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Noch schwer zu bewerten: 46ers-Neuzugang TJ Williams.

Schöne Bescherung

Gießen. Es gibt Weihnachtsferien, aber noch keine Noten. 761 500 Schüler machen in Hessen knapp drei Wochen Pause, erst Ende Januar werden sie dann Schwarz auf Weiß wissen, wie ihre Bilanz des ersten Halbjahres 2021/22 ausgefallen ist. Für die Bundesliga-Basketballer der Gießen 46ers ist schon heute »Bescherung«. Nach einem Drittel der Saison wird es Zeit, Bilanz beim abstiegsbedrohten Tabellen-15.

(6:16 Punkte) zu ziehen und die Karten auf den Tisch zu legen. Pardon: Die Noten zu verteilen!

Kyan Anderson: Der 29-Jährige ist eine der großen Enttäuschungen dieser Saison und blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Der Ex-Göttinger verteidigt lausig, übt als Pointguard kaum Druck auf den Gegner aus und trifft meist erst dann, wenn das Spiel schon gelaufen ist. Im Schnitt keine sieben Punkte sind viel zu dünn für einen Mann mit seiner Erfahrung. Die Quittung: In Chemnitz musste Anderson als überzähliger Importspieler pausieren. (Note: 5)

Maxi Begue: Körperlich ist der Ex-Frankfurter ein Mann, im Kopf aber noch ein Kind, was erklärt, dass er oft falsche Entscheidungen auf dem Court trifft. Der fleißige Arbeiter verrät im Training sein Potenzial, das er auf dem Feld aber zu selten zeigt. Der 20-Jährige, inzwischen Starter, bringt alle Voraussetzungen mit, sich als deutscher Akteur in der Liga in den Vordergrund zu spielen. Vielleicht in der Rückrunde, vielleicht auch erst nächste Saison. (Note: 3+)

Kilian Binapfl: Der ehemalige Bonner, zurzeit verletzt, hat in den acht Partien, in denen er dabei war, noch nicht genug performed. Er versteht zwar das Spiel und ist ein kluger Basketballer mit einem perfekten Körper, langen Armen und sehr guter Sprungkraft, er ist aber noch zu weich, um sich Respekt zu verschaffen. Was auch für die Trainingseinheiten gilt, in denen er bisweilen bei einer etwas raueren Gangart mit den Kollegen aneinandergerät.

(Note 4-)

BJ Blake: Der beste Mann der ersten zehn Spiele ist verschwunden. Nachdem sein Bruder erschossen wurde, ist er nach Seattle abgereist, um sich um seine Familie zu kümmern. Sein Abgang ist ein herber Verlust, denn der 26-Jährige, der zuletzt in Istanbul aktiv war, lieferte verlässlich, was im Schnitt fast 14 Punkte und gut fünf Rebounds unterstreichen. (Note: 2-)

John Bryant: Das Sorgenkind der Truppe. Der zweifache MVP liefert nicht mehr, weder als Rebounder noch als Schütze. Er hat an Beweglichkeit eingebüßt und verteidigt inzwischen unterirdisch, so dass die Vermutung nahe liegt, dass »JB« sein Vertragsende im Sommer 2023 nicht an der Lahn erleben wird. Die Höchststrafe: Gegen Bonn gab Coach Pete Strobl ProB-Center Tim Uhlemann den Vorzug, als Big Man Phil Fayne eine Pause brauchte. (Note: 5-)

Phil Fayne: Sein Manko: Er kann nicht werfen, nicht einmal von der Freiwurflinie, an der er lediglich zwölf von 35 Versuchen versenkt hat. Der 24-Jährige, der aus Finnland kam, ist jedoch ein schneller und beweglicher Verteidiger, der sich unter den Brettern Respekt zu verschaffen weiß. Er ist ein Teamplayer, lernfähig und hochmotiviert, ihm fehlt es aber noch an Erfahrung, was seine teils hohe Foulbelastung immer wieder verdeutlicht. (Note: 3)

Florian Koch: Der 29-Jährige kommt! 23 Punkte am Samstag gegen seinen Ex-Club Bonn bedeuteten für ihn den Karriere-Höchstwert. Er verteidigt mäßig, er ist aber ein Werfer, dem Coach Pete Strobl uneingeschränkt grünes Licht gibt, um abzudrücken, ohne nachzudenken. So paradox es klingen mag: Der Abgang von BJ Blake hat Koch geholfen, er weiß, dass er künftig nicht nur mehr Minuten erhält, sondern auch mehr Verantwortung übernehmen wird. (Note: 3)

Bjarne Kraushaar: Das Eigengewächs ist in dieser Runde kein Faktor. Oft krank oder verletzt hat eine Oberschenkelzerrung den 22-Jährigen wieder einmal lahm gelegt. Bisher sieben von elf Partien, in denen er im Schnitt nur knapp acht Minuten auf dem Feld stand, haben aufgezeigt, dass er keinen guten Wurf hat und in der Verteidigung viel zu langsam ist. Auch in der Zeit der Verletzung von Kendale McCullum konnte sich Kraushaar beim Coach nicht empfehlen. (Note: 5)

Kendale McCullum: Der 25-Jährige ist auf einem guten Weg, nachdem ihn eine schmerzhafte Schulterverletzung während der Vorbereitung zurückgeworfen hatte. Er ist ein Arbeiter, ein fintenreicher Unruheherd für jeden Gegner und ein flinker Verteidiger, der seine Finger überall im Spiel hat. In seinen Wurf hat der Point Guard jedoch noch nicht ausreichend Vertrauen, als Playmaker ist er auf dem Feld bisweilen viel zu zurückhaltend. (Note: 3+)

Dennis Nawrocki: Der Kapitän ist menschlich ein Top-Typ, ein junger Mann Marke Sohn oder Schwiegersohn. Im Spiel allerdings wirkt er meist überfordert, ist zu langsam und bekommt von schnellen Gegenspielern immer wieder seine Grenzen aufgezeigt. Bisher im Schnitt vier Minuten Einsatzzeit bei nicht einmal einem Punkt, 0,1 Assists und 0,1 Steals zeigen, wohin der Weg für den 29-Jährigen führen wird, nämlich weg aus Gießen. (Note: 5+)

Nuni Omot: Der US-Boy mit afrikanischen Wurzeln hat die Ansage seines Trainers vor dem Oldenburg-Spiel, dass von ihm mehr kommen muss, verstanden. Seitdem liefert er zuverlässig, zuletzt gegen Bonn 26 Zähler. Er punktet und reboundet gut, er hängt sich endlich auch im Training rein. Vorbei sind die Zeiten, als Strobl ihn fragen musste, ob er geschwitzt sei. Nun kommt der 27-Jährige abends nach Hause und geht ins Bett: ausgebrannt! (Note 2-)

Jalen Tate: Als der Bundesliga-Rookie im Oktober nachverpflichtet wurde, kam er schüchtern und leise nach Gießen. Inzwischen ist er oft zu laut auf dem Feld, denn Leistung und Auftreten stehen nicht immer im Einklang. Der 23-Jährige braucht noch Zeit. Er muss körperlich noch zulegen und so manche Entscheidung der Refs noch verstehen lernen. Aber: Er entwickelt sich von Spiel zu Spiel und kann noch zu einer wertvollen Hilfe werden. (Note 4+)

TJ Williams: Noch ist der 27-jährige Pointguard nicht angekommen bei den 46ers. Eine brauchbare Vorstellung mit 17 Punkten zu seiner Premiere in Chemnitz folgte ein dürftiger Auftritt gegen Bonn, als ihm nur ein Treffer aus dem Feld glückte. Geschuldet allerdings der Tatsache, dass er wegen einer Magen- und Darmgrippe ausgefallen war. Das Kraftpaket wird noch liefern, um ihn braucht sich Coach Pete Strobl keine Sorgen zu machen.

(Note: 3)

Ohne Wertung: Rawle Alkins, Tim Uhlemann, Johannes Lischka.

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