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Pokalkrimi

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Pokaltraum vor toller Kulisse und herrlichem Himmel: DerFSV Fernwald bietet Kickers Offenbach einen großen Kampf. © Schepp

Fernwald. Um 18.20 Uhr erschallen die ersten »OFC, OFC«-Chöre über den Steinbacher Sportplatz. Chöre, die erst dreieinhalb Stunden später verstummen werden. Dreieinhalb Stunden, die in die Vereinsgeschichte des FSV Fernwald als ganz eigenes Kapitel eingehen werden. Denn der heimische Fußball-Hessenligist liefert im Viertelfinale des Hessenpokals dem haushohen Favoriten von Kickers Offenbach einen bravorösen Kampf.

Erst nach Verlängerung gibt sich der FSV schließlich mit 1:3 (1:1, 0:0) geschlagen.

Von guter Stimmung ist Daniyel Bulut vor dem Anpfiff so weit entfernt wie China von einem Klima-Verbesserungsziel. Neben Göbel muss der FSV-Trainer auch Torjäger Strack ersetzen, erzählt er mit einem frustrierten Achselzucken.

Aber was soll’s. Bei diesem Pokalkracher geben dafür alle anderen Gastgeber alles. Und alles müssen zunächst die Platzordner und Vereinshelfer geben, um die gut 750 Zuschauer zu betreuen. Auch an die 200 Kickers-Fans haben den Weg an die Oppenröder Straße gefunden. Begleitet von fast ebenso vielen Polizisten. Eine fast schon skurrile Fanreise ins schöne Mittelhessen. Und die mehr berüchtigten als berühmten Offenbacher Anhänger belassen es an diesem Abend glücklicherweise nur bei ihren Gesängen. Das allerdings mit Stimmen, die jedem Klassikliebhaber das Gruseln lehren dürften.

FSV Fernwald - K. Offenbach 1:3 n.V.

Doch zum Spiel: Da beherrschen die Gäste recht eindeutig das Geschehen, ohne allerdings den Klassenunterschied zwischen Regionalliga-Spitze und Hessenliga-Mittelfeld so richtig deutlich zu machen. Alleine der überragende David Tuma beschert der FSV-Defensive immer wieder immense Probleme mit seinen Flügelläufen auf der linken Seite. Den Wirbelwind lassen die Gastgeber allerdings auch sträflich frei. Kein Wunder, dass es auch Tuma ist, der in der 25. Minute mit einer präzisen Flanke OFC-Torjäger Mathias Fetsch findet, der mühelos zum 0:1 vollendet. Da FSV-Keeper Mithat Sahin zwei weitere hochkarätige Chancen mit klasse Reflexen vereitelt und auf der Gegenseite Brian Mukasa die einzige zwingende Möglichkeit der Fernwälder vergibt, bleibt es beim 0:1 zur Pause.

Und danach? Danach singen die Gäste-Fans weiter mit herben Stimmen. Danach bestimmt auch weiter der OFC das Geschehen. Und danach wird doch alles anders. Als in der 56. Minute der giftig zu Werke gehende Mukasa ein Foul an Tunay Deniz begeht, lässt sich der Offenbacher zu einer Tätlichkeit hinreißen und sieht folgerichtig die Rote Karte. Der FSV also in Überzahl. Eine Überzahl, mit der die Platzherren zunächst einmal nichts anzufangen wissen. Genau zwölf Minuten lang nichts anzufangen wissen. Dann aber einmal alles richtig machen in Person von Johannes Hofmann. Der nämlich stoppt eine Flanke mustergültig mit der Brust, dreht sich dabei und schießt den Ball direkt ins untere Eck. Ein herrlicher Treffer. 1:1. Die Sensation ist zum Greifen nahe. Der Steinbacher Jubel kennt keine Grenzen.

Nur leider wissen die FSVler auch in der Folge nicht so richtig was mit ihrer Überzahl anzufangen. Erst in der Verlängerung ergibt sich für Julian Bender, der mit einem Kopfball am Torwart scheitert, noch eine Chance. Ansonsten bleiben die Gäste immer einen Tick gefährlicher. Und vor allem natürlich personell besser besetzt.

Nationalspieler

Denn wer mit Philipp Hosiner einen früheren östreichischen Nationalspieler einwechseln kann, verfügt schon über ein schönes Guthaben auf der Bank.

Und klar: Es ist auch Hosiner, der die Gäste mit seinem Tor in der 108. Minute auf die Siegerstraße einbiegen lässt. Nach einem unglücklichen FSV-Eigentor drei Minuten später ist der Fernwalder Pokaltraum verpufft. Und am Ende singen dann nur noch die OFC-Fans. Ein mitreißendes Spiel. Ein Fanchor allerdings, der musikalisch an sich arbeiten muss.

FSV Fernwald: Sahin - Burger (94. Dervishi), Bender, Freese ((73. Markiewicz), Goncalves, Richter, Mukasa (106. Okada), Hendrich, Hofmann, Vural (91. Kaguah), Dinler

Kickers Offenbach: Richter - Zieleniecki, Firat, Deniz, Hermes, Ramaj (66. Bojaj), Tuma (96. Milde), Huseinbasic, Okungbowa, Fetsch (82. Hosiner), Breitenbach

Tore: 0:1 (25.) Fetsch, 1:1 (78.) Hofmann, 1:2 (108.) Hosiner, 1:3 (111.) Eigentor - Schiedsrichter: Wahl - Zuschauer: 750 - Rote Karte: Deniz (56.)

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