Rückschlag für Kindersport an frischer Luft

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REGION - Rückschlag für sporttreibende Kinder: Im aktuell verabschiedeten Bundesinfektionsschutzgesetz steht, dass künftig Sport für Kinder unter 14 Jahre bei einem Sieben-Tage-Inzidenz-Wert über 100 lediglich in Fünfergruppen möglich ist. Aktuell darf der Nachwuchs - und zwar alle unter 15 - noch in voller Mannschaftsstärke üben. Laut neuer Regelung müssen zukünftig auch die 14-Jährigen in die Röhre schauen.

In der "Bundesnotbremse" heißt es offiziell: "Für Kinder bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres ist die Ausübung von Sport zulässig in Form von kontaktloser Ausübung im Freien in Gruppen von höchstens fünf Kindern." Auch die Außensportanlagen der Vereine dürfen bei einer 7-Tage-Inzidenz von 100 und mehr geöffnet bleiben. Für alle Menschen ab 14 ist bei einem solchen Inzidenzwert kontaktloser Sport im Freien nur alleine, zu zweit oder mit Angehörigen des eigenen Haushalts erlaubt.

Frank Illing, Vorsitzender des Verbandsausschusses für Qualifizierung und Vereinsentwicklung beim Hessischen Fußball-Verband, hätte sich einen ganz anderen Ausgang dieser Verhandlungen gewünscht. "Man hätte sich eher fragen sollen, wo die meisten Infektionen stattfinden. Ganz sicher nicht an der frischen Luft. Deshalb würde ich in eine ganz andere Richtung gehen und sogar eine kontrollierte Öffnung der Außengastronomie ermöglichen. Wir müssen die Menschen motivieren, an die frische Luft zu gehen."

Paradoxes Beispiel

Besonders paradox laut Illing: "Wir dürften in Grünberg theoretisch die ganze Zeit Trainer ausbilden. Und zwar in geschlossenen Räumen, wo die Ansteckungsgefahr hoch ist. Die dazu gehörende Praxis auf dem Platz ist uns allerdings seit November untersagt, obwohl das Ansteckungsrisiko im Freien ganz gering ist."

Zudem beißt sich der 52-Jährige am Inzidenzwert von 100 fest. "Das ist nur eine Zahl. Wenn die Inzidenz in einem Kreis bei 99,9 und in einem anderen Kreis bei 100,1 liegt, ist der Unterschied nicht groß. Ich hätte mir einen kleinen Korridor für Handlungsspielräume gewünscht, in dem man als Kreis hätte entscheiden können, ob ein Wert über 100 nur ein kleiner Ausrutscher ist oder die Inzidenzkurve steil ansteigt und ein Trainingsverbot wirklich nötig ist."

Der Mitarbeiter des Hessischen Fußball-Verbandes merkt zudem an, dass die Trainer vor jeder Einheit einen maximal 24 Stunden alten Negativ-Test haben müssen, falls das Ordnungsamt kontrolliert. "Logisch kann man sagen, dass ein Test pro Woche im Testzentrum frei ist. Aber was ist, wenn ein Trainer zweimal pro Woche Training anbietet oder er einen wichtigen Arzttermin hat? Zahlt er diese Tests aus seiner eigenen Tasche?

Sobald das Gesetz offiziell verabschiedet ist und die Auslegungshinweise dazu vorliegen, will der Hessische Fußball-Verband ein Empfehlungsschreiben an seine Vereine ausgeben. "Erst dann können wir Fragen beantworten, die wir aktuell noch selbst haben. Hier und da ist noch zu viel Interpretationsspielraum vorhanden", sagt Illing, ohne ins Detail gehen zu wollen. Ein Beispiel: "In der Gesetzesvorlage wird von Individualsport gesprochen. Illing fragt sich: Gehört der Fußball überhaupt dazu? Oder wird er als Mannschaftssport generell verboten?"

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