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Mit Omot, aber (noch) ohne Blake

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Gießen . Fünf Spieler haben den Abflug gemacht. Der Ärger über die Aussagen von John Bryant ist längst verflogen. Beim 100:73 gegen die Hamburg Towers haben sie für Luftsprünge auf den Tribünen gesorgt. Mit Kendale McCullum ist ihnen trotz aller personeller Rochaden ihr Überflieger erhalten geblieben. Und: Die Sorgen rund um Corona haben sich in Luft aufgelöst.

Wenn am Sonntag (15 Uhr) die MHP Riesen Ludwigsburg durch die Osthalle fliegen, dann heißt es für die Gießen 46ers: Abheben und möglichst bald zu einem Höhenflug ansetzen! Nur so können die Männerturner in der Basketball-Bundesliga auf dem Boden bleiben und den Abflug in die ProA noch verhindern.

Gießen 46ers - MHP Ludwigsburg (So., 15 Uhr)

»Ludwigsburg ist eine internationale Spitzenmannschaft«, weiß Hausherren-Coach Pete Strobl, dass der Deutsche Vizemeister von 2020 und Hauptrunden-Sieger von 2021 als klarer Favorit an der Lahn gastiert. »Sie verteidigen stark, sie sind aggressiv und sie haben individuelle Klasse«, betont der 44-Jährige, der jedoch auch weiß, dass seine Jungs das Hinspiel im Schwabenland kurz vor dem Jahreswechsel lange offen hielten und sich erst in den Schlussminuten mit 87:96 geschlagen geben mussten.

Mit von der Partie ist wieder Powerforward Nuni Omot, der vor drei Wochen über seinen Berater noch Abwanderunsgedanken übermitteln ließ, dem die 46ers-Verantwortlichen dem Vernehmen nach jedoch klargemacht haben, dass er seinen Vertrag zu erfüllen habe. Der 27-Jährige, ein gebürtiger Kenianer mit US-Pass, der aber für den Südsudan aufläuft, war zehn Tage bei seiner Nationalmannschaft, weilt seit Dienstag aber wieder in Gießen.

In der WM-Qualifikation führte er sein Team in der Afrika-Qualifikation für die Welt-Titelkämpfe 2023 in Japan, Indonesien und auf den Philippinen zu drei Siegen. Bei dem Turnier in Senegals Hauptstadt Dakar schlug der Süd-Sudan Ruanda 68:56, Tunesien 72:64 und Kamerun 74:68. Omot steuerte zu den Erfolgen bei durchschnittlich 27 Minuten auf dem Feld 17 Punkte und sechs Rebounds bei, was den Spitzenwert seines Teams bedeutete.

Weiter in der Warteschleife hängen die 46ers beim Thema BJ Blake. Sportdirektor und Geschäftsführer Sebastian Schmidt, den Corona erwischt hat und der deshalb aus Gründen der Isolation am Sonntag nicht in der Halle sein wird, hatte in den vergangenen Wochen mehrfach Kontakt zum 26-Jährigen und zu dessen Berater, um ihn zu bitten, den 46ers im Abstiegskampf zu helfen. Der US-Boy, der im vergangenen Sommer aus der Türkei nach Gießen kam, hatte Mitte Dezember und kurz nach der 75:82-Niederlage bei den Niners Chemnitz um seine Vertragsauflösung gebeten, nachdem sein Bruder vier Wochen zuvor in Seattle erschossen worden war. Schmidt macht kein Hehl daraus, Blake gerne wieder in Gießen begrüßen zu wollen, gibt jedoch auch zu bedenken, dass er »psychisch und physisch auf der Höhe sein muss, um uns zu helfen.«

Noch ist der variable Forward nicht aufgetaucht, ein Fünkchen Hoffnung haben die Verantwortlichen dennoch, dass es sich der Beste, den sie in den ersten zehn Partien auf dem Feld stehen hatten, doch noch anders überlegen könnte. Nachdem die 46ers mit Jalen Tate, TJ Williams, JD Miller und Martins Laksa bereits vier Nachverpflichtungen während der laufenden Runde getätigt haben, sind ihre personellen Möglichkeiten erschöpft. Lediglich ein Spieler wie Blake, der in dieser Runde bereits bei den 46ers im Einsatz war und der nach seiner Vertragsauflösung nirgendwo anders im Einsatz war, könnte das Team noch ergänzen.

Riesen auch international

Mit den MHP Riesen Ludwigsburg stellt sich eine Mannschaft in Gießen vor, die in der Champions League in die Runde der letzten 16 eingezogen ist, dort aber zuletzt bei Hapoel Holon (51:69) kein Bein auf den Boden bekam. Mit Oscar da Silva verloren die Schwaben, deren Partie in Heidelberg am Donnerstag kurzfristig abgesagt wurde, da die Hausherren mehrere Coronafälle zu beklagen haben, zum Saisonstart einen ihrer Stars an Alba Berlin.

Dafür aber verlängerten mit Top-Center Jonas Wohlfarth-Bottermann, dem in den Fokus von Nationaltrainer Gordon Herbert geratenen Lukas Herzog sowie Defensiv-Ass Jonah Radebaugh ihre Verträge. Auch Dreier-König Jordan Hulls blieb bei den Riesen Ludwigsburg.

Hinzu kam der bereits 40-jährige Routinier Tremmell Darden, der schon in der Türkei, in Belgien, Australien, Frankreich, Spanien, Litauen und Griechenland aktiv war. Vor wenigen Wochen kehrte dann auch noch Tekele Cotton zur Verstärkung des Backcourts zurück an den Neckar. Der US-Boy, der bereits von 2015 bis 2017 in Gelb-Schwarz auflief, war in den letzten viereinhalb Jahren in Italien und Estland aktiv. Dazu gesellte sich Center Ethan Happ, der in der vergangenen Saison in Italien bei Fortitudo Bologna und Dinamo Sassari sowohl EuroLeague- als auch Champions-League-Erfahrung sammelte.

Kein Wunder also, dass Pete Strobl von einer »internationalen Spitzenmannschaft« spricht ...

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