1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

»Natürlich fließen Tränchen«

Erstellt: Aktualisiert:

gispor200622-huettenberg__4c_1
Nach gemeinsamer Zeit beim TV Hüttenberg trennen sich die Wege von Dominik Mappes (v.l.), Stefan Kneer, Tobias Hahn und Christian Rompf. Foto: Röczey © Röczey

Hüttenberg. Für Spieler und Fans des TV Hüttenberg ist das letzte Heimspiel der Saison immer etwas ganz besonderes. Nicht nur, weil die Akteure sich anschließend in den Sommerurlaub und die verdiente Erholungspause verabschieden, sondern auch und vor allem deshalb, weil diejenigen Spieler, die den Verein verlassen, gebührend verabschiedet werden. So wird jeder, der das TVH-Trikot zukünftig nicht mehr tragen wird, mit einer kleinen Laudatio von einem seiner Mitspieler bedacht:

Es sind Worte, die schmunzeln lassen, Erinnerungen wachrufen - und nicht selten auch für Tränen sorgen. Vor allem dann, wenn die Verabschiedeten nicht nur den Verein verlassen, sondern ihre Handballkarriere gänzlich beenden. So geschehen am vergangenen Wochenende, als die Hüttenberger nicht nur den künftigen Erstligisten ASV Hamm-Westfalen mit 32:25 aus dem heimischen Sportzentrum schossen, sondern im Anschluss daran auch ihre drei »Oldies« Christian Rompf (36 Jahre), Tobias Hahn (34) und Stefan Kneer (36) verabschiedeten. Alle drei beenden ihre großartigen Karrieren und haben im Gespräch mit dieser Zeitung noch einmal zurückgeblickt und vorausgeschaut.

Christian, Tobias und Stefan, wie haben Sie Ihre Verabschiedung und damit das Ende Ihrer Laufzeit als Profi-Handballer am Samstagabend erlebt?

Rompf: Das war wirklich eine sehr schöne Sache. Ich bin da auch ein emotionaler Mensch, deswegen sind auch einige Tränen geflossen. Henni (Hendrik Schreiber, Anm. d. Red.) hat meine kleine Abschiedslaudatio gehalten und hat genau die richtigen Worte gefunden. In diesem Moment gehen dir so viele Gedanken, Szenen und ehemalige Mitspieler durch den Kopf, aber trotzdem versuchst du auch, dich auf den Moment zu konzentrieren und ihn zu genießen.

Hahn: Ich kann mich dem nur anschließen. Es war eine tolle Veranstaltung, die noch lange ging, bis dann nachts irgendwann die Halle zugeschlossen wurde. Mich hat Zörbi (Moritz Zörb, d. Red.) verabschiedet und ich muss wirklich zugeben, dass ich es mir vorher so schön nicht vorgestellt habe. Und natürlich sind da auch ein paar Tränchen geflossen, das gehört doch dazu. Meine Familie aus Massenheim war da, drei Freunde sind noch dazugekommen, das war einfach perfekt.

Kneer: Du versuchst ja in den Wochen vorher immer, dir irgendwie vorzustellen, wie das so sein wird. Gleichzeitig probierst du auch, dass ein bisschen von dir wegzuschieben. Ich hatte auch feuchte Augen, aber ich hatte selbst so viele Gedanken im Kopf, dass ich eher damit beschäftigt war, die für mich einzuordnen.

Welcher Moment wird Ihnen, wenn Sie an Ihre Hüttenberger Jahre denken, immer zuerst in den Sinn kommen?

Hahn: Puh, das ist schwer. Es gibt nicht diese eine Szene. Es sind so viele Erinnerungen, die man hat. Die familiäre Atmosphäre im Verein zum Beispiel. Jeder hat dir bei irgendetwas geholfen, wenn Du ein kleines Problem hattest. Du hast hier so viele ehrenamtliche Helfer, die einen Teil zum großen Ganzen beitragen, das ist wirklich selten und deshalb phänomenal. Und natürlich sind da auch die vielen Kabinengespräche, die Busfahrten nach Auswärtsspielen, die wir mit einem Siegerbier begossen haben. Das sind Momente, die einem fehlen werden.

Kneer: Bei mir ist es witzigerweise das erste Spiel, das ich für Hüttenberg absolviert habe. Ich kam mit einer schweren Rückenverletzung im Sommer 2020 von der HSG Wetzlar und wusste erst einmal gar nicht, ob ich überhaupt jemals wieder würde auflaufen können. Nach einem Jahr Verletzungspause spielen wir dann kurz vor Weihnachten bei meinem Ex-Verein TV Großwallstadt und sind in akuter Abstiegsgefahr. Ich sollte bei meinem Comeback eigentlich nur für zehn Minuten in der Abwehr aushelfen, stand am Ende aber 40 Minuten auf der Platte und habe dabei fünf Tore erzielt. Wir gewannen 28:26. Das war am 19. Dezember 2020. Das weiß ich deswegen noch so genau, weil es gleichzeitig mein 35. Geburtstag war. Vielleicht der emotionalste Moment in meiner 20 Jahre langen Karriere, da kam alles zusammen.

Rompf: Ich habe auch einen besonderen Moment vor Augen: Als wir am letzten Spieltag der Saison 2016/17 mit einem Heimsieg gegen den TuS N-Lübbecke in die Bundesliga aufgestiegen sind. Ich weiß heute noch jede Kleinigkeit dieses Tages: Wie und was ich gefrühstückt habe, wie ich in die Halle gefahren bin, und wie wild wir danach gefeiert haben. Mit dieser wahnsinnig geilen Mannschaft so etwas erleben zu dürfen, das war einmalig.

Wie geht’s für Sie nach dem Profi-Handball weiter? Gibt es Pläne, noch einmal für unterklassige Clubs anzutreten?

Kneer: Nein, nein, das ist nicht vorgesehen, obwohl es schon mehrere Anfragen gab. Ich bleibe ja weiterhin Co-Trainer der 1. Mannschaft und der B-Jugend, da bin noch oft genug in der Halle. Zudem arbeite ich seit diesem Jahr in Nieder-Eschbach bei einem Fuhrparkmanagement-Unternehmen und habe ja auch Familie. Da sind die Tage auch ohne aktiven Handball voll ausgefüllt.

Hahn: Ich habe neben dem Handball meine Berufsausbildung gemacht und arbeite seit Jahren in Wetzlar. Künftig bin ich dann eben schon um fünf oder halb sechs Uhr zuhause und nicht erst um zehn. Das ist ja auch ein schöner Ausblick. Wir haben im vergangenen Herbst ein Haus in Albshausen gekauft. Da habe ich jetzt mehr Zeit, mich um den Garten zu kümmern. Ob sich da sportlich noch einmal etwas ergibt, wird man sehen.

Rompf: Handballtechnisch habe ich mich offen gestanden noch überhaupt nicht umgeschaut, auch wenn schon ein paar lose Anfragen eingetrudelt sind. Mein großer Sohn ist jetzt fünf Jahre alt, vor neun Monaten kam dann noch der Kleine hinterher. Da möchte ich auch einfach mehr Zeit für die Familie haben und die Wochenenden nicht mit Auswärtsfahrten nach Rostock oder Lübeck verbringen. Ganz ehrlich: Im Moment habe ich nicht das Gefühl, noch einmal irgendwo anders auflaufen zu wollen.

Auch interessant