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Polas Bartolo hat Mitleid

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Stop War: Auch die Fans der Gießen 46ers beziehen Stellung zum Krieg in der Ukraine. Die Spieler wiederum tragen blaue Trikots. © Schepp

Gießen. Wenn die Roten in Blau spielen, gewinnen die Gelben. Gegen den Krieg in der Ukraine haben die Gießen 46ers am Sonntag farblich ein deutliches Zeichen gesetzt, im Abstiegskampf der Basketball-Bundesliga indes ist ihnen das nicht gelungen.

Gießen 46ers - MHP Ludwigsburg 59:76

»Meine alte Truppe tut mir echt leid«, fand Yorman Polas Bartolo, der von 2014 bis 2016 unter Denis Wucherer an der Lahn gespielt hatte, entlarvende Worte, nachdem seine MHP Riesen Ludwigsburg in der Osthalle vor nur 1484 Zuschauern nicht nur mit 76:59 (41:30) die Oberhand behalten, sondern der Mannschaft von Coach Pete Strobl auch die elfte Niederlage im zwölften aufeinanderfolgenden Match zugefügt hatten.

»Sie werden es schwer haben, ich befürchte das Schlimmste«, zog der Kubaner die Stirn in Falten. »Jetzt komme ich zu den 46ers zurück und muss ihnen auch noch weh tun. Furchtbar«, war es dem 36-jährigen Defensivspezialisten fast ein wenig peinlich, die Sorgen an seiner alten Wirkungsstätte weiter vergrößert zu haben.

»Ich bin stolz, dass wir gewonnen haben«, zog Gästecoach John Patrick, der in der vergangenen Woche seinen 54. Geburtstag gefeiert hatte, ein knappes Fazit. Sein Gegenüber Pete Strobl indes musste zugeben: »Ich bin sehr enttäuscht!« Seine Jungs hätten viel richtig gemacht, wären am Ende jedoch zu müde gewesen, um dem Match noch einmal eine Wende geben zu können. »Der Druck auf uns, besonders auf Kendale McCullum, war hoch, da hatten wir keine Lösungen mehr parat.« Dass die an der Linie zweitschlechteste Mannschaft der Liga dieser Negativ-Statistik wieder einmal alle Ehre gemacht hatte, wurmte Strobl mächtig: »Wir haben 17 Freiwürfe vergeben und am Ende mit 17 Punkten Unterschied verloren. Muss ich noch mehr sagen ...« Doch die Probleme der in beide Hälfte furios startenden 46ers, die den Gästen im ersten und dritten Viertel deren Premierenzähler erst nach jeweils vier Minuten gestatteten, lagen nicht nur an der Linie. Zum einen übertrieben die Hausherren wieder einmal das Ego-Gezocke, zum anderen ließen sie viel zu früh die Köpfe hängen, statt sich gegenseitig zu pushen und noch einmal alles zu versuchen. Hinzu kamen nur zehn Offensiv-Rebounds, lediglich vier Steals, schlimme 19 eigene Fehler und nur zwei getroffene Dreier bei zwölf Versuchen. »Wenn du an der Linie und unter dem Korb solch schlechte Zahlen aufzuweisen hast, dann kannst du eine Partie einfach nicht gewinnen«, kannte der nette Lette Martins Laksa die Gründe für die Niederlage.

Auch wenn sich mit den schwäbischen Riesen, die auf Jordan Hulls und den nachverpflichteten Center Ethan Happ verzichten mussten, ein Champions-League-Teilnehmer in der Osthalle vorstellte, so war trotzdem mehr drin für die 46ers. Ohne den tags zuvor in der ProB-Partie der Rackelos leicht am Knie verletzten Kilian Binapfl führten sie 7:0 (3.), 15:10 (7.) und nach dem ersten Viertel 18:12, ehe Tremmell Darden aufdrehte. Der 40-Jährige glich für Ludwigsburg erstmals aus (24:24, 13.), legte einen Dreier nach und zeigte sich auch treffsicher, als der abermals startende Tim Uhlemann zwischenzeitlich auf 28:31 (17.) verkürzt hatte.

Aus einem 30:41 zur Pause machte Gießen durch den körperlich sehr präsenten JD Miller sowie durch Kendale McCullum ein 37:42, doch zwei Dreier von Jonathan Bähre sowie der Ex-Gießener Rawle Alkins ziogen den 46ers alsbald den Stecker. »Wohl dem, der solche Impulsgeber von der Bank bringen kann«, wusste John Patrick um die Qualitäten seiner Rotation.

Als dann auch noch Kendale McCullum einen Pass auf Florian Koch irgendwo ins Nirgendwo beförderte, TJ Williams, der nur einen von sechs Freiwürfen versenkte, nach einem Foul an sich die Chance nicht nutzte, zu verkürzen, und dann auch noch Martins Laksa völlig unmotiviert abzog, war es um die Hausherren geschehen. Schon beim 47:59 (32.) erweckten sie den Eindruck, als würden sie eine Minute vor Schluss mit 30 Punkten zurückliegen. Sie ließen die Köpfe hängen, klatschten sich nicht mehr ab, diskutierten unaufhörlich und gaben eine Partie verloren, die sie nicht unbedingt hätten verlieren müssen.

»Irgendwann brauchen wir schlicht mehr Mentalität«, war auch Pete Strobl nicht entgangen, dass seine Jungs den Kopf zu früh in den Sand steckten. Dass der 44-Jährige von »Geschenken« sprach, bezog er auf die 17 vergebenen Freiwürfe, die den Gießen 46ers im Abstiegskampf sehr weh taten. Und dazu führten, dass Yorman Polas Bartolo ein wenig mitleidig in den Bus stieg.

Gießen: McCullum (12), Omot (2), Nawrocki (n.e.), Kraushaar, Laksa (7), Begue (3), Uhlemann (2), Miller (9), Koch (5), Fayne (6), Williams (13).

Ludwigsburg: Simon (20), Baehre (10), Woodard (4), Herzog, Radebaugh (9), Polas Bartolo (8), Wohlfarth-Bottermann, Alkins (16), Darden (7), Cotton (2).

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