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»Psychologe in mir ist gefordert«

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Von: Nico Hartung

Hüttenberg. So nebelverhangen der Samstagabend rund um das Hüttenberger Sportzentrum auch war, so glasklar und zugleich nüchtern war andererseits die Analyse von Johannes Wohlrab im Anschluss an die Handball-Zweitliga-Partie seines TV Hüttenberg gegen die Eulen Ludwigshafen, die am Ende mit 31:28 (13:14) für den Gast vom Rhein endete.

TV Hüttenberg - E. Ludwigshafen 28:31

»Wir haben aus sechs Metern insgesamt elf freie Bälle verworfen. Da muss ich nicht mehr sagen«, erklärte der 36-Jährige auf der Pressekonferenz genervt. Wieder einmal eine mangelhafte Chancenauswertung, wieder einmal eine Heimniederlage. Es war im sechsten Auftritt vor heimischem Publikum die fünfte Pleite, die Hüttenberger teilen sich damit mit dem HC Empor Rostock den letzten Platz in der Heimtabelle.

»Zuhause ist aktuell der Wurm drin, ganz klar. Wir schaffen es nicht, den Ball am Torwart vorbeizubringen und lassen Chancen liegen, die wir uns vorher im Sechs gegen Sechs geduldig erarbeitet haben. Das tut mir unglaublich leid für unsere Fans, die uns heute zahlreich unterstützt haben«, so Wohlrab angesichts der Tatsache, dass mit 1040 Zuschauern erstmals in dieser Spielzeit eine vierstellige Kulissenzahl erreicht worden war. Darunter befand sich auch eine Busladung Ludwigshafener Anhänger, die ihr Team während der 60 Minuten frenetisch anfeuerten und hinterher gemeinsam mit diesem ein Freudentänzchen auf dem Parkett aufführten.

Noch im ersten Abschnitt hatten die Eulen-Fans allerdings wenig Grund zur Freude gehabt. Der TVH, erneut ohne den am Fuß verletzten Joel Ribeiro angetreten, begann mit einer sicheren und beweglichen Abwehr und stellte nach Ian Webers Treffer auf 4:2 (6.), ehe Timm Schneider auf 10:7 erhöhte.

»Wir spielen eine erste Halbzeit zum Vergessen, da passt nichts bei uns«, haderte Eulen-Trainer Michel Abt hinterher, während Wohlrab von einer »super ersten Hälfte sprach«, in der alles so geklappt habe, »wie wir uns das vorher vorgestellt hatten.« Dass die Hausherren trotzdem nur mit einer 14:13-Führung in die Kabinen gingen, war der Tatsache geschuldet, dass die Eulen zunehmend dominanter auftraten. Es schien, als hätten die Gäste den Anfangsfuror der Hüttenberger nur zu überstehen brauchen, um danach konsequent ihr Spiel durchzuziehen. Und dies bedeutete: Den siebten Feldspieler zu bringen. Gelenkt und geführt vom umsichtig Regie führenden Mittelmann Pascal Bührer übernahm das Ensemble aus dem Südwesten das Kommando. Hatten die Hüttenberger die Herausforderung, gegen zwei Kreisläufer zu verteidigen, am vergangenen Sonntag in Coburg beim 31:25-Sieg noch glänzend gemeistert, gelang dies gegen Club aus dem Ludwigshafener Stadtteil Friesenheim nicht mehr.

Es dauerte bis zur 41. Minute, ehe die Partie binnen weniger Spielzüge schließlich kippte: Eulen-Schlussmann Matej Asanin, der mit zunehmender Spieldauer immer besser wurde, parierte innerhalb weniger Sekunden zwei Mal gegen den an diesem Abend glücklosen Niklas Theiß, TVH-Keeper Leonard Grazioli bekam einen haltbaren Wurf durch die Beine zum 19:17, Ian Weber verwarf einen Siebenmeter und Rechtsaußen Pascal Durak erhöhte auf 20:17.

»Es war ein schwankendes Spiel, ein Auf und ab. Dieses Niveau an freien Bällen, die wir vorne aktuell verwerfen, hinten zu halten, schaffe ich noch nicht«, erklärte Grazioli, der später auf der Pressekonferenz in Socken erschien und zuvor eine ansprechende Leistung geboten hatte.

Verhindern konnte der Schweizer Nationaltorhüter die sechste Hüttenberger Saisonniederlage nicht mehr. Ludwigshafen entschied die Partie spätestens dann, als Remmlinger anderthalb Minuten mit seinem 31:27 exakt in den linken Knick traf. »Ich werde jetzt nicht hingehen und draufhauen, das bringt nichts«, so Berufsschullehrer Wohlrab, der zur Behebung der Hüttenberger Heimflaute stattdessen einen pädagogischeren Ansatz wählen will: »Jetzt ist vielmehr der Psychologe in mir gefordert.«

Hüttenberg: Grazioli, Plaue (43.-47.) - Schwarz, Kirschner (1), Opitz, Theiß, Fujita (1), Weber (6/3), Zörb (3), Reichl (1), Schneider (8/1), Hofmann (4), Klein (2), Jockel, Schreiber (2), Kuntscher.

Ludwigshafen: Urbic, Asanin (ab 20.) - Salger (3), Schaller (2/2), Eisel (1), Keskic (1), Meyer-Siebert (1), Haider (6), Gorpishin (1), Remmlinger (4), Falk, Durak (4), Bührer (3), Trost, Neuhaus, Klein (5).

Schiedsrichter: Dinges/Schmack (Stutensee/Stuttgart) - Zuschauer: 1040 - Zeitstrafen: Hüttenberg drei (Weber, Reichl, Schreiber), Ludwigshafen fünf (Durak zwei, Haider, Meyer-Siebert, Schaller) - verworfene Siebenmeter: Weber (Hüttenberg) scheitert an Urbic (41.), Schaller (Ludwigshafen) scheitert an Grazioli (56.).

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