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Stammspieler ohne Stammplatz

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Ein Mann für viele Fälle: Frankfurts Kristijan Jakic in Aktion. Foto: dpa © dpa

Frankfurt . 20 Grad weniger als noch vor einer Woche in Dubai, aber wenigstens die Sonne haben die Profis der Frankfurter Eintracht mit in die Heimat gebracht. Mit der ersten Übungseinheit am Dienstag nach dem Trainingslager am arabischen Golf, haben die Frankfurter die direkte Vorbereitung auf den Neustart der Bundesliga begonnen. Am Samstag (15.30 Uhr) geht es in der Arena gegen den FC Schalke 04.

Die allermeisten personellen Fragen waren schon länger beantwortet, die letzte offene Position scheint nun auch vergeben. Nicht Almamy Touré wird für den verletzten Tuta (Knöchel) einspringen, der neben Youngster Marcel Wenig (Reha nach Fußbruch) als einziger gefehlt hat, sondern Kristijan Jakic. So zumindest die Eindrücke der spielerischen Übungen.

Hrvoje Smolcic hatte Trainer Oliver Glasner auch diesmal wieder die mittlere Position in der Dreierkette anvertraut, Evan Ndicka ist auf der linken Seite ohnehin gesetzt. Und rechts komplettierte Jakic diese Reihe. Smolcic scheint also zunächst Makoto Hasebe ausgestochen zu haben und Jakic eben Touré. Der hatte sich zwischenzeitlich mit sorgenvoller Miene an der Seitenlinie mit einem Physiotherapeuten beratschlagt, offenbar leicht angeschlagen. Es folgte ein kurzes Gespräch mit dem Trainer, danach ging es auch für Touré weiter, freilich nicht in der A-Abwehr.

Der 25 Jahre alte Jakic ist bei der Eintracht längst der »Mann für alle Fälle«. Gelernt hat er die Rolle als »Sechser« vor der Abwehr, dafür wurde er von der Eintracht auch im Sommer 2021 von Dinamo Zagreb geholt. Als Not am Mann war, spielte er einen soliden rechten Verteidiger, als sich Hasebe verletzt hatte und Hinteregger nicht mehr da war, sprang er als »Libero« ein. Immer gut, immer zuverlässig, immer stabil. »Wenn ich im Tor gebraucht werde, spiele ich auch im Tor«, hat er mal gesagt. Nach Außenverteidiger, defensiver Mittelfeldspieler und Libero wird er nun also wohl als Innenverteidiger eingesetzt. Jakic gehört zur Riege jener Spieler, die neben den Stars wie Torwart Kevin Trapp, Spielmacher Mario Götze oder dem neuen Stern am Stürmer-Himmel, Randal Kolo Muani, die Stärke dieser Mannschaft erst ausmachen. Trainer Glasner hält große Stücke auf ihn, »weil auf Kristijan immer zu hundert Prozent Verlass ist«. Legendär Jakics Kopfballabwehr im Europapokalfinale gegen Glasgow zwei Minuten vor dem Ende der Verlängerung, ohne die der Europacupsieg wahrscheinlich nicht möglich gewesen wäre.

Jakics kurze Geschichte in Frankfurt ist eine Erfolgsstory. Über die Eintracht und deren internationalen Weg in Europa-League und Champions-League ist er in letzter Minute auch noch auf den kroatischen WM-Zug aufgesprungen. Heimgekehrt ist er mit einer Bronzemedaille. Eine Minute hat er nur gespielt, im letzten Spiel um Platz drei gegen Marokko. »Das war nicht wirklich viel«, lacht er, »aber die Erfahrung beim größten Turnier der Welt dabei gewesen zu sein, ist durch nichts zu ersetzen«. Gelernt habe er in Katar vor allem beim Training mit seinen prominenten Kollegen wie Ivan Perisic oder Luka Modric.

Mit dem Stammplatz bei der Eintracht (vierzehn von fünfzehn möglichen Einsätzen in der Liga, sechs von sechs Einsätzen in der Champions-League) ohne eine Stammposition zu haben, ist auch das Selbstvertrauen von Jakic gewachsen. Er hat keine Scheu, hohe und höchste Ziele zu formulieren. »Ich will die Champions-League gewinnen«, sagt er todernst, »alles ist möglich, auch wenn es nicht wahrscheinlich ist.« In der Liga sollte die Eintracht »unter den besten Fünf« landen, fordert er von sich und den Kollegen.

Dabei sei schon der Auftakt gegen Schalke ganz wichtig. Nach der langen Pause komme es darauf an, »volle Konzentration auf dieses Spiel zu legen.« Dass die Eintracht in der letzten Saison gerade gegen Mannschaften aus dem unteren Tabellendrittel kaum gepunktet hatte, sei Warnung für alle. »Das muss anders werden«, sagt Jakic. Und will seinen Teil dazu beitragen, egal auf welcher Position und mit welcher Aufgabe.

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