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»Musste Vertrauen nicht aufbauen«

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Von: Thomas Suer

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»Ich denke, wir haben gezeigt, dass wir alles für den FC Gießen geben.« Der Frankfurter FC-Spielführer Wessam Abdel-Ghani. Foto: Ben © Ben

FC-Spielführer Wessam Abdel-Ghani über Gießens Hinrunde, Trainer Daniyel Cimen und die Ziele

Gießen . Fußball-Hessenligist FC Gießen hat einen überragenden ersten Saisonteil gespielt. Lediglich drei Punkte beträgt der Rückstand des Rangzweiten auf die U21 der Frankfurter Eintracht, die als Tabellenführer in die Winterpause gegangen ist. Wesentlich dazu beigetragen hat Kapitän Wessam Abdel-Ghani, Rufname »Suma«.

Im Interview spricht der in Frankfurt wohnende 28-jährige Linksverteidiger über seinen Wechsel nach Gießen, den Einfluss von Daniyel Cimen, den überraschenden Erfolg, den Charakter und die Außenwirkung des Teams sowie das Thema Regionalliga Südwest.

Nachdem nach dem Abstieg aus der Regionalliga spät klar war, dass Trainer Daniyel Cimen und Michael Fink weitermachen, waren Sie einer der ersten Spieler, die zugesagt haben. Obwohl im Juni überhaupt nicht feststand, wie der neu zu erstellende Kader und damit die sportliche Perspektive aussehen würde. Warum?

Ich hatte bereits vor einigen Jahren unter Daniyel Cimen bei Rot-Weiß Frankfurt gespielt und hatte auch Kontakt zu ihm, bevor ich in Gießen unterschrieben habe. Das Vertrauen musste nicht erst aufgebaut werden. Er hat mir gesagt, was er vorhat und dass er eine gute Mannschaft zusammenstellen will. Ich wusste, dass er aus wenig viel machen kann und wir eine schlagkräftige Truppe zusammenbekommen.

Hätten Sie diesen bisherigen Saisonverlauf für möglich gehalten?

Nachdem ich die Jungs in der Vorbereitung gesehen habe und auch, wer immer mit dazu gekommen ist, konnte ich mir gut vorstellen, dass wir viele Spiele gewinnen werden. Aber dass es so gut läuft, habe auch ich mir nicht ausgemalt. Umso schöner ist es. Aber wir arbeiten auch hart dafür, lernen immer mehr dazu, um die Fehler aus vorherigen Spielen zu vermeiden.

Was zeichnet die Mannschaft aus?

Der Respekt untereinander und die Leidenschaft, jedem Ball nachzugehen. Wir haben viele junge Spieler, die auf die Älteren hören, was leider heute im Fußball nicht mehr normal ist. Keiner stellt sich über die Mannschaft, das macht uns aus. Auch bei den älteren Spielern ist keiner dabei, der es im dritten Gang probiert. Sie respektieren die Jüngeren genauso.

Der FCG wurde zu Regionalliga-Zeiten vor allem aufgrund seiner finanziellen Schwierigkeiten von der Öffentlichkeit kritisch beäugt. Ebenso ist das Wirken von Notvorstand Turgay Schmidt umstritten. Welchen Eindruck haben Sie, wie die Mannschaft in den letzten erfolgreichen Monaten wahrgenommen wird?

Zur Vergangenheit kann ich mich nicht so gut äußern, da habe ich auch nur das Sportliche verfolgt. Ich kann nur von heute reden und da ist das Feedback der Fans und Zuschauer sehr positiv. Das freut und motiviert uns sehr. Von Spiel zu Spiel sind es mehr Fans geworden. Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber ich hatte gehört, es würde Beschwerden geben, dass viele Spieler aus dem Frankfurter Raum kommen. Ich denke, wir haben gezeigt, dass wir alles für den FC Gießen geben. Nicht nur über die Erfolge, sondern auch mit der Art und Weise, welche Leidenschaft wir an den Tag legen.

Trainer Daniyel Cimen hat betont, der FCG sei kein Eintracht-Jäger. Welche Meinung haben Sie dazu?

Das sind wir auch nicht. Wir schauen auf uns, zumal noch sehr viele Spiele zu absolvieren sind. Und wir müssen in die alte Spur finden. Zuletzt waren wir ein bisschen unsicher.

Aber der Aufstieg muss doch ein Thema sein, zumindest Rang zwei und die Relegationsrunde. Da ist zum einen die eigene Stärke und zum anderen der Vorsprung von vier Punkten auf den Dritten Türk Gücü Friedberg. Und es scheint, als sei gar nicht klar, ob die Konkurrenz die 4. Liga überhaupt angehen würde.

Klar, wir schauen nach diesem ersten schönen Saisonteil auf die Tabelle. Und man denkt logischerweise, dass es jetzt auch schön wäre aufzusteigen. Diese Gedanken sind da, aber was wir bisher geschafft haben, reicht dafür nicht. Wir wollen voll angreifen, aber wenn du zu weit nach vorne denkst, kann es passieren, dass du das eine oder andere Spiel vernachlässigst. Wir schauen von Spiel zu Spiel. Klar ist, dass wir nicht um die goldene Ananas spielen wollen.

Dem Vernehmen nach ist es auch offen, ob der FC Gießen selbst die Regionalliga stemmen kann und will. Wie betrachten Sie das aus Spieler- und Kapitänssicht?

Was intern besprochen wird, weiß ich nicht. Und es ist auch gut so, dass wir davon nichts wissen, um den Fokus auf das Sportliche nicht zu verlieren. Wenn sich die Möglichkeit auf die Regionalliga ergibt, wäre das sehr schön, sie ergreifen zu können. Ich habe das selbst zwei Jahre mit Eintracht Stadtallendorf erlebt, das ist eine gute Plattform - vor allem auch für die jungen Spieler.

Inwiefern könnte es die Mannschaft in der Restrunde beeinflussen, wenn die Frage noch nicht beantwort sein oder gar der Verzicht auf die 4. Liga erklärt werden sollte?

Bei dem starken Charakter der Mannschaft wäre das kein Problem. Es wäre sicher im ersten Moment enttäuschend, aber dann auch schnell wieder raus aus den Köpfen.

Die Regionalliga ist bekanntermaßen die Schnittstelle zum Profifußball. Unter welchen Bedingungen könnten Sie den Weg mitgehen, falls der Aufstieg eintreten sollte?

Ich arbeite Vollzeit in einem Autohaus. Am Morgen zu trainieren, wäre für mich nicht möglich. Aber in Stadtallendorf ging es auch, da haben wir auch ausschließlich abends trainiert. Das macht natürlich einen Unterschied aus, aber deshalb hängt man nicht meilenweit zurück. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Wessam Abdel-Ghani

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