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Stabile Vereinswelt in Mittelhessen

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Framkfurt . »Die hessischen Sportvereine sind robust.« Rolf Müller wird nicht müde, dies zu betonen. Grund dazu hat der Präsident des Landessportbundes Hessen (LSBH) allemal. Denn nach der Bestandserhebung der größten Personenvereinigung in Hessen mit über zwei Millionen Einzelmitgliedern in fast 7500 Vereinen zum Stichtag 1. Januar 2022 können die Verantwortlichen erst einmal durchschnaufen.

Der durch die Corona-Pandemie im Jahr 2020 einsetzende Mitgliederschwund ist im Jahr darauf gestoppt worden. Es sei ein »Silberstreif am Horizont«, formulierte es Ralf Wächter als Leiter des Geschäftsbereichs Kommunikation und Marketing.

Denn der Landessportbund kann für 2021 sogar wieder einen leichten Zuwachs melden. Die Zahl der Vereinsmitglieder ist (nach einem Verlust von 70000 zuvor) wieder um etwas mehr als 7000 gestiegen, was einem Prozentsatz von 0,34 entspricht.

Dabei dürfen sich auch die Sportvereine Mittelhessens besonders bei der von Müller gemeinten Robustheit angesprochen fühlen. Denn der Mitgliederrückgang durch die Pandemie sei im »ländlichen Bereich« nicht so gravierend gewesen und bei »familiär geführten Vereinen« weniger in der Statistik vorzufinden. Hier gebe es »seltener den Schritt zum Austreten«, interpretierte der Sportfunktionär aus Gelnhausen die Zahlen. Zwar fehlen noch genaue Analysen, doch sollten diese Aussage für den heimischen Raum besonders zutreffen.

Auch der Zuwachs lässt sich nicht überall feststellen. So erläuterte Andreas Klages als Hauptgeschäftsführer des LSBH, dass die Großvereine mit mehr als 1000 Mitgliedern am stärksten vom Mitgliederrückgang betroffen seien. Und alle zehn Vereine mit den höchsten Verlusten sind im Rhein-Main-Gebiet oder in Südhessen zu finden. Zudem sind drei von fünf Sportkreisen mit den meisten Mitgliederverlusten im städtischen Raum beheimatet (Offenbach, Groß-Gerau und Kassel). Und in einem vom LSBH zitierten Sportentwicklungsbericht haben »Vereine in Gemeinden über 20000 Einwohner im Schnitt größere Probleme mit der Mitgliederbindung als Vereine in kleineren Kommunen«.

Doch auch für die mittelhessischen Clubs gibt es keinen Grund, sich zurückzulehnen. Generelle Trends sind auch in den heimischen Sportkreisen festzumachen. Beispielsweise, dass die Zahl der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen bis 26 Jahre anno 2021 wieder um über 10000 gestiegen ist. Allein der Anteil der Jungen bis sechs Jahre wuchs um 7,5 Prozent. Wohl auch eine Folge der Einmaligkeit des totalen Lockdowns von 2020. Dafür muss der organisierte Sport erheblichen Aderlass in der Altersgruppe zwischen 41 und 60 Jahren hinnehmen. Vor allem der weibliche Sektor verlor mit über 5000 Mitgliedern rund 2,5 Prozent. »Männer sind vereinsaffiner«, vermutete Klages, nicht ohne den Hinweis, dass gerade Frauen in starkem Maße die Folgen von Corona hätten tragen müssen.

Generell empfindet es LSBH-Präsident Müller als spannende Frage, wie die ausgeschiedenen Mitglieder wieder zurückgewonnen werden können. Denn auch bei den Ehrenamtlichen sei ein Rückgang und ein gewisser »Ermüdungseffekt« festzustellen. Das werde man genau analysieren, kündigte Klages an und will vor allem die Vereinsberatung des Dachverbandes verstärken.

Gedanken werden sich aber auch etliche der 60 Sportfachverbände machen. Denn während 33 Verbände mit Mitgliedergewinnen in das neue Jahr gestartet sind, haben 27 Mitgliederverluste hinnehmen müssen. Wenig verwunderlich, dass neben dem Leichtathletenverband (minus 14,2 Prozent) weitere Vollkontaktsportarten wie Boxen und Kickboxen zu finden sind. Aber selbst das Turnen muss ein Mitgliederminus von 2,3 Prozent verdauen. Starke Gewinne verzeichnen eher kleine Verbände wie Criquet (plus 34,5 Prozent) oder Base- und Softball mit 28,6 Prozent.

Bedingt durch die Folgen der Corona-Pandemie konnte auch Tennis seinen steten Rückgang der vergangenen Jahre umkehren und freut sich über ein Plus von 5,2 Prozent für 2021. Ebenfalls zugelegt haben die Fußballvereine (um 3,4 Prozent). Die übrigen Mannschaftssportarten haben kaum Veränderungen im Zahlenwerk, alleine der Handball muss ein Minus von knapp einem Prozent verdauen. Bemerkenswert auch, dass der Hessische Schwimmverband trotz zahlreicher Bäderschließungen eine Zunahme von 2,4 Prozent notiert. Im Radsport schlägt sich der vermehrt festzustellende Tritt in die Pedalen nicht in den Vereinen nieder. Nur um 0,34 Prozent stieg die Mitgliederzahl. Doch auch für die aktuellen »Gewinner« und »Verlierer« im organisierten Sport in Hessen gelte, dass sie »ein wesentlicher Stabilitätsanker« in unserer Gesellschaft geblieben seien, unterstrich der im Juni aus dem Amt scheidende Landessportbund-Präsident Rolf Müller. Was ihn nicht verwundert. Schließlich seien die Vereine »kreativ, innovativ - und robust«.

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