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Schreck in der Fremde

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Von: Nico Hartung

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Hart angegangen: Der Hüttenberger Johannes Klein hält den Potsdamer Moritz Sauter. Der TVH feiert später einen 32:31-Auswärtssieg. Foto: Imago © Imago

Berlin. Wer braucht schon Heimsiege, wenn man sich langsam, aber sicher zum Auswärtsschreck des Unterhauses entwickelt? Getreu diesem Motto haben die Zweitliga-Handballer des TV Hüttenberg am Sonntagmittag ihre beeindruckende Serie in fremden Hallen ausgebaut und beim zuvor favorisierten VfL Potsdam mit 32:31 (17:16) gewonnen.

Und womit? Mit Recht! Denn bis auf das zwischenzeitliche 3:2 durch Potsdams Josip Simic nach sechs Minuten waren es ausschließlich die Hüttenberger, die in der mit 2037 Zuschauern gefüllten Berliner Max-Schmeling-Halle führten und somit einen gefühlten Start-Ziel-Sieg hinlegten.

VfL Potsdam - TV Hüttenberg 31:32

Es war bereits der vierte Auswärtssieg im sechsten Hüttenberger Auftritt in der Fremde. Einzig bei der SG BBM Bietigheim und beim ThSV Eisenach gaben die Blau-Weiß-Roten insgesamt drei Auswärtszähler ab, die restlichen neun entführten sie aus den Hallen der Republik gen Mittelhessen. »Ich bin wahnsinnig erleichtert und glücklich, dass wir diese enge Kiste für uns entschieden haben. Auswärts läuft es einfach«, so TVH-Trainer Johannes Wohlrab, der mit einem Lachen hinterherschob: »Normalerweise stehst Du mit einer solchen Bilanz in fremden Hallen auf einem ganz anderen Tabellenplatz, aber unser Heimfluch begleitet uns leider immer noch.«

Da die Hüttenberger im heimischen Sportzentrum bislang erst einen doppelten Punktgewinn einfahren konnten, stehen die Wohlrab-Schützlinge auch nach dem Erfolg in Berlin auf dem zwölften Rang und damit im unteren Mittelfeld des Klassements.

Von einem Tabellenzwölften erwartet man beim Gastauftritt in der Bundeshauptstadt wohl eher eine biedere, zurückhaltende und auf Sicherheit bedachte Gangart - nicht so der TVH. Das »Original aus Mittelhessen« war in der Heimstätte der Füchse Berlin von Beginn an hellwach, aufmerksam und spielte frech und unbekümmert drauf los. So hatte Niklas Theiß die Simic-Führung kurze Zeit später mit zwei Treffern in ein 4:3 gedreht (8.), ehe sich die Gäste erstmals absetzten: Philipp Schwarz‹ erster Tagestreffer bedeutete das 8:4, Potsdams prominenter Coach Bob Hanning ärgerte sich erstmals sichtlich. Doch seine Schützlinge gaben noch lange nicht klein bei.

Angetrieben von Max Beneke, nicht nur aufgrund seiner sieben Treffer auffälligster Potsdamer, kamen die Brandenburger noch vor der Pause zurück. Der Halbrechte selbst erzielte mit seinem 15:15 aus der zweiten Reihe den ersten Ausgleich seit der zehnten Minute (29.), dem Vit Reichl kurz darauf den 17:16-Halbzeitstand folgen ließ.

»Mit dieser Kulisse im Hintergrund und in dieser Halle zu gewinnen, besser geht’s eigentlich nicht«, freute sich Ian Weber hinterher. Der 22-Jährige, trotz seines jungen Alters längst einer der Leader bei den Blau-Weiß-Roten und mit neun Toren einmal mehr bester Werfer seines Teams, erlebte gemeinsam mit seinen Mitstreitern eine enge zweite Hälfte, in der die Gäste das Heft des Handelns jedoch nie aus der Hand gaben. Denn obgleich sich die Potsdamer, von zahlreichen mitgereisten Unterstützern lautstark angefeuert, nie abschütteln ließen und immer eng dran blieben, herrschte nie der Eindruck, als werde der TVH nervös.

Im Gegenteil: Wohlrab brachte Dominik Plaue in den letzten zehn Minuten für Leonard Grazioli zwischen die Pfosten und die Hüttenberger Nummer zwei dankte es mit zwei gehaltenen Siebenmetern und weiteren wichtigen Paraden. Ebenso nervenstark blieb Theiß, der, in der zuvor abgehaltenen Auszeit von Wohlrab dazu aufgefordert, 19 Sekunden vor Ende und bei drohendem Zeitspiel seinen Widersacher Emil Hansson mit einer Körpertäuschung stehen ließ und das Harzleder entschlossen zum entscheidenden 32:30 neben den linken Pfosten donnerte.

»Ich bin maßlos enttäuscht darüber, dass wir nicht das abrufen konnten, was wir uns vorgenommen hatten. Der Sieg für Hüttenberg ist absolut verdient, wir waren heute in den entscheidenden Minuten nicht griffig und entschlossen genug, um zu punkten«, erklärte ein geknickter Hanning später.

Währenddessen hatte sein Gegenüber Wohlrab den nächsten Hüttenberger Auswärtscoup bereits abgehakt - und stattdessen den Blick nach vorne auf die kommenden drei Heimspiele in Serie gerichtet: »Ich gratuliere der Mannschaft zu diesem tollen Sieg, aber jetzt haben wir ganz klar vor, unseren Heimfluch zu beenden. Wir haben drei Heimspiele in Serie, die wollen wir alle gewinnen. Three in a row, das ist unser Motto für die kommenden Wochen.«

Potsdam: Ludwig, Voncina (n.e.), Ferjan (n.e.) - Hansson (1), Simic (3), Beneke (7), Kaludjerovic (3), Akakpo (6), Roosna (3/2), Oberman Etzion, Fuhrmann (3), Günther, Sauter (5), Kühn, Kraus.

Hüttenberg: Grazioli, Plaue (ab 51.) - Schwarz (4), Kirschner (5), Opitz, Theiß (6), Fujita, Weber (9), Zörb, Reichl (3), Schneider (4), Klein, Jockel, Schreiber (1), Kuntscher.

Schiedsrichter: Friedel/Herrmann (Leipzig/Zschorlau) - Zuschauer: 2073 - Zeitstrafen: Potsdam vier (Hansson, Simic, Kaludjerovic, Akakpo), Hüttenberg vier (Schreiber, Zörb, Weber, Schwarz) - verworfene Siebenmeter: Schneider und Weber (beide Hüttenberg) scheitern an Ludwig (6., 9.), Roosna (Potsdam) scheitert an Plaue (33., 53.).

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