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Sieben Siege, nur eine Niederlage

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Stand beim letzten Länderspiel in Wetzlar im Tor: Till Klimpke. Foto: Ben © Ben

Wetzlar. Natürlich ist die Handball-WM im Januar 2007 auch über 15 Jahre später an der Lahn noch in aller Munde. Natürlich hat dieses Ereignis den Namen der Stadt Wetzlar in alle Welt hinausgetragen. Natürlich haben die sechs Partien der Gruppe A mit Slowenien, Tunesien, Kuwait und Grönland die Menschen in Mittelhessen in ihren Bann gezogen. Natürlich haben rund 20 000 Besucher vom 20.

bis 22. Januar Hotels, Gaststätten und Geschäften rund um den Domplatz gutgetan.

Doch die Auftritte von vier Ländermannschaften waren nicht die einzigen internationalen Höhepunkte, die im Männerhandball in der 2005 eröffneten Heimspielstätte des Bundesligisten HSG Wetzlar stattgefunden haben. Es lohnt sich, die acht Begegnungen, in denen die Männer mit dem Bundesadler auf der Brust siebenmal als Gewinner das Parkett verließen, noch einmal in Erinnerung zu rufen.

8. Januar 2006: Deutschland - Schweiz 37:30 (17:15): Noch von Heiner Brand trainiert, schlägt die stark ersatzgeschwächte DHB-Auswahl (ohne die verletzten oder erkrankten Volker Michel, Holger Glandorf, Andrej Klimowets und Rolf Hermann) 21 Stunden nach dem ersten Test in Aschaffenburg (35:27) den EM-Gastgeber relativ souverän. Vor 4776 Zuschauern in der ausverkauften und damals noch Mittelhessen-Arena heißenden Wetzlarer Halle besiegeln Christian Zeitz (THW Kiel) und Michael Kraus (FA Göppingen, beide je sieben Tore) als beste Werfer den zweiten Prestigesieg gegen die vom früheren deutschen Nationalcoach Arno Ehret trainierten Eidgenossen.

26. September 2007: Deutschland - Rumänien 31:28 (17:16): Rund vier Monate vor Beginn der EM in Norwegen und ein knappes Jahr vor den Olympischen Spielen in Peking zeigt die deutsche Auswahl trotz des Fehlens von sieben WM-Goldmedaillengewinnern eine überaus gute Leistung.

Vor 4600 Zuschauern sind Florian Kehrmann (6) und Michael Kraus (beide TBV Lemgo, 5) die erfolgreichsten Werfer beim 24. Sieg im 57. Duell mit dem Rekord-Weltmeister. Brand nutzt die Gelegenheit, um den einen oder anderen Perspektivspieler im Nationaldress zu testen. So feiert der Wetzlarer Linksaußen Michael Allendorf sein Nationalmannschafts-Debüt vor heimischem Publikum und ist sogar zweimal erfolgreich.

29. Oktober 2008: Deutschland - Bulgarien 42:11 (22:4): Im ersten Länderspiel nach dem bitteren Vorrunden-Aus bei Olympia in Peking verzichtet Heiner Brand auf seine bisherigen Leistungsträger Henning Fritz, Christian Zeitz (beide THW Kiel) sowie Florian Kehrmann (TBV Lmego) und gibt Hoffnungsträgern wie Martin Strobel (Lemgo), Andreas Rojewski (SC Magdeburg), Michael Spatz (TV Großwallstadt) oder Manuel Späth (FA Göppingen) eine Chance. Sebastian Preiß (TBV Lemgo) absolviert bei diesem Kantersieg in der Qualifikation für die EM 2010 in Österreich sein 100. Länderspiel.

Beste Torschützen vor 4100 Besuchern sind Dominik Klein, Lars Kaufmann, Sebastian Preiß, Michael Müller und Christian Sprenger mit je fünf Treffern.

9. März 2013: Deutschland - Schweiz 36:22 (19:7): Durch den Sieg tankt der WM-Fünfte Selbstvertrauen für die richtungsweisenden EM-Qualifikationsspiele gegen Tschechien knapp vier Wochen später. Lokalmatador Kevin Schmidt ist mit neun Toren der treffsicherste Werfer der Truppe von Bundestrainer Martin Heuberger, die nur 24 Stunden später in Koblenz abermals gegen den international allerdings nur zweitklassigen Nachbarn antritt.

3. Juni 2014: Deutschland - Norwegen 30:32 (16:14): Eine Sechs-Tore-Führung in Minute 40 reicht Martin Heubergers Auswahl nicht, um vor 4011 Zuschauern das letzte Testspiel im Vorfeld der WM-Play-offs gegen Polen zu gewinnen. Verzichten muss der Bundestrainer wegen eines Magen-Darm-Infekts auf den Wetzlarer Rechtsaußen Tobias Reichmann. Uwe Gensheimer von den Rhein-Neckar Löwen ist mit fünf Treffern der erfolgreichste Werfer.

2. November 2016: Deutschland - Portugal 35:24 (16:10): Unbeeindruckt von der Diskussion um den drohenden Abschied von Bundestrainer Dagur Sigurdsson liefern die »Bad Boys« in ihrem ersten Pflichtspiel nach Olympia-Bronze einen schwungvollen Auftritt ab. Bester Werfer vor 4421 Zuschauern in der ausverkauften Rittal-Arena ist Matthias Musche vom SC Magdeburg mit sechs Toren. Nach dem gelungenen Start in die Mission Titelverteidigung lassen sich die deutschen Europameister auf einer Ehrenrunde von den Fans feiern. Im Stile eines Champions übernimmt die DHB-Auswahl zum Auftakt der EM-Qualifikation die Tabellenführung in Gruppe 5.

24. Oktober 2018: Deutschland - Israel 37:21 (19:9): Das DHB-Team startet vor 4347 Fans in Wetzlar standesgemäß in die heiße Phase der Vorbereitung auf die Heim-WM 2019, die Deutschland zusammen mit Dänemark ausrichtet. Zwar geht es gegen Israel formal um die Qualifikation für die EM 2020 in Norwegen, Schweden und Österreich, doch 78 Tage vor dem Start in die Weltmeisterschaft denken die Jungs von Bundestrainer Christian Prokop in erster Linie an den Anpfiff in Berlin. Beste deutsche Torschützen sind Uwe Gensheimer (Paris St. Germain) und Tobias Reichmann (MT Melsungen) mit je sieben Toren.

9. Januar 2022: Deutschland - Frankreich 35:34 (14:18): Das Match ist eine gelungene Generalprobe und ein Mutmacher zugleich: Mit einem starken Auftritt im letzten EM-Test gegen Olympiasieger Frankreich tanken die von Alfred Gislason trainierten deutschen Handballer viel Selbstvertrauen.

Die junge DHB-Auswahl setzt sich durch ein Tor in letzter Sekunde von Luca Witzke durch und weckt damit Hoffnungen auf eine erfolgreiche Endrunde in Ungarn und der Slowakei. Dass sich diese Erwartungen wenige Tage später nicht erfüllen, können HSG-Torwart Till Klimpke und seine Vorderleute in der Buderus-Arena noch nicht ahnen. Nach insgesamt 15 Coronafällen landen sie schließlich nur auf EM-Rang sieben.

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