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Nur bei einem Team läuft alles nach Plan

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Haiger/Gießen . Freitagabend, Flutlicht, Derbyzeit. Die Bedingungen für das Duell des TSV Steinbach Haiger und des FC Gießen in der Fußball-Regionalliga Südwest könnten schlechter sein. Noch dazu verspricht die Kulisse am Haigerer Haarwasen, wenn die Partie der Mittelhessen um 19 Uhr angepfiffen wird, den entsprechenden Rahmen zu bereiten. »Der Vorverkauf lief gut.

Wir erwarten eine vierstellige Besucherzahl. Auch der Gästeblock wird geöffnet sein«, zeigt sich Steinbachs Geschäftsführer Matthias Georg zufrieden. Für die Anhänger gilt dabei das fast schon Übliche: 2G-Plus und Maskenpflicht, die Abstände auf den Tribünen entfallen dagegen.

TSV Steinbach Haiger - FC Gießen (Heute,19 Uhr)

Dabei steht auch das sechste Aufeinandertreffen beider Clubs unter unterschiedlichen Vorzeichen. Zwar haben auf den ersten Blick beide Mannschaften noch kein Spiel im Jahr 2022 verloren, doch da enden die Gemeinsamkeiten bereits. Sportlich, finanziell und in Sachen Trainingsbedingungen sind die Voraussetzungen beider Vereine höchst unterschiedlich. Dennoch waren diese Derbys, mit Ausnahme des Steinbacher 4:0 im April 2021, stets enge und bisweilen auch hitzige Duelle.

Die am vergangenen Wochenende spielfreien Gießener, die auch abseits des Platzes weiter nicht zur Ruhe kommen - dem Vernehmen nach warten Spieler und Trainerteam noch auf die Gehaltszahlungen des vergangenen Monats - sind nach drei Remis in Folge auf den drittletzten Tabellenplatz abgerutscht.

Für FCG-Trainer Daniyel Cimen allerdings kein Grund für Nervenflattern. Der besonnene Ex-Profi ist mit dem Abstiegskampf bestens vertraut. »Der Druck ist nicht unbedingt größer als in den Vorjahren. Es wird sich noch zeigen, ob die drei Punkte aus den letzten drei Spielen wertvoll waren oder am Ende wehtun.« Wenngleich ihn die jüngsten Ergebnisse wurmen. »Gegen Bahlingen und in Balingen hätten wir gewinnen müssen, gegen Aalen gewinnen können«, so der 37-Jährige. Größtes Manko: die Chancenverwertung. Offensive Abläufe und Abschlüsse standen deshalb ganz oben auf der To-Do-Liste des Trainers, dazu ein Testspiel gegen Hessenligist Hessen Dreieich. Doch vier Corona-Fälle im Team am vergangenen Freitagmorgen durchkreuzten Cimens Pläne. Der Test musste kurzfristig abgesagt werden. »Hätte ich das gewusst, hätte ich das Training davor anders dosiert. So war es sicher keine optimale Trainingswoche für uns.«

Immerhin: ein größerer Corona-Ausbruch blieb dem Club dieses Mal erspart. Außerdem holten sich mit Giuseppe Burgio und Nejmeddin Daghfous zwei Offensivkräfte in der Gießener »Zweiten« in der Verbandsliga Spielpraxis und durch ihre Tore gegen Ederbergland auch Selbstvertrauen. Dennoch will sich Cimen, der in Haiger auf Außenbahnspieler Ryunosuke Takehara (Bänderüberdehnung) verzichten muss, nicht in die Aufstellungskarten schauen lassen, »Steinbach ist der Favorit, sie sind wieder voll im Aufstiegsrennen und haben nach den jüngsten Erfolgserlebnissen viel Selbstvertrauen. Wenig spricht für uns, das ist aber genau der Anreiz für diese Partie.«

Takehara verletzt

Die Steinbacher kennt Cimen nach fünf Liga-Spielen (ein Sieg) und einem Duell im Hessenpokal eigentlich aus dem Effeff. Wenn da nicht der Trainerwechsel des TSV im Winter gewesen wäre. »Sie laufen nicht mehr so hoch an, sind mit und gegen den Ball flexibler geworden«, zählt Cimen Gründe auf, die nicht unbedingt für einen Sieg des Underdogs sprechen. Dennoch machen zwar vielleicht nicht die jüngsten Ergebnisse, so aber die Spielverläufe seines Teams dem Gießener Coach Mut. »Der Glaube und die Überzeugung müssen bei meinen Spielern da sein. Das waren sie in den letzten Spielen. In diesem Jahr haben schon andere Teams Favoriten ein Bein stellen können. Wenn wir mutig auftreten, uns nicht einigeln, unnötiges Risiko vermeiden, gerade im Mittelfeld, haben wir eine Chance.«

Zumal Cimens Gegenüber Ersan Parlatan wohl erstmals in seiner zugegeben kurzen Amtszeit größere Änderungen an der Startelf vornehmen muss. Flügelflitzer Jonas Singer zog sich im Auswärtsspiel in Aalen zwei Sehnenrisse im linken Fuß zu und wird rund acht Wochen ausfallen. Hinter Singers Pendant auf dem linken Flügel, Dennis Chessa, steht nach einer Magen-Darm-Grippe genauso ein Fragezeichen wie hinter Serhat Ilhan und Marcell Sobotta nach überstandener Corona-Erkrankung. Damit stehen dem Trainer für die Außen lediglich Kevin Lahn und Tim Kircher zur Verfügung. Immerhin sind Innenverteidiger Jannik Bandowski und der zuletzt gelbgesperrte Tino Bradara dabei.

»Der Ausfall von Jonas ist ein großer Verlust für uns. Einen Spieler mit seiner Schnelligkeit, Beweglichkeit und Gradlinigkeit haben wir sonst nicht im Kader«, so der Steinbacher Coach, der fernab der personellen Rochaden bester Laune ist. »Das Team hat eine gute Entwicklung gemacht, ist auf einem guten Level. Gerade das Spiel gegen den Ball gefällt mir. Es läuft derzeit nach Plan«, so Parlatans Zwischenbilanz nach vier Liga-Spielen mit drei Siegen in Haiger. Dieser Plan sieht vor allem eine hohe Spielkontrolle vor, die »gegen Bahlingen und Balingen 45 MInuten und gegen Aalen bereits rund 60 Minuten gut geklappt« habe und nun gegen den FCG ausgebaut werden soll, um den Gegner gar nicht erst ins Spiel kommen zu lassen. Dass die Gießener beide Gegentreffer in diesem Jahr nach einer Ecke bekommen haben, sieht der TSV-Trainer nicht unbedingt als Vorteil. »Da kann ich Daniyel Cimen beruhigen, das zählte bislang nicht zu unseren Stärken«, schmunzelt der Coach.

Das Duell mit Gießen betrachtet der 44-Jährige unterdessen pragmatisch. »Klar hat es für die Fans Derby-Charakter, geht es auch um das Standing in der Region. Für mich als Trainer geht es zunächst um drei Punkte. Dafür müssen wir die Ruhe bewahren, auch wenn es mal hitzig wird«, erwartet dann auch Parlatan doch den ein oder anderen Derby-Moment.

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