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Rassistischer Eklat trübt Torfestival in der Lahnaue

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Nach dem rassistischen Vorfall beratschlagen sich die Spieler des SC Waldgirmes mit dem ihrem Sportlichen Leiter Björn Velten (r.). © Bär

Waldgirmes (rma). Der an sich unstrittige Platzverweis des Waldgirmesers Kian Golafra in Minute 71 erhitzte vor allem die Gemüter bei den Gästen. Es bildeten sich in Windeseile mehrere Menschentrauben aus Spielern und Verantwortlichen beider Teams. Zwar gab es keine Handgreiflichkeiten, aber etliche verbale Entgleisungen.

Unrühmlich fiel ein Zuschauer der Gäste auf. Dieser pöbelte beinahe während der gesamten Partie mit unflätigen Worten in Richtung des Schiedsrichtergespanns und gegen die Waldgirmeser Spieler. Er hielt sich direkt neben der Barockstadt-Auswechselbank hinter der Bande auf. Im Zuge der unübersichtlichen Situation nach dem Platzverweis soll dieser Zuschauer Glodi Bebe, den Waldgirmeser Spieler mit Migrationshintergrund, »Schokokrümel« geschimpft und damit rassistisch beleidigt haben. Mehrere Ohrenzeugen - darunter auch Fuldaer Spielern und Zuschauer - bestätigten diesen Vorfall. Bebe war tief betroffen. Ebenso wie seine Kameraden. Schiedsrichter Manuel Winkler betonte später im Gespräch mit dieser Zeitung, dass er dazu einen Sonderbericht verfasst habe, auf dessen Inhalt er konkret aber nicht eingehen dürfe.

»Abbruch wäre eine Kapitulation«

Kurios war, dass das Schiedsrichtergespann in die Kabine ging und die Teams draußen blieben. Die Zuschauer blieben im Unklaren darüber, ob die Partie nun abgebrochen oder fortgesetzt werden sollte. Beide Mannschaften bildeten jeweils für sich einen Kreis mit ihren Verantwortlichen und berieten darüber, wie mit der Situation umzugehen sei. Die Weigerung, das Spiel fortzusetzen, stand zur Debatte. »Die rassistische Beleidigung hat mir sehr weh getan. Für meine Hautfarbe kann ich nichts. Wenn wir abgebrochen hätten, dann wäre das eine Kapitulation vor diesem Zuschauer gewesen. Ich wollte weiterspielen«, erklärte Glodi Bebe im Nachgang.

Teile der Gästefans reagierten und skandierten in Richtung des beleidigenden Zuschauers lautstark »Nazis raus!« Die Verantwortlichen der Gäste entschuldigten sich aufrichtig bei ihren Gastgebern. »Wir haben weitergespielt, obwohl die Beleidigung unterste Schublade war. Das haben wir für Glodi Bebe getan«, verriet SCW-Trainer Mario Schappert. Inzwischen hatten sich die Gemüter beruhigt, das Schirigespann kam aus der Kabine und setzte die Partie fort. »Ich finde es bemerkenswert, dass unsere Jungs, die noch eine gute Viertelstunde vor sich hatten und in Unterzahl waren, trotzdem weiterspielten. Mit ihrer Weigerung hätten sie möglicherweise bei einer Wertung am grünen Tisch die Punkte bekommen. Das ist Fairness«, betonte Björn Velten, Sportlicher Leiter der Lahnauer.

Schiedsrichter Manuel Winkler nahm sich nach dem Ende der Hessenliga-Partie kurz Zeit, wollte jedoch angesichts der Regelung, zunächst die entsprechenden Gremien informieren zu müssen, keine Details nennen. »Das ist alles so bitter«, machte Barockstadt-Trainer Sedat Gören aus seinem Herzen keine Mördergrube. Eine Woche nach der völlig misslungenen Pausenansprache via Mikrofon eines inzwischen zurückgetretenen SGB-Beiratsmitglieds wird der Club aus Osthessen nun mit dem nächsten Skandal konfrontiert. Der Aufstiegsanwärter ist in diesen Tagen wahrlich nicht zu beneiden.

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