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»So war das damals«

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Wo Fußballer feiern und manchmal leiden: Das Vereinsheim des SV Langd. © Ziehl

Gießen/Langd. Das ich über meinen Verein - den SV Blau-Weiß Langd - einen Bericht schreiben darf, ist schon eine Ehre. Ein Sportverein, in dem ich 30 Jahre lang Fußball gespielt habe, zwischenzeitlich 16 Jahre 1. Vorsitzender war, und nun zwölf Jahre Schiedsrichter bin und der mir sehr ans Herz gewachsen ist. Für jüngere Spieler vielleicht nicht greifbar, habe ich trotz der üblichen Streitgespräche niemals meinen Verein verlassen.

Nun kehrt der SV Langd in den Sportkreis Gießen zurück - und das ist der eigentliche Hintergrund des Berichts.

Mit sechs Jahren kam ich in das kleine Dorf mit gut 250 Haushalten am Südrand des Landkreises Gießen. 1973 waren noch andere Zeiten und ich durfte am ersten richtigen Erfolg des kleinen Vereins teilhaben.

In der Saison 1983/84 gelang der Aufstieg in die A-Klasse Gießen, 1984/85 der Durchmarsch als Meister in die Bezirksklasse - damals noch als 17-Jähriger - als Mitglied des Haie-Fanclubs. Was ich in den folgenden Jahren als »Youngster« von erfahrenen Spielern und unserem leider inzwischen verstorbenen Trainer Erich Geier gelernt habe, hat in mir eine Verantwortung erzeugt, dass ich meinen Verein niemals im Stich lassen werde. So war das damals.

Wenn ein Verein durch die Reform dann Bezirksoberliga spielt - der dritthöchsten Amateurklasse zu dieser Zeit - ist der spätere Abstieg in die tiefste Liga schon sehr grausam. Leider.

Trotzdem gelang es dem SV Langd in einem späteren Jahr in der B-Klasse, trotz null Punkten vor Weihnachten, einen Abstieg in die zwischenzeitliche C-Klasse zu verhindern. Im Winter der Saison 2002/03 dann das totale Aus, denn zum Hallen-Stadtpokal der Gemeinde Hungen konnten nur noch sechs Spieler gestellt werden. Hans Hamburger, als damaliger A-Jugendtrainer des TSV Hungen mit Verbindungen zu meinem Verein, war es zu verdanken, dass der SV Langd nicht unterging.

Anschließend spielte der SV Langd als TSV Hungen III fünf Spielzeiten lang, als Plattform für Spielerentwicklungen für die erste Hungener Mannschaft, in der B-Klasse. Für mich bleibt als »Mega-Erlebnis« der C-Jugendpass eines Spielers, den ich wieder zum Fußball bewegen konnte, der es später in die erste Mannschaft des TSV Hungen geschafft hatte.

2008/09 folgte wieder ein Richtungswechsel - denn durch den Abstieg der »Zweiten« des TSV hätte die »Dritte« in der Reserverunde antreten müssen. Für den Neubeginn war allein für die anfallenden Spielerablösen ein hoher vierstelliger Betrag notwendig, den Sponsoren aus dem Dorf zusammentrugen. Fünf Jahre später folgte der nächsten Meilenstein mit der Fertigstellung des Neubaus des Sportlerheims, der nur durch die vielen freiwilligen Helfer des Vereins möglich wurde. Das Sahnestück der Saison 2013/14 war die Meisterschaft in der B-Klasse Gießen und der Aufstieg in die A-Klasse Alsfeld/Gießen. Viele Spieler, die zuvor in anderen Mannschaften spielten, waren nach Langd zurückgekehrt und sorgten mit Meistertrainer Jürgen Melius - ebenfalls leider schon verstorben - exakt 30 Jahre nach der letzten Meisterschaft für diesen tollen Erfolg.

Anschließend, nach einer guter Vorrunde und nicht so guter Rückrunde, wurde die Dreier-SG mit dem SV Gonterskirchen und VfR Ulfa beschlossen. Fortan spielte der SV Langd in der Kreisoberliga Büdingen. In den letzten Jahren sogar ohne Gonterskirchen (hat sich der FSG Laubach angeschlossen) als Zweier-SG in der A-Klasse Büdingen.

Nun soll es für den SV Langd, nach Trennung von Partner VfR Ulfa nach dieser Saison, mit der FSG Horlofftal weitergehen. Ein logischer Schritt, sich der SG Utphe/Trais-Horloff/Inheiden anzuschließen, denn viele der jungen Spieler kennen sich als Freunde oder als ehemalige Jugendspieler.

Die jungen Spieler sind auch das eigentliche Stichwort, denn nur wenn die Altersstruktur in einer Mannschaft stimmt, bleibt diese auch zukunftsorientiert. So kehrt der SV Langd wieder in den Fußballkreis Gießen zurück. Der amtierende 1. Vorsitzende Andre Fritz und seine Stellvertreter Patrick und Christoph Schäfer kümmern sich mit ihrem Umfeld nun um den zukünftigen Fortbestand des Vereins. Das Sportlerheim wurde im Außenbereich verschönert, die Rasenplatzpflege wird wie in allen Hungener Stadtteilen mittlerweile selbst durchgeführt.

Gerade steht ein neues Projekt an, um mit LED-Lampen zukünftig beim Flutlicht-Einsatz Strom zu sparen. Nach Corona hofft der Verein auch wieder auf tolle Kirmes-Veranstaltungen mit der Freiwilligen Feuerwehr, denn auch das war schon immer eine Aufgabe des Sportvereins: das Leben im Dorf mitzugestalten. Natürlich drücken alle Langder dem neuen Partner in der Abstiegsrunde der Kreisliga A Gießen die Daumen - damit nach dem Sommer der Neustart in dieser Liga erfolgen kann.

Martin Ziehl wurde am 6.1.1967 in Offenbach/Main geboren und zog mit sechs Jahren als Schullehrersohn nach Langd. Später wohnte er in Karlsruhe und lernte am letzten Wochenende vor einem Umzug nach Essen auf der Dorfkirmes in Rodheim seine Frau Doris aus Ulfa kennen, mit der nun seit über 25 Jahren verheiratet ist. Die beiden haben zwei Kinder (Tochter Vivien-Chantal 25 und Sohn Marco Alexander 21, der derzeit bei der SG Ulfa/Langd spielt). Mit dem Fußball begann Martin Ziehl in der Jugend bei Rodheim/Steinheim/Langd. Als Student der Elektrotechnik spielte er für seinen Verein später in der Bezirksliga und Bezirksoberliga. Und blieb auch bis zum Abstieg in die B-Klasse. Zeitweise fungiert er als Spielertrainer des TSV Hungen III/Langd. Von 2000 bis 2016 war Ziehl 1. Vorsitzender des SV Langd. Seit 2011 ist er zudem als Schiedsrichter aktiv.

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