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Nach oben - nur nicht im Fahrstuhl

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Von: Alexander Fischer

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Harte Arbeit unterm Korb: Roland Nyama und die 46ers treffen auf Trier. Foto: Schepp © Schepp

Gießen. Eigentlich wollen Gießens Basketballer wieder hoch hinaus. Was ihnen nicht immer gelingt. Wie vergangene Woche, als sich Trainer Branislav Ignjatovic, sein Assistent Nikola Stanic und Geschäftsführer Jonathan Kollmar im Dachcafé zusammensetzen wollten. Doch der Fahrstuhl machte ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Auf halber Strecke blieb er stehen. Um Sekunden später wie von Geisterhand wieder den Weg nach unten anzutreten. Also, erneuter Anlauf? Zu Fuß ins 13. Stockwerk? »Wirklich nicht. Wir sind unten geblieben und haben eine andere Location aufgesucht«, hatte der Coach die Lust komplett verloren, erstmals nach einem halben Jahr bei den 46ers die Stadt auch mal von oben kennenzulernen.

Hoch hinaus geht es in diesen Tagen aber für seine Basketballer, die sich nicht unbedingt anschicken, den »Betriebsunfall« des Abstiegs aus der Bundesliga zu beheben, die nach drei Siegen in Serie aber die Playoffs fest im Blick haben. 10:6-Erfolge, also 20 Punkte, weist das Konto der Männerturner derzeit auf, am Sonntag (16 Uhr) sollen in der Sporthalle Ost gegen die Gladiators Trier zwei weitere folgen. »Hätte mir jemand im Sommer gesagt, dass wir zum Ende der Vorrunde die Chance haben, auf 22 Zähler zu kommen, dann hätte ich ihn für verrückt erklärt«, weiß »Frenki« Ignjatovic, dass sein Team, aber auch der Serbe selbst, bisher ganze Arbeit geleistet haben.

Gießen 46ers - Gladiators Trier (Sonntag, 16 Uhr)

Dass mit dem Nachfolgeclub des 2015 in die Insolvenz gerutschten Pokalsiegers von 1998 und 2001, TBB Trier, ausgerechnet die Mannschaft in der Osthalle ihre Visitenkarte abgibt, der das Momentum der ProA gehört, stört Ignjatovic wenig. »Vieles spricht für ein gutes Basketballspiel, schließlich kommt das heißeste Team der Liga zu uns. Ich finde bei ihnen keine Schwachstelle«, lobt »Frenki« die Männer von der Mosel und ergänzt in Richtung der Gießener Anhänger: »Ich glaube, dass wir bisher kein besseres Team in der Osthalle gesehen haben. Sie spielen eine starke Defense und bewegen sehr gut den Ball. Das Lineup der Trierer Guards ist für mich das Beste der gesamten Liga. Und unter den Körben haben sie auch einiges zu bieten.« Trier hat sich mit sieben Siegen in Serie in der Tabelle nach oben gehievt und so nach schwachem Saisonstart Tuchfühlung zu den Playoff-Plätzen aufgenommen.

Erfolge über die Tigers Tübingen (84:77), die Kirchheim Knights (83:63) oder zuletzt die Bayer Giants Leverkusen (102:82) lassen die wiedergewonnene Stärke erahnen. Dabei hat die Mannschaft der Stunde auf beiden Enden des Feldes herausragende Qualitäten zu bieten. Headcoach Pascal Heinrichs hat eine der stärksten Offensiven der Liga zusammengestellt. Sie erzielt die meisten Punkte (1439) und hat mit 48,5 Prozent die zweitbeste Feldwurfquote nach Rasta Vechta. Aber auch die Defense kann sich sehen lassen, denn im Schnitt sammeln die »Gladiatoren« 39 Rebounds ein. Dies ist der Bestwert in der ProA.

Der Kader hat mit Parker van Dyke (durchschnittlich 17 Punkte), Daniel Thomas Monteroso (16), Garai Zeeb (13), Travis Daniels (13) und dem aus Vechta nachverpflichteten Jordan Johnson (10) etliche Top-Scorer, die jedem Team jederzeit gefährlich werden können.

Zuletzt gegen Leverkusen war Spielmacher Zeeb gefordert - er lieferte mit 19 Zählern, einer unglaublichen Dreierquote von 83 Prozent sowie elf Assists ein fast perfektes Spiel ab. Topscorer, und damit der Drittbeste der Liga, Parker van Dyke, zeigt sich mit einer Wurfquote von 48 Prozent ebenfalls sehr präzise aus der Entfernung. In der Abräumer-Rolle am wohlsten fühlt sich das Trio Florian Hollersbach (im Schnitt acht Rebounds), Travis Daniels (7) und Till Isemann (6). Die Big Men messen alle deutlich über zwei Meter, so dass auf den besten Rebounder der ProA, Stefan Fundic, einiges an Arbeit zukommen wird.

»Ich darf gar nicht daran denken, was passieren würde, wenn Fundic sich verletzten sollte«, weiß »Frenki« Ignjatovic um die Bedeutung seines bulligen Landsmannes. Dass sich die Gießener, bei denen die zuletzt geschundenen Igor Cvorovic und Roland Nyamar klaglos zur Verfügung stehen, auf dem Markt umschauen, ist kein Geheimnis.

Die Vorrunde werden sie jedoch mit ihrem bisher so tapfer auftrumpfenden und mit einer kleinen Rotation aufwartenden Team beenden. Immer im Bemühen, im Gegensatz zu ihrem im Fahrstuhl steckengebliebenen Trainer ohne Probleme weiter nach oben zu kommen.

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