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Mit Sorgenfalten in die Winterpause

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Von: Rolf Birkhölzer

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Hier ist ein Kinzenbacher im Getümmel mal obenauf: Paul Kipper beim Spiel gegen den SC Waldgirmes II. Foto: PeB © PeB

Gießen . Die beiden heimischen Fußball-Verbandsligisten gehen mit Sorgen in die Winterpause, die bis zum 21. Spieltag am 5. März dauert. Während der FC TuBa Pohlheim als Tabellen-Neunter noch drei Punkte vom Abstiegs-Relegationsplatz entfernt ist, sieht es für die SG Kinzenbach nach 20 Spielen sehr bedrohlich aus. Derzeit als 15. Drittletzter hat die Mannschaft aus dem Heuchelheimer Ortsteil schon elf Zähler Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz und deren neun auf den Relegationsrang.

FC TuBa Pohlheim

»Man hat natürlich als Fußballer den Ehrgeiz, bessere Ergebnisse zu erzielen, aber für mich war klar, dass es wegen verschiedener personeller Probleme keinen selbstverständlichen Lauf ganz nach oben geben würde«, relativiert TuBa-Coach Ibrahim Cigdem die Erwartungshaltung, die in der heimischen Fußball-Szene eher eine Spitzenposition der Pohlheimer vorsah und auf Aufstiegsambitionen spekulierte. Namhafte Akteure wie z. B. Kevin Rennert, Ahmed Marankoz, Helmut Schäfer und Gino Parson, die bereits ihre Spuren in verschiedenen Vereinen hinterlassen haben, versprachen eigentlich mehr Erfolg als die acht Dreier, drei Unentschieden und sieben Niederlagen, die bisher 27 Punkte brachten. Allerdings haben die Pohlheimer u.a. wegen Corona zwei Partien weniger absolviert und haben als Folge von Spielverlegung und spielfreiem Wochenende schon seit zwei Wochen Paus e.

Personelle Probleme gab es jede Menge für die TuBa-Verantwortlichen um Trainer Cigdem, der zu Saisonbeginn von der DJK Bad Homburg gekommen war und die Vereine der Verbandsliga Mitte nicht kannte. Die Liste der Ausfälle ist ellenlang. So verließen die Neuzugänge Alexander Koziolek und Paul Scherer aus Studiengründen den Verein Richtung USA, Helmut Schäfer wurde laut Cigdem »keine Option, weil er nach einem Jahr mit Verletzungsproblemen nicht fit wurde«, Michael Bathomene fiel wegen einer langwierigen Krankheit aus, Marankoz hatte sich beruflich selbstständig gemacht, konnte nicht ausreichend trainieren und wurde deshalb zuletzt nicht mehr berücksichtigt, wie auch Torwart Mustafa Yaman wegen interner Probleme. Philipp Basmaci war zunächst in einer schlechten Verfassung wegen einer Verletzung aus der Vorsaison und fehlte zeitweise wie auch Gani Sevim wegen Urlaubs. Und auch Albano Sidon, Marius Klotz, Mathay Arslan und Gabriel Gülec fielen zeitweise wegen Verletzungen aus. »Daraus ergaben sich zu viele Gründe, um oben angreifen zu können. Ich denke aber auch, dass wir viele Punkte liegengelassen haben, wo uns das Glück gefehlt hat«, bilanziert Cigdem, der aber optimistisch ist: »Wir sind als Team enger zusammengerückt, und ich denke, wir sind auf einem guten Weg. Ich möchte die Saison mindestens unter den ersten Fünf in der Tabelle abschließen. Dafür müssen und wollen wir uns stetig verbessern.«

Personelle Veränderungen zum Start in die Restrunde schließt der Sportliche Leiter Christian Memmerbachi (»Aktuell werden Gespräche geführt.«) nicht aus.

SG Kinzenbach

Bedrohlicher sieht die Lage für die SG Kinzenbach aus, deren Trainer Peter Bätzel vor der Saison »einen einstelligen Tabellenplatz eher im mittleren Bereich« als Ziel vorgegeben hatte. Danach sieht es im Moment überhaupt nicht aus, auch wenn der SG-Coach, der vor der Runde Oliver Dönges abgelöst hatte, die Hoffnung auf den Liga-Verbleib nicht verloren hat. »Wir haben noch zwölf Spiele, und acht Siege daraus sind realistisch für den Klassenerhalt«, glaubt Bätzel, der aber zugibt: »Das ist eine Herkulesaufgabe. Aber ich glaube an die Mannschaft. Wenn wir gut aus der Winterpause kommen und in den ersten drei Spielen gegen Biedenkopf, Waldbrunn und Eltville, die man gewinnen muss und gewinnen kann, erfolgreich sind, ist das für uns richtungsweisend. Aber um bis zum Schluss in Schlagdistanz zu bleiben, müssen wir punkten wie ein Aufstiegsaspirant. Jeder Spieler muss alles tun und in bestmöglicher Verfassung hart an sich arbeiten.«

Aber wie kam es zu dieser mageren Ausbeute und der akuten Abstiegsgefahr? Für Bätzel sind drei Gründe dafür verantwortlich. Erstens: »Ich stehe weiterhin dazu, dass wir bei voller Kaderstärke dem Team hätten zutrauen können, unser Ziel zu erreichen. Aber wir mussten im Schnitt von Woche zu Woche auf drei bis vier Positionen die Mannschaft verändern wegen Krankheit, Verletzungen, Urlaub und privater Termine. Somit konnte keine Kontinuität aufgebaut werden. Das gilt ebenfalls für das Training, wo auch Leistungsträger fehlten und trotzdem spielen mussten.«

Bätzel kritisiert zu viele Fehler

Zweitens: »Wir haben uns in zu vielen Spielen klare individuelle Fehler geleistet. So haben wir sieben berechtigte Elfmeter gegen uns bekommen, auch weil wir teilweise ein naives Zweikampfverhalten gezeigt haben. Wir haben es in vielen Spielen dem Gegner zu leicht gemacht, einfache Tore zu erzielen.«

Drittens: »Unsere fehlende Effektivität in der Offensive für den Aufwand, den wir betrieben haben. Uns hat die Kaltschnäuzigkeit gefehlt, um aus den gegebenen Möglichkeiten Tore zu erzielen.« Und Bätzel ergänzt: Pech war manchmal dabei, Verletzungen sind ärgerlich, aber die anderen Punkte dokumentieren auch die fehlende Qualität in der Mannschaft. Dazu kommt, dass wir als Team zu lange gebraucht haben, um uns der sportlichen Situation bewusst zu werden.« So die ausführliche Analyse des Trainers, der zwischenzeitlich auch von Corona gebeutelt und von Co-Trainer Ingo Flechtner vertreten wurde.

Nachteilig war auch, dass einige Leistungsträger ihr optimales Leistungsvermögen nicht erreicht haben. So konnte z. B. Henrik Keller nicht so wie im letzten Jahr oftmals der entscheidende Faktor sein, kommt bisher erst auf sieben Treffer, zwei weniger als Kollege Hakan Güngör erzielt hat. Und Leader und Mittelfeldmotor Tommy Ried spielte zuletzt fünf Wochen mit gebrochenem Fuß, was erst jetzt bei einer Untersuchung festgestellt wurde.

Gibt es bis zum Trainingsbeginn nach der Pause am 28. Januar etwa personelle Verstärkungen? »Wir wollen nicht unbedingt jemand holen und werden sehen, ob sich Möglichkeiten ergeben, Spieler langfristig zu verpflichten«, lässt Peter Bätzel die Frage offen.

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Ibrahim »Ibo« Cigdem hatte über weite Teile der Saison allen Grund, nachdenklich zu sein, geht aber zuversichtlich in die im März startende Restrunde. Foto: Friedrich © Friedrich

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