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Reise in die Vergangenheit

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Gießen. Die Blicke der an der Frauenhandball-Oberliga interessierten Fans dürften sich am kommenden Wochenende sicherlich auf die Lindener Stadthalle richten, wo am Samstagabend um 19.30 Uhr ein echtes Topspiel auf dem Programm steht. Dann empfängt nämlich der bisherige Tabellenführer TSG Leihgestern den Verfolger HSG Kleenheim-Langgöns, der mit einem Erfolg selbst die Spitze in Hessens höchster Spielklasse übernehmen könnte.

Eine Reise in die Vergangenheit ist die Partie für Leonie Nowak, die zwar eine kurze, aber umso schönere und einprägsamere Zeit im Kleebachtal verbracht hat. In der Saison 2016/17 trug die TSG-Kreisläuferin nämlich das Trikot der damaligen HSG Kleenheim und schaffte unter Trainer »Lucky« Cojocar gemeinsam mit ihrem Teamkolleginnen den Klassenerhalt in der Zweiten Handball-Bundesliga.

»Das war wirklich eine ganz tolle Saison. Wir hatten einen mega Teamgeist und haben den Klassenerhalt letztlich problemlos geschafft und einen Mittelfeldplatz erreicht«, erinnert sich die 32-Jährige gerne an ihre SGK-Zeit zurück, in der am Ende mit Platz neun wirklich ein herausragendes Ergebnis zu Buche stand. »Leider wurde von Vereinsseite danach ja entschieden, nicht mehr für die Zweite Bundesliga zu melden. Da hat mein Sportlerherz wirklich geblutet!« Nach drei Spielzeiten bei der HSG Gedern/Nidda und zwei Jahren beim Bundesligisten SV Union-Halle Neustadt folgte die nun wieder in Wetzlar wohnende Nowak dann im Sommer dem langjährigen Werben ihrer ehemaligen Mitspielerin Jonna Jensen und schloss sich der TSG Leihgestern an, wenngleich es auch andere Anfrage gab. »Auch Kleenheim-Langgöns hat sich bei mir gemeldet und angefragt, aber ich habe Jonna meine Zusage gegeben. Und natürlich stehe ich auch zu meinem Wort«, so die Kreisläuferin zu ihrer Entscheidung.

Aber ob ihrer Historie im Kleebachtal und aufgrund der Tatsache, dass ihr Ex-Verein nun in der gleichen Liga antritt, verfolgt »Leo« die Spiele der HSG natürlich genau und hat von deren bisheriger Saison eine hohe Meinung. »Sie hatten nach dem Abstieg ja doch einen Umbruch hinter sich, wichtige und erfahrene Spielerinnen haben den Verein verlassen. Umso positiver überrascht bin ich davon, wie schnell sie das hinbekommen haben. Sie marschieren bisher wirklich, ziehen ihr Tempospiel durch und treten wirklich souverän und konstant auf«, lobt Nowak und ordnet auch die einzige Saisonniederlage der SGK bei der SG Kirchhof 09 II richtig ein. »Auch dort haben sie über weite Strecken ein tolles Spiel gemacht und lange geführt, aber letztlich gegen ein Drittliga-Team verloren. Gegen eine so aufgestellte Mannschaft hätte an diesem Tag auch jedes andere Team der Oberliga verloren!«

Mit den ersten Wochen und Monaten bei ihrem neuen Verein ist Nowak zufrieden, anderes wäre bei sieben Siegen aus sieben Spielen wohl auch ungewöhnlich.

Und doch lässt sich die erfahrene Kreisläuferin nicht von den bisherigen Erfolgen blenden. »Auch in Leihgestern gab es ähnlich wie in Kleenheim einen Umbruch, viele neue Spielerinnen mussten integriert werden. Daher musste sich vieles erst finden und einspielen, was aber dadurch erschwert wurde, dass wir praktisch von Beginn an immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatten. Trotz der Bedingungen haben wir es gut gemacht und immer wieder Wege gefunden, Spiele zu gewinnen. Man sieht oft sehr, sehr gute Ansätze bei uns, aber die Konstanz in den Partien fehlt uns oftmals doch noch«, so Nowak, die auch ihr eigenes Spiel anpassen musste. »In der Bundesliga geht es natürlich wesentlich körperlicher zu, vor allen Dingen auf der Kreisposition. Hier muss ich schon aufpassen bei Sperren, hier wird Körperkontakt leider sehr schnell unterbunden!«

Rein tabellarisch wäre Leihgestern aufgrund der Tabellenführung und des Heimvorteils in der Favoritenrolle, die die 32-Jährige aber nicht annimmt und dafür auch Gründe benennt. »Die sehe ich ob des bisherigen Gesamteindrucks in der Tat bei Kleenheim-Langgöns, da sie wirklich schon beeindruckende Spiele geliefert haben und wie erwähnt schon große Konstanz zeigen, die uns leider oft noch fehlt. Zudem fehlen uns zahlreiche wichtige Spielerinnen, unter der Woche waren beispielsweise auch nur neun Feldspielerinnen im Training. Aber ich hoffe trotzdem, dass es ein offenes und enges Spiel wird, das wir am Ende für uns entscheiden können«, so Leonie Nowak, die mit Blick auf den Verfolger aber weiß, worauf es dafür ankommen wird. »Franziska Dietz und Elena Schuch sind im Angriff absolute Führungsspielerinnen. Auf diese beiden müssen wir natürlich besonderes Augenmerk richten. Vor allen Dingen muss es uns aber gelingen, Kleenheim-Langgöns nicht ins Tempospiel kommen zu lassen, sondern sie ins gebundene Spiel bekommen. Dafür brauchen ein Angriffsspiel mit nur wenigen Fehlern und auf alle Fälle eine gutes und schnelles Rückzugsverhalten!«

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