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Nie richtig dran am Gegner

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Erlangen/Wetzlar. Nach neuneinhalb Minuten der neuen Saison hatte Ben Matschke erst einmal genug, oder besser zu wenig von seiner Mannschaft gesehen. »Konzentriert Euch auf Eure Aufgabe. Wir wollten mit Übergängen anfangen«, schrie der Trainer der HSG Wetzlar seinen Spieler ins Ohr. Zu diesem Zeitpunktschienen die Grün-Weißen im Duell mit dem gastgebenden HC Erlangen aber mehr dem Untergang geweiht, denn die Franken führten mit 6:

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HC Erlangen - HSG Wetzlar 31:27

Nach 60 Minuten hieß es in der mit 3745 Zuschauern besetzten Nürnberger Arena 27:31 (13:16) aus Sicht der Wetzlarer zum Auftakt der Handball-Bundesliga. Ein Ergebnis, das den Willen der Gäste, nie aufzugeben, zwar unterstrich. Doch so richtig nah dran am Gegner war die Mannschaft um Kapitän Adam Nyfjäll bis zum Ende nicht. »Ich bin stolz auf Jonas Schelker, Hendrik Wagner und Radojica Cepic. Meine Etablierten kamen nicht ins Spiel und saßen schnell auf der Bank«, erklärte Matschke hinterher. Der Fehlstart war mehreren Dingen geschuldet. Hinten taten sich speziell im Innenblock der Gäste immer wieder Lücken auf, in die der Gegner entscheidend hineinstieß. Die Abstimmung zwischen Kapitän Adam Nyfjäll und Erik Schmidt wirkte verbesserungswürdig, so dass die Mannen um Rückraumhüne Simon Jeppsson entweder selbst relativ frei abschließen oder das Anspiel an den Kreis forcieren konnten.

So sahen sowohl Till Klimpke als auch der nach einer Viertelstunde eingewechselte Anadin Suljakovic unglücklich und oft machtlos aus. In der Offensive wiederum erlaubte sich Regisseur Magnus Fredriksen in den ersten Minuten zwei eklatante Fehlpässe, stand komplett neben sich und verzichtete schnell auf seinen Platz auf der Platte.

Rückkehrer Vladan Lipovina, der nach dem Ausfall von Jovica Nikolic (der Serbe fällt mit einer Knöchelverletzung am rechten Fuß mehrere Wochen aus) zwar die Alleinlast als Linkshänder im Rückraum trug, löste seinerseits bis zu seinem ersten Tor in Minute 28 meist ohne Not eine Wurf-Fahrkarte nach der anderen. Glücklicherweise agierten auch die wacher und aggressiver wirkenden Erlanger nach dem 8:3 (13.) auch nicht immer souverän. Glücklicherweise ging Lars Weissgerber als Siebenmeter-Nachfolger von Maxi Holst und weiteren sauberen Abschlüssen von Rechtsaußen als Torschütze voran. Und glücklicherweise zeigten einige Neuzugänge, die Matschke früh ins kalte Erstliga-Wasser warf, keinen Respekt vor dem Konkurrenten.

Schelker stark

Ob »Regie-Assistent« Jonas Schelker, der mit viel Tempo die HCE-Abwehr anlief, mit sechs Treffern und frechem Spiel glänzte, ob Hendrik Wagner, der auf beiden Rückraum-Halbpositionen zunächst zwar ohne Durchschlagskraft, aber auch ohne Eigenfehler tätig war. Ob Radojica Cepic, der wie Wagner für Stabilität in Defensive und Offensive sorgte. Und so ließen die Grün-Weißen die Gastgeber auch nach einem 10:15 (27.) erstmal nicht vorentscheidend davonziehen.

Erik Schmidts schnelles Tor nach dem Wechsel zum 14:16 hätte dann noch mehr Auftrieb geben sollen, stattdessen aber lagen die Gäste nach einer neuerlichen Fehlerflut beim 17:23 (38.) erneut mit minus sechs hinten. »Das ist zu viel Risiko«, versuchte Ben Matschke in seiner zweiten Auszeit den Flow des Gegners und den Negativtrend der HSG zu stoppen. Doch die Worte des 40-Jährigen verpufften bereits Sekunden später, als sich Lenny Rubin zum x-ten Mal festrannte und der nächste Gegenstoß der Hausherren sein Ziel fand.

So blieb Matschke nur 108 Sekunden später keine andere Wahl, als erneut auf den neu eingeführten Buzzer am Zeitnehmertisch zu drücken. Lukas Becher und Domen Novak waren die letzten Joker der Grün-Weißen, die auf Außen nichts Großes mehr ausrichten konnten. Beim 21:26 (46.) hätte Becher das Duell vielleicht scharf stellen können, scheiterte aber wie später auch einige Teamkollegen am starken HCE-Keeper Klemen Ferlin.

Klimpkes Paraden

Sein Gegenüber Till Klimpke hielt in den letzten zehn Minuten dann nicht nur drei Siebenmeter, sondern auch das kleine Fünkchen Hoffnung auf die Wende am Leben. Doch näher als auf 27:30 kam die HSG nicht mehr heran. »Ich nehme aber insgesamt viel Positives mit, vor allem, dass die Jungen uns Impulse bringen«, war Matschke nach außen hin nicht unzufrieden. Doch in seinem Kopf dürften dem HSG-Coach auch die vielen kleinen Fehler seines Teams herumgeschwirrt sein.

Erlangen: Obling (n.e.), Ferlin - Heiny, Sellin, Bialowas, Zehnder (3), Firnhaber (2), Büdel (4), Bissel (3), Metzner (2), Link, Jeppsson (5), Steinert (1/1), Kurch, Olsson (8/1), Zechel (2).

Wetzlar: Till Klimpke, Suljakovic - Nyfjäll (2), Lipovina (2), Schmidt (2), Becher, Weissgerber (4/1), Schelker (6), Fredriksen, Wagner (2), Mellegard (1), Cepic (3), Rubin (2), Novak (2).

Schiedsrichter: Kern/Kuschel (Bellheim/Kandel) - Zuschauer: 3745 (in Nürnberg) - Zeitstrafen: Erlangen zwei (Steinert, Bissel), Wetzlar keine - verworfene Siebenmeter: Olsson (Erlangen) scheitert an Till Klimpke (51.), Novak (Wetzlar) scheitert an Ferlin (53.), Steinert (Erlangen) scheitert an Till Klimpke (55.), Mellegard (Wetzlar) scheitert an Ferlin (58.), Zehnder (Erlangen) scheitert an Till Klimpke (59.).

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