1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

Ohne Schreiber in die »Assmann-Hölle«

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Nico Hartung

gispor_2703_tvh_280322_4c_2
Johannes Wohlrab © Jenniver Röczey

Hüttenberg. Was wäre gewesen, wenn Ian Webers Siebenmeter am Samstagabend 54 Sekunden vor dem Ende und beim Stand von 27:28 den Weg ins Tor gefunden hätte? Hätten die Spieler des TV Hüttenberg das Spitzenspiel der 2. Handball-Bundesliga gegen den VfL Gummersbach noch drehen können? Hätten sich beide Mannschaften die Punkte am Ende geteilt? Oder hätte der Tabellenführer aus dem Oberbergischen in der verbleibenden knappen Minute den entscheidenden Siegtreffer erzielt?

Für Fans, Verantwortliche und Spieler gehört es dazu, unmittelbar nach dem Schlusspfiff einer Partie derartige Planspiele in ihre Analysen einzubeziehen. Der Vorteil für Weber, der bis auf seinen Fehlwurf ansonsten eine abermals bärenstarke Partie als siebenfacher Torschütze und Motivator seines Teams ablieferte, und seine Mitstreiter ist allerdings jener, dass das TVH-Ensemble gar nicht die Zeit dazu hat, sich den Kopf mit der »Was-wäre-wenn«-Frage zu zermartern. Der ohnehin eng getaktete Spielplan des Unterhauses, der zudem durch einige coronabedingte Spielverlegungen zusätzlich verdichtet worden ist, lässt kein langes Nachdenken über Vergangenes, allerdings auch kein ausgiebiges Durchschnaufen für Kommendes zu.

Denn bereits an diesem Mittwochabend (Anwurf: 20 Uhr) gastieren die Blau-Weiß-Roten beim ThSV Eisenach, ehe schon am Samstag das nächste Heimspiel gegen die SG BBM Bietigheim auf dem Plan steht. »Wir mussten das Gummersbach-Spiel erst einmal sacken lassen, das ist jetzt aber abgehakt. Seit Montagmorgen steht der Fokus voll auf der nächsten Aufgabe, die alles andere als ein Selbstläufer werden wird. In der Eisenacher Halle und mit ihren Zuschauern im Rücken wird es brutal schwer werden, da etwas zu holen«, ist sich Wohlrab sicher. Zwar müssen Besucher, die die Werner-Assmann-Halle betreten wollen, weiterhin einen der drei G-Nachweise vorzeigen können, eine Zuschauergrenze gibt es jedoch nicht mehr.

Der letzte Eisenacher Auftritt in der heimischen Arena verlief jedoch aus Sicht der Hausherren katastrophal: Mit 21:29 musste man sich dem TV Großwallstadt vor zweieinhalb Wochen beugen. Doch diese derbe Pleite verschleiert, dass die Formkurve der Wartburgstädter derzeit eigentlich nach oben zeigt: Bis auf das Großwallstadt-Spiel wurden die letzten Duelle allesamt gewonnen, zuletzt erkämpfte man sich ein sehenswertes 30:27 an der Ostsee gegen den HC Empor Rostock. Das neu erworbene Selbstbewusstsein des Tabellenzwölften, der den Hüttenbergern Ende Oktober im Hispiel noch mit 28:30 unterlag, äußert sich nicht zuletzt in der angriffslustigen Ankündigung von Trainer Misha Kaufmann: »Das Rückspiel wird eine völlig anderes Partie werden, da bin ich mir sicher.«

Wohlrab weiß, was taktisch auf die Seinen zukommen wird. Ähnlich wie der TVH bevorzugen die Thüringer eine offensive Deckungsvariante (5:1), im Rückzugsverhalten drängt Kaufmann auf konsequentes Gegenpressing. »Das haben wir früher auch schon gespielt, da nannte sich das noch Manndeckung«, lacht der Hüttenberger Trainer, warnt seine Schützlinge jedoch gleichzeitig eindringlich: »Wir müssen permanent anspielbereit sein, dazu Kreativität und Raffinesse zeigen. Taktisch gesehen wird das eine neue Herausforderung für uns werden.«

Ob Ian Weber dabei helfen kann, die Eisenacher Abwehr zu knacken, steht noch nicht fest. Der Mittelmann ist gegen Gummersbach umgeknickt und hat seitdem Schmerzen im Sprunggelenk. Wohl sicher ausfallen wird Hendrik Schreiber, dessen Knie nach einem Zusammenprall gleich zu Beginn der Partie Sorgen bereitet.

»Bei Ian bin ich noch optimistischer, dass er mitspielen kann, bei Hendrik müssen wir jetzt die Diagnose abwarten«, so der Wohlrab, dessen letzter Punktspielausflug in die Assmann-Halle ein besonderer war: Am 31. Oktober 2020 vertrat der damalige Co-Trainer seinen Chef Frederick Griesbach, der sich als Kontaktperson vorsorglich selbst in Quarantäne begeben hatte. Die Hüttenberger fuhren unter der Ägide ihres Assistenzcoachs den ersten Saisonsieg ein. Knapp einen Monat später wurde Wohlrab nach Griesbachs Demission als Cheftrainer installiert - und hat den TVH seitdem vom Tabellenkeller in die Spitzengruppe geführt.

Auch interessant