Ian Weber hinterher, wie er die Situation wahrgenommen und letztlich die Lücke am Kreis für den finalen Abschluss gefunden hatte. »Das war heute wirklich mal wieder ein Hexenkessel«, freute er sich.

Tatsächlich schlug die vor über 90 Dezibel warnenden Geräuschpegel-App auf der Smartwatch nach der donnernden »Explode«-Einmarschmusik im Verlauf der Partie noch zweimal an. Zum ersten Mal wieder, nachdem Hendrik Schreiber in der 47. Minute mit dem 22:19 erstmals eine Drei-Tore-Führung für seine Hüttenberger Farben besorgt hatte. Es war die Wende in einer Begegnung, in der sich beide Seiten mit ähnlichen offensiven Deckungsreihen gegenüberstanden.

Nach dem Pausen-12:14 kehrten die Hausherren wild entschlossen aufs Parkett zurück und schafften, angetrieben von Ian Weber und Niklas Theiß, die im Rückraum mutig agierten, Torwart Leonardo Grazioli, der einige Bälle zu fassen bekam und sogar selbst einmal in den verwaisten Bayer-Kasten traf, beim 17:17 (39.) den Ausgleich. Bis sie nach einem Vier-Tore-Vorsprung noch einmal kurz zittern mussten, um dann doch die Heimzähler Nummer drei und vier in Folge feiern zu können.

»Damit können wir dann auch das Kapitel Heimfluch zumachen«, war »Joh« Wohlrab genauso erleichtert wie seine Schützlinge, die sich nach dem Abpfiff zum Jubelkreis formiert und hüpfend »Hüttenberger Jungs« skandiert hatten. »Am Ende sind auch bei unseren Führungsspielern die Hände noch mal etwas zittrig geworden, aber dank einer tollen Moral haben wir es dann doch noch heimschaukeln können«, lobte der TVH-Übungsleiter die Einstellung seiner Schützlinge.

Hüttenberg: Plaue (bis 30.), Grazioli (1) - Schwarz (1), Kirschner (3), Theiß (5), Fujita, Weber (9/3), Zörb, Reichl (4), Schneider (1), Klein (1), Jockel (n.e.), Schreiber (3), Kuntscher (2).

Dormagen: Juzbasic, Simonsen (ab 31.) - Reuland (4), Senden (3), Zurga (2), Rehfus (1), Ian Hüter, Reimer (7/7), Grgic (4), Patrick Hüter, Sterba (3), Schmidt, Seesing (3), Steinhaus (1).

Schiedsrichter: Bärmann/Bärmann (Graben-Neudorf) - Zuschauer: 940 - Zeitstrafen: Hüttenberg fünf (Kirschner, Schneider zwei, Klein, Schreiber) - Dormagen sechs (Senden, Rehfus, Grgic, Sterba zwei, Seesing) - verworfene Siebenmeter: keine.

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