Reiters Treffer kommt zu spät

Bad Nauheim. Eigentlich bekommt man zum Geburtstag Geschenke. Das galt diesmal aber nicht für den Bad Nauheimer Headcoach Harry Lange, der am Sonntag 38 Jahre alt wurde und mit seinem Team nach der 1:3 (0:0, 0:3, 1:0)-Niederlage bei den Ravensburger Towerstars mit leeren Händen die Heimreise antreten musste. Nach dem Motto »Jede Serie geht einmal zu Ende« war es für die Bad Nauheimer der erste Misserfolg in der Deutschen Eishockey-Liga 2 auf fremden Eis nach bislang acht aufeinander folgenden Siegen seit Saisonbeginn.

»Das war heute einfach zu wenig. Uns fehlte die Zweikampfstärke. Wir haben schlechte Entscheidungen getroffen und hatten insgesamt sehr viele Turnovers. Schon im ersten Drittel war Ravensburg die bessere Mannschaft, im zweiten Durchgang haben sie dann ihre Tore gemacht und letztlich auch verdient gewonnen«, meinte der EC-Trainer nach der Begegnung..

Ausgespart hatte der Deutsch-Österreicher bei seiner Analyse die Tatsache, dass mit Taylor Vause und Tristan Keck zwei ganz wichtige Angreifer fehlten und acht weitere Spieler dem Kaders nicht zur Verfügung standen. Die mangelnden Trainingseinheiten vor der Partie, die Corona-Verunsicherung im Team und die hohe Belastung durch den reduzierten Kader konnte man beim EC im ersten Spielabschnitt in Ravensburg noch einigermaßen kompensieren, nach der ersten Pause waren die Towerstars Corona-bedingt vor nur 750 Zuschauern dann aber nicht mehr zu stoppen.

Dreierpack zieht Teufeln den Zahn

Genau 58 Sekunden waren im zweiten Abschnitt gespielt, als James Bettauer .die Ravensburger Führung erzielte, wobei die Scheibe unglücklich vom Schläger des Bad Nauheimers Tobias Wörle abprallte. Im Gegensatz zu vielen Spielen zuvor blieb die postwendende Antwort der Roten Teufel diesmal aus. Die kam dann von den Oberschwaben, die nur 40 Sekunden später durch den Ingolstädter Förderlizenzspieler Wojciech Stachowiak, der von Stefan Reiter in seinem Vorwärtsdrang nicht zu bremsen war, das 2:0 erzielten. Nach einem schnell vorgetragenen Konter markierte Sam Herr nach Zuspiel von James Bettauer das 3:0.

Diese drei Treffer in schneller Abfolge demoralisierten die Gäste, denen im weiteren Spielverlauf die mentale Frische immer mehr abhandenkam. Immer eine Sekunde zu spät oder einen Schritt zu langsam, Bad Nauheim fehlte jetzt auch die notwendige Physis, um der Partie noch eine Wende zu geben.

Im letzten Abschnitt probierte EC-Coach Harry Lange noch einiges aus, nahm zudem auch noch seinen Keeper Philipp Maurer kurz vor Ertönen der Schluss-Sirene vom Eis. Doch dem 1:3-Anschlusstreffer (51.) von Stefan Reiter, der nach einem Bullygewinn mit einem platziertem Schuss den Ravensburger Torsteher Langmann überwunden hatte, folgte kein weiterer Torerfolg mehr.

Am Freitag gegen die Eispiraten aus Crimmitschau hatte bei den Badestädtern die Kraft noch gereicht. Ebenfalls mit einem Minikader angetreten, gerieten sie nach einem Treffer von Routinier Andre Schietzold (37.) zwar in Rückstand, doch postwendend sorgte Huba Sekesi für den Ausgleich. Im letzten Drittel hatte der EC die besseren Chancen, musste dann aber doch in die Verlängerung. In der Overtime war es Tobias Wörle, der den Zusatzpunkt für die Bad Nauheimer mit dem 2:1-Endstand sicherstellte.

Nach der ersten Auswärtsniederlage bei den Ravensburger Towerstars bleibt für den EC Bad Nauheim jetzt wenig Zeit zum Grübeln, denn bereits am Dienstag ging es für die Teufel in der DEL2 gegen die Selber Wölfe weiter (Bericht folgt). Ein Blick auf die Tabelle zeigt, dass der Neuling als aktuelles Schlusslicht noch nicht richtig in der neuen Umgebung angekommen ist. Nach einem knappen Drittel der Saison zeichnet sich schon ab, dass Selb nach der Hauptrunde vermutlich für die Playdowns planen muss.

Trotzdem warnt EC-Headcoach Lange vor dem Gegner. »Selb spielt ein sehr unkonventionelles Eishockey mit viel Körperangriff. Die sind nicht leicht zu packen«, sagt Lange, dessen Team in Selb Anfang November mit 5:2 erfolgreich gewesen war. Doch sind die Vorzeichen diesmal andere - insbesondere mit Blick auf die Corona-Zwangpause.

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