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Spacing ja, abheben nein

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Gießen. Basketball in Gießen ist Tradition. Das weiß auch Sebastian Schmidt, obwohl der 36-Jährige erst seit knapp acht Monaten bei den 46ers am Werk ist. Dass zur Tradition nach jedem Sieg - also eigentlich auch nach dem 100:73 am vergangenen Wochenende gegen Hamburg - eine zünftige »Humba« mit den Fans gehört, das war dem Geschäftsführer und Sportdirektor am Donnerstagmorgen neu.

»Klar ist, es war der vierte Saisonerfolg und wir durften uns kurz freuen. Und natürlich lässt sich danach etwas ruhiger arbeiten. Aber es ist kein Grund, in überschwänglichen Jubel auszubrechen«, stellte Schmidt fest. Richtig, denn der erhoffte Befreiungsschlag gegen die Towers nach acht, teilweise bitteren Pleiten war und ist im Kampf um den Klassenerhalt in der Bundesliga bei weitem nicht genug.

Gießen 46ers - Löwen Braunschweig (Sa. 20.30)

Das weiß auch Pete Strobl. »Wir haben phasenweise den Ball gut bewegt und als Team gut verteidigt. Aber auf der anderen Seite stört es mich, dass das nicht zu 100 Prozent über 40 Minuten der Fall war. Wir müssen immer noch weniger dribbeln, schauen, dass sich alle fünf Spieler sowohl im Angriff und in der Abwehr ständig bewegen. Nur so können wir den Gegner ärgern«, blickt der 46ers-Coach nach hinten, aber auch schon nach vorne.

Der nächste Gegner kommt bestimmt in die Osthalle - und heißt am Samstag (20.30 Uhr) Basketball Löwen Braunschweig.

Jener Club, für den Strobl als auch Schmidt in der Vergangenheit Pionierarbeit geleistet haben. »Sie haben eine Reihe von den Spielern behalten, die ich dort noch gecoacht habe. Ich schätze diese Jungs, Braunschweig war klug, diese Spieler zu behalten. Denn sie verstehen es, mannschaftsdienlich zu agieren«, so Strobl. »Aber sie haben auch neue Impulse reingebracht«, erklärt der Mann, der allen voran Nationalspieler Karim Jallow zu dem gemacht hat, was er jetzt in Ulmer Diensten ist.

»Ich bin aber nicht der richtige Mann, um über die Vergangenheit zu sprechen. Jallow ist nicht mehr da, und er ist auch nicht hier. Also hat das nichts zu tun mit unserem Spiel am Samstag«, stellt der Austro-Amerikaner klar. Vielmehr kreuzt eine Mischung aus erfahrenen und jungen Profis in Gießens »Gut Stubb« auf. Angeführt vom physisch starken Aufbauspieler Tookie Brown, weiter mit dessen Pedant Ondrej Sehnal auf der »1", mit dem Center-Duo Luc van Slooten und Owen Klassen.

Vor allem aber, wie sollte es anders sein, mit zumindest einem Spieler, der in Mittelhessen seine sportlichen Wurzeln hat. Die Rede ist von Benedikt Turudic, der seit 2020 bei den Niedersachsen in Lohn und Brot steht. Und der beim 94:78 am Dienstag gegen Schlusslicht Oldenburg mit 14 Punkten, sechs Rebounds und vier Assists glänzte. Fehlen wird dagegen Robin Amaize, der sich kurz vor dem Jahreswechsel eine schwere Knieverletzung zuzog und die Saison vorzeitig beenden musste. Als Ersatz fanden die Löwen den Letten Arturs Zagars.

Das ist deshalb interessant, weil auch die Gießener vergangene Woche einen Letten an Land gezogen haben. Martins Laksa wirkte gegen Hamburg konzentriert, fokussiert und traf zwei Dreier. »Er hilft uns mit seiner Intelligenz, mit seiner Leidenschaft. Er gibt Kendale McCullum und T.J. Williams den Platz zu penetrieren, er weiß, wann er werfen, passen und wie er verteidigen soll. Wenn Sie mich fragen, dann ist er jetzt schon in der Lage, uns voranzubringen. Wenn Sie ihn fragen, dann wird er sagen, er braucht noch Zeit und ist noch nicht perfekt. Aber das können alle Jungs sagen, sie lernen Tag für Tag dazu«, sagt Pete Strobl.

Während Sebastian Schmidt am Donnerstag eine Rückkehr von B.J. Blake und Rawle Alkins (beide hatten die 46ers im Lauf der Vorrunde verlassen) ausschloss, hat der Trainer wieder die Qual der Wahl. »Es kann sein, dass Kyan Anderson am Wochenende wieder spielt«, ließ Strobl die genaue Besetzung der sechs Importspieler allerdings offen.

Feststeht: Es werden erneut nur 170 Zuschauer in der Osthalle dabei sein dürfen. »Es ist schade, dass wir nicht vor vollem Haus spielen. Aber die, die gegen Hamburg da waren, die waren super, die waren spitze«, so der Gießener Trainer, der sich dank Laksa und Florian Koch über mehr »Spacing« im Angriff, freut aber trotzdem keinen Grund zum Abheben sieht: Das können sich die 46ers sowieso schon seit längerer Zeit nicht mehr leisten.

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