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»So ziemlich das Verrückteste«

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Von: Stephan Dietel

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Unterwegs in Belgien: Alexander Koop. Foto: didi © didi

Gießen (didi). Ein ganz besonderes Radcross-Rennen hatten Thomas Hockauf von der Radsportgemeinschaft Gießen und Wieseck und Alexander Koop von der Radfahrervereinigung 1904/27 Gießen-Kleinlinden im belgischen Namur auf dem Plan. Durch seine Lage auf der Zitadelle von Namur wies das Rennen ungewöhnlich viele Anstiege auf.

Der gut drei Kilometer lange Rundkurs an der Festung auf einem Bergsporn war »sehr anspruchsvoll, technisch und konditionell eine der schwierigsten Weltcup-Strecken«, urteilte Bundestrainer Wolfgang Ruser vom Bund Deutscher Radfahrer.

Denn: Für sechs Rennklassen, U23 weiblich und männlich, Elite Frauen und Männer, sowie für Juniorinnen und Junioren, ging es in Namur um die Europameisterschaft im Radcross. Am Vortag hatten Hockauf und Koop als Masters-Fahrer die Gelegenheit, den EM-Kurs selbst im Wettkampf unter die Räder zu nehmen.

»Das war so ziemlich das Verrückteste, was ich jemals gefahren bin«, sagte Thomas Hockauf, der aktuell in seinem 45. Jahr mit Rennlizenz unterwegs ist und damit etliche Hundert Rennen gefahren hat. Rund 100 Startende aus drei Klassen gingen in Thomas Hockaufs Rennen auf die Strecke - er fuhr in der internationalen Masters-Klasse der 55- bis 59-jährigen.

Hockauf hatte sich nach krankheitsbedingter Rennpause erst nach der Wiederaufnahme des Rennbetriebs und Platz drei beim Schlossdorf Cross in Friedewald zum Start in Namur entschlossen. Durch diese Anmeldung »auf den letzten Drücker« musste er in der letzten Startreihe seiner Klasse Aufstellung nehmen. Doch die breite rund 200 Meter lange Startgerade gab Gelegenheit, gleich einige Plätze gutzumachen. »Mein Fokus lag darauf, jetzt erstmal keine Fehler zu machen, nicht wegzurutschen, sauber zu fahren, die Linie zu treffen. Das ist mir auch gut gelungen«, schilderte Hockauf den Beginn seines Rennens. Der Gießener, der im Radcross für das Kurschat Consulting Cyclocross Team fährt, konnte Stück für Stück Plätze gutmachen und so am Ende auf Platz 13 ein achtbares Resultat erzielen. Sehr hilfreich sei dabei auch gewesen, dass er auf der im schlammiger werdenden Strecke im Material-Depot sein Rad gegen das saubere Ersatzrad wechseln konnte, denn der Kleinlindener Alexander Koop stand in der Box zu Hockaufs Unterstützung bereit. Am Nachmittag, zum Rennen der Mastersklasse 50 bis 54 Jahre tauschten Hockauf und Koop dann ihre Rollen.

Alexander Koop im Trikot des Masters radroo Team wollte sich zunächst in den Rennrhythmus einfinden und fuhr die erste Runde mit auf Vorsicht ausgerichteter Fahrweise. Dabei konnte er bereits einige Plätze gutmachen und verschärfte die Fahrt zur zweiten Runde dann etwas. Das führte auf einer schlammigen Wurzelpassage aber zu einem Sturz, nach dem Koop jedoch schnell wieder aufs Rad kam. Doch sein Oberschenkel schmerzte stark und zwang ihn zum Ende der zweiten Runde zur vorzeitigen Aufgabe des Rennens. Bei belgischen Bier und Fritten schlossen Thomas Hockauf und Alexander Koop den Tag in Namur der Radcross Tradition entsprechend ab, feierten Platz 13 von Hockauf und verdauten den Ausfall von Koop. Am nächsten Tag verfolgten die beiden noch das Weltcup-Rennen der Frauen, bei dem die Niederländerin Fem van Empel Europameisterin wurde. Danach ging es für das mittelhessische Radcross-Duo zurück nach Deutschland, zum Bombtrack NRW Cross-Cup in Bonn.

Das Rennen auf dem Venusberg musste Alexander Koop mit seiner Oberschenkel-Prellung jedoch auslassen. Thomas Hockauf hingegen war sehr gut unterwegs und lag einige Zeit auf Rang drei, bevor sich die Strapazen vom zwei Tage zurückliegenden Rennen in Namur bemerkbar machten und er etwas zurückfiel, damit aber insgesamt nicht unzufrieden war.

Am Wochenende geht es dann in Vaihingen und Magstadt um die nächsten DM-Punkte.

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