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Niko Weber sieht grün-weiße Probleme

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Von: Karsten Zipp

Wetzlar. Vier Jahre lang war Nikolai Weber nicht mehr in der Buderus-Arena. Vier lange Jahre. Nun hat der Fernsehsender Sky den grün-weißen Ex-Torwart zum Heimspiel seiner HSG Wetzlar gegen die SG Flensburg-Handeswitt eingeladen. Als Experte. Eine gute Wahl des Senders.

Denn der Betreiber eines Kaffeehauses in der Wetzlarer Altstadt zeigte doch einige Schwachpunkte der HSG bei der 22:27-Niederlage auf. Schwachpunkte, die wieder einmal und diesmal vor allem in einer gravierenden Schwächephase der Domstädter in der ersten Halbzeit zu Tage traten. »Es unglaublich laut in der Halle. Die Fans sind super«, bilanzierte Weber zunächst nach dem 11:16-Pausenrückstand, um dann den Finger in die sportliche Wunde zu legen: »Aber der Funke ist leider noch nicht auf die Mannschaft übergesprungen.« Zu wenig Tempo, zu selten den Ball laufen lassen. Das monierte der TV-Experte schließlich nach dem Schlusspfiff. Und formulierte damit genau das, was sein etwas bekannterer Kollege zuvor in die Mikrofone gesagt hatte. Denn auch Stefan Kretzschmar kritisierte die grün-weiße Offensive: »Der Ball läuft schlecht«, so der Ex-Nationalspieler, »das ist viel zu wenig Tempospiel.«

Dabei schönt das am Ende nicht allzudeutliche Ergebnis fast ein wenig die Vorstellung der Gastgeber vor endlich einmal über 4000 Zuschauern. Oder um es anders zu sagen: Dank der Abwehrumstellung von Trainer Ben Matschke, der die 5:1 nach dem Zwischentief der ersten Hälfte auf eine 6:0 justierte, stand die Defensive besser. Flensburg kam nicht mehr zu den ganz einfachen Treffern. Und das neue HSG-Toptalent Jovica Nikolic wiederum belebte die Offensive mit vielen gelungenen 1:1-Situationen. Die Anspiele an den Kreis und die Außen allerdings bleiben mangelhaft.

Die Gastgeber hatten nach der bitteren Derbyniederlage in Melsungen vor allem die Drucksituationen in der Crunchtime trainiert. Eine Crunchtime jedoch erschien für die Mittelhessen höchstens nach zwei Spielminuten und einer 2:0-Führung erreichbar. Eine Crunchtime war nur wenig später bei einem 5:12-Rückstand (21:00) so weit entfernt wie eine Bahnhofsmission von einem Technoclub. Vor allem Vladan Lipovina hatte im Rückraum einen rabenschwarzen Tag erwischt. »Die Würfe«, kritisierte auch Niko Weber, »waren anfangs völlig unvorbereitet. Das war dankbar für Buric.« Buric! Ausgerechnet SG-Keeper Benjamin Buric nahm mit seinen sieben Paraden in Abschnitt eins Wetzlar zunächst einen schlechten Wurf nach dem anderen weg. Erst nach der Abwehrumstellung stotterte der nordische Motor. Doch selbst stotternd fuhr der Favorit den Sieg letztlich ungefährdet nach Hause. Weil Buric immer mal wieder eine Parade einstreute. Weil Kreisläufer Johannes Golla in Weltklasseform ist. Weil aber eben auch die HSG zu ungefährlich ist. Dass nun auch noch der zu Saisonbeginn als »Mister 100 Prozent« gefeierte Lars Weissgerber in eine Siebenmeter-Krise geschlittert ist und gegen Flensburg gleich zweimal scheiterte, dürfte die Sorgenfalten von Trainer Matschke vertiefen. Sorgenfalten, die auch die nächsten beiden Aufgaben betreffen. Mit nun 5:13-Punkten werden die Auswärtsaufgabe am Sonntag beim Bergischen HC und danach zu Hause gegen Leipzig von Soll- fast schon zu Muss-Spielen. Vielleicht schaut dann auch nochmal Niko Weber vorbei. Vielleicht sogar als Glücksbringer.

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