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Resignation und Frustration

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Aufgeben ist bei den Gießen 46ers keine Option. Umso wichtiger, sich vor der Partie in Bayreuth noch einmal einzuschwören. © Schepp

Gießen. Irgendwie ist es eine Mischung aus Resignation und Frustration. Teilweise Grabesstille in der Osthalle, dafür aber deutlich zu vernehmender Protest in den sozialen Netzwerken.

»Wir werden immer schlechter und steigen verdient ab.« »Sehr enttäuschend und keine Besserung in Sicht.« »Die Mannschaft spielt kopflos und der Trainer ist leider planlos.« »Der Abstieg ist kein Beinbruch. Wahrscheinlich tut’s mal gut. Hauptsache sie sparen sich diesesmal das Geld für die Wildcard. Das wäre in diesem Zustand nur Geldverschwendung.« »59 Punkte klingt nach Jugend-Bezirksliga.« »Heute hat man gemerkt, dass sie aufgegeben haben.« Es sind nur sechs von über 100 Kommentaren, mit denen die Anhänger der Gießen 46ers ihrem Unmut am Wochenende Luft gemacht haben. Sechs, die von ihrer Wortwahl veröffentlichbar sind.

medi Bayreuth - Gießen 46ers (Mi., 18.30 Uhr)

Doch nicht nur die Stimmung in und um die altehrwürdige Heimspielstätte des Traditionsclubs von der Lahn, sondern vor allem der Auftritt der Protagonisten auf dem Feld zeigte deutlich: Es muss schon ein Wunder geschehen, wenn die Männer von Coach Pete Strobl nicht in der Versenkung der ProA verschwinden wollen. Spielerisch, taktisch, körperlich und technisch limitiert vermitteln sie derzeit nicht den Eindruck, Irgendjemandem im Oberhaus gefährlich werden zu können. Nur einmal gingen sie in den letzen zwölf Partien als Sieger vom Feld - beim 100:73 gegen die Hamburg Towers, die allerdings durch Corona geschwächt nicht ihren besten Tag erwischt hatten. Ansonsten? Enttäuschungen ohne Ende, ein viel zu früh hergeschenktes 59:76 am Sonntag gegen die MHP Riesen Ludwigsburg und die Gewissheit, an diesem Mittwoch (18.30 Uhr, live bei Magenta und im Free-TV auf Sport1) auch nur als krasser Außenseiter zu medi Bayreuth reisen zu müssen.

»Es geht jetzt nur noch um Kampf, Willen und Siege. Letztere, egal ob attraktiv oder dreckig«, hat Sportdirektor und Geschäftsführer Sebastian Schmidt, der die Pleite gegen die Barockstädter wegen einer Corona-Infektion von zu Hause aus verfolgte, seinen Jungs hinter die Ohren geschrieben. »Es muss für jeden spürbar sein, dass alle verbleibenden Matches von der Einstellung her Do-or-die-Spiele sind.« Übersetzung? »Wild entschlossen.« »Es geht ums Ganze.«

Noch sind - bei allen martialischen Vergleichen - 14 Partien zu absolvieren. Noch liegt - und das ist das einzig Positive in diesen trüben Tagen - das rettende Ufer nur einen Sieg entfernt. Noch müssen die 46ers ihre unmittelbaren Rivalen s.Oliver Würzburg, EWE Baskets Oldenburg und Frankfurt Skyliners nicht mit dem Fernglas von Uli Hoeneß versuchen zu erspähen.

Vor US-Duo ist Vorsicht geboten

Und: Der kommende Gegner ist angeknockt. Nach zuvor drei Siegen in Serie kassierten die Wagnerstädter, die in der Vorrunde den 46ers bei deren 86:74-Erfolg einen ihrer bisher erst vier Saisonsiege gestatteten, beim Mitteldeutschen BC eine 81:105-Packung einstecken. Diese war jedoch auch der Tatsache geschuldet, dass mit dem ehemaligen Gießener Ideengeber Cameron Wells sowie Marcus Thornton und den beiden Centern Andreas Seiferth und Martynas Sajus gleich vier mögliche Starter verletzt oder Pandemie-bedingt passen mussten und die medi-Rotation auf acht Akteure reduziert worden war.

Ob einer der genannten Spieler wieder in den Kreis der Mannschaft für die Partie gegen Gießen, zu der 3000 Besucher in der »Oberfrankenhölle« erwartet werden, stoßen wird, ist ungewiss. Sicher ist, dass die Truppe des Cheftrainers Raoul Korner mit den US-Amerikanern Sacar Amin (15 Punkte im Schnitt) und Terry Allen (13) noch ein effektives Scoring-Duo zu bieten hat. Außerdem befindet sich mit Nationalspieler Bastian Doreth der Denker und Lenker der selbsternannten »Heroes of tomorrow«, der »Helden von morgen«, in Bestform. Vor dem Duell gegen ein Team, dessen Zukunft im Oberhaus derzeit mehr als ungewiss ist.

In Bayreuth nicht dabei ist indes TJ Williams . Der Guard der Gießen 46ers - gegen Ludwigsburg mit 13 Punkten noch bester Scorer seiner Farben - erlitt beim Gastspiel der Riesen einen Außenbandanriss . Wie lange der US-Amerikaner ausfällt, steht noch nicht fest. (red)

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