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Nein zu Eintracht Frankfurt

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Von: Albert Mehl

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Jana Becker trägt jetzt Weinrot. Hier mit dem Shirt des Königsteiner LV im dortigen Stadion. Foto: Priedemuth © Priedemuth

Laubach-Lauter . Nicht nur junge Frauen wechseln ab und an die Grundfarben ihres Outfits. Dass Jana Becker ab dem neuen Jahr allerdings das bisher dominierende Schwarz-Rot ihrer Sportkleidung gegen ein Weinrot tauscht, hat keine modischen Gründe. »Für mich ist das ein nächster Schritt in meiner Entwicklung«, sagt die 16-jährige Mittelstrecklerin und begründet so ihren Wechsel von der LG Wettenberg (mit schwarz-rotem Dress) zum Königsteiner LV in bordeauxroten Vereinsfarben.

»Natürlich tut es mir leid, dass ich die LG jetzt verlasse«, erzählt sie weiter, dass ihre langjährige Heimtrainerin Beke Lischka(-Schele) den Schritt nachvollziehen könne. Denn dafür sind einfach die Möglichkeiten im Verein aus dem Hochtaunus besser. Im Oktober 2013 gegründet, will der KLV talentierten Leichtathletinnen und Leichtathleten eine sportliche Heimstatt schaffen. »Gezielte Nachwuchsförderung und ein individuelles Heranführen an den Leistungssport stehen im Fokus«, heißt die Devise bei den Königsteinern.

Schon früh bemühte sich der neue Verein um das 800 Meter-Talent aus Laubach-Lauter. »Bei der ersten Anfrage von Judith Wagemanns habe ich noch abgesagt und wollte meinen Heimatverein nicht verlassen«, blickt die deutsche Spitzenläuferin zurück. Doch die Sportliche Leiterin habe sich weiter um sie bemüht, sagt Jana Becker, so dass sie nun zum 1. Januar 2023 (wie bereits berichtet) offiziell den Vereinswechsel vollzieht.

Dabei fängt die Oberstufenschülerin (derzeit in der 11. Klasse der Carl von Weinberg-Schule in Frankfurt) nicht bei Null an. Betreut wird sie im Sportinternat des Landessportbunds im Frankfurter Stadtwald weiterhin von Trainer Benjamin Stalf.

Und in Königsberg trifft sie bekannte Gesichter. »Es sind schon einige aus dem Team dort«, weiß sie von ihrer Trainingsgruppe. Vor allem der Mehrkampf steht beim KLV im Blickpunkt. So sorgt nach Zehnkämpfer Jan-Felix Knobel die Olympia-Teilnehmerin Vanessa Grimm im Siebenkampf für Schlagzeilen unter den Vorzeichen des Vereins. Genauso wie die 400 Meter-Läufer Okai Charles, Lasse Schmitt und Finn Kohlenbach. In der Leichtathletik-Szene bekannte Namen haben auch Marc Reuther und Sarah Köcher (beide Mittelstreckler) sowie die Dreispringerin Julia Sturm, die sich wie Becker zum neuen Jahr ebenfalls den Königsteinern anschließen.

»Der Verein hat neben etlichen guten Trainern viele Kontakte und verfügt über ein besseres Netzwerk als beispielsweise die LG Wettenberg«, zählt Jana Becker Vorteile ihrer Veränderung auf. Interessant, dass sie eine Offerte der Leichtathletik-Abteilung von Eintracht Frankfurt abgelehnt hat. Dass es mit dem KLV ein »kleinerer, familiärerer Verein« ist, sei ihr wichtiger gewesen, schiebt die U18-Vizeeuropameisterin vom Juli in Jerusalem nach.

Auch wenn sie zuletzt in Altenstadt den Hessenmeistertitel im Crosslauf der U20 ihrer bereits stattlichen Erfolgsbilanz hinzugefügt hat, so befindet sie sich derzeit in einer intensiven Trainingsphase. »Die Saison 2023 ist klar vorgezeichnet. Der Fokus liegt auf draußen«, blickt Jana Becker bereits auf die Freiluftsaison im nächsten Jahr. Aber auch in der Halle werde sie wieder mehrere Strecken laufen. Die ersten Wettkämpfe stehen Mitte/Ende Januar auf dem Programm. Zudem wird die Zusammenarbeit mit dem renommierten Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) in Leipzig gepflegt.

Kein Wunder, dass da auch schon die ersten Zeiten ins Visier genommen werden. Beispielsweise die Verbesserung ihrer Hallenbestzeit über 800 Meter von 2:06,45 Minuten. Auch die Freiluft-Bestzeit von 2:04,95, die ihr im Juni in Dortmund den deutschen Titel in dieser Altersklasse brachte, wird verhalten-zuversichtlich angegangen. »Erst einmal will ich diese Zeit bestätigen. Aber ich weiß, dass ich mehr drauf habe«, sagt Jana Becker. »2:03 sollten drin sein.« Die Läuferin wäre nicht mit einem gesunden Ehrgeiz ausgestattet, wenn sie nicht auch registrieren würde, dass die Schallgrenze von zwei Minuten näher rückt.

Ein weiterer Schritt dahin, und um zusätzliche internationale Erfahrungen zu sammeln, könnten zwei Wettkämpfe im Juli und August bringen. Zum einen die U20-Europameisterschaft erneut in Jerusalem (weil Rumänien kurzfristig als Ausrichter abgesagt hat) und schließlich das Europäische Olympische Jugendfestival (EYOF) im slowenischen Maribor. Während in Israel (mangels U18-Angebot) die U20 die Startklasse wäre, würde Jana Becker in Slowenien in der angestammten U18 dabei sein. »Da will ich um den Titel mitlaufen«, hat sie schon jetzt eine klare Zielsetzung für den Fall der Fälle.

Bei diesem sportlichen Programm überlegt die Oberstufenschülerin bereits, die Schulzeit um ein Jahr zu strecken, beruhigt aber mit dem nächsten Satz: »Alles ist im guten Bereich in der Schule.« Für die 11. Klasse im nächsten Jahr sind Sport und Biologie als Leistungsfächer im Visier. Zwar gehört Jana Becker keiner reinen Sport-Klasse mehr an, dennoch absolviert sie weiter das obligatorische Frühtraining und hat viele Sportlerinnen und Sportler um sich. »Meine beste Freundin an der Schule ist eine Schwimmerin«, berichtet sie.

Und dort ist es egal, ob sie weiter in Schwarz-Rot oder in Weinrot läuft.

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