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»Mit mir hart ins Gericht gegangen«

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Warm anziehen: Oliver Glasner grübelt vor dem Spiel gegen die Bayern. © dpa

Frankfurt (pep). Sportlich ist es das »Spiel des Jahres«, wenn die Frankfurter Eintracht am Samstag (18.30 Uhr) vor erstmals wieder halb gefüllter Arena (25000 Zuschauer) den FC Bayern München empfängt. Doch selbst ein profanes Fußballspiel steht unter dem Eindruck des Krieges in der Ukraine. »Wenn wir von unserer schwierigen sportlichen Situation sprechen, ist das doch Kindergeburtstag gegenüber dem, was dort passiert«, ordnete Trainer Oliver Glasner das Geschehen ein, »in der Ukraine, das ist eine wirklich schwierige Situation«.

Die Eintracht ist von dem Konflikt direkt betroffen. Ihr Zeugwart Igor Simonov stammt aus der Ost-Ukraine. »Ich spreche jeden Tag mit ihm. Er hat seine Familie noch dort. Seine Brüder befürchten, dass sie eingezogen werden zur Armee und vielleicht an die Front müssen«, erzählt der Frankfurter Trainer. Simonov (63) arbeitet seit bald zwölf Jahren für die Eintracht, steht jeden Tag am Rande des Platzes, ist den Spielern ein guter Freund. Da herrscht große Solidarität. Zwischen 1979 und 1985 spielte Simonov für Schachtjar Donezk.

Abseits der beunruhigenden politischen Nachrichten hat Glasner hart daran gearbeitet, die Niederlage in Köln vom letzten Wochenende aufzuarbeiten. »Ich bin immer der erste, der Fehler bei sich selbst sucht«, sagt er, »deshalb bin ich mit mir klar und hart ins Gericht gegangen.« Die Leidtragende war seine Frau Bettina. Gleich nach dem Spiel in Köln war Glasner zum Heimatbesuch nach Salzburg gefahren. Der Sonntag und der Montag seien »intensive Tage des Nachdenkens« gewesen, berichtet er, »meine Frau konnte da nicht viel mit mir anfangen.« Der Eintracht-Coach hat sich viele Gedanken gemacht über die letzten Spiele und versucht herauszufinden, warum es nicht mehr läuft. »Jetzt schauen wir mal, ob ich die richtigen Einfälle habe«, sagt er »mein Lebensmotto lautet: Vorbei ist vorbei, blicke nach vorne.«

Der Blick nach vorn wird freilich durch die personelle Situation getrübt. Neben dem gesperrten Kristijan Jakic werden auch Kapitän Sebastian Rode und Spielmacher Daichi Kamada ausfallen, das Mittelfeld ist also sportliches Notstandsgebiet. Rode plagt sich mit einer »komplizierten Verletzung im Rippen/Bauchmuskel-Bereich« und konnte unter der Woche nicht trainieren. Glasner: »Das kann schnell gehen, kann sich aber auch einige Wochen hinziehen.« Und Kamada verspürt nach einem Trainingsunfall vom Dienstag, als er ausgerutscht und gegen eine Torstange geprallt war, Knieschmerzen. Beim Japaner gibt es noch eine kleine Chance, dass er rechtzeig fit wird.

Mittelfeld in Not

Wahrscheinlicher aber ist, dass Glasner sein Mittelfeld komplett neu aufstellen muss. Vieles deutet darauf hin, dass neben Djibril Sow Makoto Hasebe in der Zentrale vor der Abwehr spielen wird. Als weitere Kandidaten nennt Glasner Stefan Ilsanker und Ajdin Hrustic. »Jeder der drei hat seine Vor- und Nachteile, Makoto die Ruhe am Ball und die Spielintelligenz, Ilse seine Physis und Zweikampfstärke und Ajdin hat die Visitenkarte seines Spiels in Stuttgart«. Noch habe er »keine Bedenken« in Bezug auf die Aufstellung, »erst wenn die drei auch noch ausfallen muss ich mir ernsthafte Gedanken machen.«

Der Frankfurter Trainer will seine Spieler mutig auf den Platz schicken. »Wir haben die Fehler klar und deutlich angesprochen, aber jetzt gilt: Wir wollen gewinnen. Es gibt nur einen Weg, und das ist ein gemeinsamer. Also: Volle Kraft voraus.« Dass sich die Eintracht gegen den Meister »leichter« tun könnte als gegen Mannschaften wie Bielefeld oder Köln, so wie es unter anderen auch Mittelfeldspieler Djibril Sow vermutet, ist auch seine Hoffnung. »Vom Kopf her ist es einfacher, das Spiel selbst wird relativ schwierig«, glaubt der Eintracht-Coach, der keine Bayern-Krise erkennen kann. »Sie haben schließlich nur einmal verloren, in Bochum«, sagt er. Das Unentschieden in Salzburg habe ihn nicht wirklich überrascht, »weil Salzburg die Mittel und die Spieler hat, um den Bayern weh zu tun.« Die Eintracht hätte solche Mittel mit den schnellen Filip Kostic und Jesper Lindström auch. Aber, so Glasner: »Es muss alles, wirklich alles, zusammenpassen, dass man gegen die Bayern gewinnt.«

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