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Schwäbischer Bus

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Ja nicht den Durchblick verlieren: Auch auf die Spielkünste von Lenny Rubin kommt es für Wetzlar heute an. Foto: Ben © Ben

Wetzlar. »Für unser Team hinter dem Team auf dem Spielfeld suchen wir ab Februar zwei Praktikanten für die Bereiche Marketing, Medien und Event.« Zu lesen auf dem Twitter-Account des TVB Stuttgart. Ein wenig Eigenwerbung in eigener Sache kann nie schaden. Die beste Werbung in eigener Sache gab in den vergangenen sieben Tagen jedoch Michael Schweikardt.

HSG Wetzlar - TVB Stuttgart (Heute, 19.05 Uhr)

Die eigentliche Interimslösung auf dem nach der Trennung von Roi Sanchez freigewordenen Trainerstuhl beim schwäbischen Handball-Bundesligisten hat gleich geliefert. Dem 32:28 gegen Lemgo ließen die Mannen um Torhüter-Zampano Silvio Heinevetter am Sonntag ein 27:26 gegen den Bergischen HC folgen.

Vor dem Duell an diesem Donnerstag (19.05 Uhr) bei der HSG Wetzlar bedeutete das: Aus 0:10 mach‹ 4:10 Punkte. »Die Stuttgarter sind bereit. Sie haben die Leute, die die Erfahrung haben, mit einer solchen Drucksituation umzugehen und sie zu meistern. Die den Mund aufmachen und die Verantwortung übernehmen. Das Alibi Trainer haben sie jetzt nicht mehr. Die Mannschaft steht in der Pflicht«, weiß HSG-Coach Ben Matschke ganz genau, welch Kaliber da in der heimischen Buderus-Arena auf ihn und seine Spieler zukommt.

Selbstvertrauen, ja, das haben aber auch die Grün-Weißen von der Lahn in den vergangenen beiden Partien getankt. »Wir werden besser. Das Heimspiel gegen Göppingen war schon gut, das Ding in Hamm haben wir unter dem enormen Druck auch gut gelöst. Jetzt wollen wir auch daheim den ersten Sieg. Wir sind Wetzlar und spielen in Wetzlar. Es gehört einfach gerade dazu, ein Heimspiel zu gewinnen«, redet Matschke Klartext. Die Tatsache, dass die Stuttgarter mit dem überaus glücklichen Last-Minute-Erfolg gegen den BHC wieder an Wetzlar vorbeigezogen sind, und in diesem Zusammenhang die aktuelle Tabelle seien bei Weitem kein Thema.

»Die Abwehr zu stärken und weniger Gegentore zu kassieren, das haben wir geschafft. Das defensive Zentrum zuzurammeln, das schaffen wir gerade. Den Tempogegenstoß, im Positionsangriff nicht ins Zeitspiel zu kommen, das Doppelkreuzen, das sind die Themen im Training. Dass die Bankspieler mit ihren Impulsen den Bezug zur Bundesliga finden, das ist sehr gut«, erklärt der HSG-Trainer. Die Hierarchie in der Mannschaft entwickele sich zwar neu, berichtet der 40-Jährige. »Aber es bleibt dabei: Till, Magnus, Adam, Emil, Lenny, die müssen die anderen mitziehen«, vertraut Matschke weiter auf die Führungsqualitäten seiner etabierten Bundesliga-Kräfte.

Das gilt mehr denn je auch beim kommenden Gegner aus Stuttgart. Die Tage des Spaniers Sanchez sind vorbei, Manager-Bruder Michael Schweikardt übernahm, führte viele Einzelgespräche und lässt die Arrivierten in seinem Team nun schalten und walten, wie sie es gerne hätten.

Ob das die Rückraum-Achse mit dem Königspositions-Duo Adam Lönn und Ivan Sliskovic an der Spitze ist oder das schwedische Kraftpaket Oscar Bergendahl in der Deckungszentrale - die führenden Feldspieler beim TVB übernahmen zuletzt wieder die Verantwortung. Und hinten, ganz hinten steht mit Silvio Heinevetter einer, der mitreißt, polarisiert, bestimmt, wo es langgeht. »Die Stuttgarter stehen mit einer Sechs-Mann-Mauer am eigenen Kreis. Die parken quasi einen Bus da, damit ,Heine‹ dann auch die Würfe bekommt, die er will und die er braucht, um sich auszuzeichnen«, hat Ben Matschke in den vergangenen beiden Spielen des TVB erkannt.

Dass Heinevetter gerne mal auch das gegnerische Publikum heißmacht und seinen Fokus im Kasten dadurch verliert, könnte eine Chance für die HSG sein. Den ehemaligen Nationaltorhüter nicht warm zu werfen, das ist ein Schlüssel zum Erfolg. Dabei könnten die eigenen Fans helfen, sofern sie denn endlich einmal wieder in größerer Zahl in die Buderus-Arena strömen. Eine »3" zuvorderst einer vierstelligen Zuschauerzahl wäre sicher ein Zeichen an den Gegner und würde den Gastgebern ein Gefühl der Unbesiegbarkeit vermitteln.

Die personellen Vorzeichen stehen gut. Jovica Nikolic ist nach überstandener Erkältung dabei, auch Adam Nyfjäll gehört trotz Oberschenkelproblemen zum Kader. Hendrik Wagner war in Hamm ein wichtiger Stabilisator der 5:1-Abwehr, Vladan Lipovinas Formkurve steigt. Matschke hat die Wahl - und die Aufgabe, den Jungs, die - wie Domen Novak, der auf Rechtsaußen dem überragenden Lars Weissgerber den Vortritt lassen muss - aktuell weniger spielen, etwas in Aussicht zu stellen. Wobei sie im Training selbst Werbung in eigener Sache betreiben müssen.

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