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Start ins Abenteuer

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Beuern. Unlängst wurde bekannt, dass das jahrelange Frauenfußball-Aushängeschild des Fußballkreises Gießen, Eintracht Lollar in der kommenden Saison nicht nur die Hessenliga-Mannschaft »mangels Masse« abmelden musste, sondern auch keine zweite Mannschaft und daher zumindest vorerst kein Team mehr wird stellen können (wir berichteten).

Umso erfreulicher scheint es in diesem Zusammenhang zu sein, dass es sich dabei wohl um einen Ausnahmefall handelt und nicht daraus abzulesen ist, dass das Interesse am Fußballsport beim weiblichen Geschlecht generell gesunken ist. Denn mit dem FSV Beuern, der in der kommenden Spielzeit eine Frauenfußball-Mannschaft im Spielbetrieb an den Start schickt, ist nun ein neues Team im Fußballkreis Gießen zu verzeichnen. Und eine Eintagsfliege soll das neue Projekt zudem auch nicht bleiben.

»Wir wollen nicht alles anders, aber vieles besser machen«, so das Credo vom Team von Sascha Nocker, der in der kommenden Runde bei der in der Kreisoberliga an den Start gehenden Mannschaft nicht nur als Trainer, sondern auch als sportlicher Leiter fungiert. Was sich vor allem deswegen anbot, weil der 41-Jährige über gute Kenntnisse und noch bessere Kontakte im Frauenfußballbereich verfügt, war er doch beispielsweise schon einige Jahre beim FFC Pohlheim tätig.

Die Idee, etwas Neues, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, kam Nocker und seiner Freundin Janin Späth, die zuletzt viele Jahre für die SG Reiskirchen/Saasen aktiv war und neben ihrer Rolle als Spielerin auch als Abteilungsleiterin fungiert. Die Idee wurde dann dem Vorstand des FSV Beuern vorgetragen, der davon nicht nur begeistert war, sondern auch viel Hilfestellung beim Start leistete.

Mit Andy Wagner wurde schnell ein Co-Trainer, in Nico Wagner ein Betreuer und in Lili Hermann sogar eine Fitnesstrainerin gefunden. Die größte Aufgabe war es zu Beginn aber logischerweise, eine Mannschaft zusammenzustellen, wobei Nocker seine Kontakte enorm halfen. »Natürlich habe ich mich intensiv umgehört und auch viele meiner ehemaligen Spielerinnen angesprochen, die beispielsweise eine Pause eingelegt hatten. Viele waren gleich Feuer und Flamme, durch Mundpropaganda sprach sich vieles dann herum. Aktuell haben wir knapp 20 Spielerinnen beisammen, aber natürlich sind wir nach wie vor auf der Suche und wollen Spielerinnen von unserem Projekt begeistern«, berichtet Nocker.

Und die Euphorie in Beuern zum Start ist groß, denn mitunter zu vier Einheiten traf sich das Team in den letzten Wochen, um als Team auf und neben dem Platz zusammenzuwachsen. Logischerweise bestand bei vielen ob diverser Pausen sowohl noch Nachholbedarf in puncto Kondition, worum sich Fitnesstrainerin Hermann intensiv kümmerte, als auch in Sachen »Spiel mit dem Ball«.

Aber auch nach vielen Wochen der harten Vorbereitung ist die Laune aktuell sehr gut. »Natürlich soll der Spaß erst einmal im Vordergrund stehen. Das ist ganz wichtig. Aber wir waren auch rund um das Team herum schon sehr aktiv, haben Sponsoren aufgetan und mittlerweile schon Trikots, Hosen oder Aufwärm- bzw. Präsentationsshirts organisieren können«, berichtet Nocker stolz.

Aus sportlich-fußballerischer Sicht fällt dem Trainer eine Einordnung in der Kreisoberliga natürlich schwer, Beuerns Damen wollen aber einfach »eine gute Premierensaison« spielen. Der Start in das neue »Fußballabenteuer« war mehr als vielversprechend, im ersten Testspiel beim TSV Bottendorf, einer Mannschaft aus Burgwald, siegte die Nocker-Elf mit 3:0.

Für die ersten Tore des neu gegründeten Teams zeichneten Celina Tilgner, Darleen Hennig sowie Eva Hillgärtner verantwortlich. »Das war schon ein richtig gutes Spiel von uns, das wir verdient gewonnen haben und bei konsequenteren Abschlüssen sogar noch höher hätten gewinnen können. Leider hatten wir durch hartes Einsteigen zwei Verletzungen zu beklagen, eine Spielerin wird dadurch sogar rund fünf Monate ausfallen«, resümierte der FSV-Coach das Debüt Mitte August.

In den Punktspielbetrieb steigt der FSV dann am 10. September ein, wenn direkt das schwere Auswärtsspiel beim Vorjahreszweiten SG Kinzenbach wartet. Erstmals vor heimischem Publikum tritt das Team dann am Samstag darauf (17. September) an und empfängt in Großen-Buseck den RSV Büblingshausen.

Doch über die neue Saison hinaus soll das Projekt ein größeres werden, denn der FSV möchte sich künftig auch darum bemühen, an den Nachwuchs heranzutreten. So sollen in den heimischen Schulen auch AGs angeboten werden. Zudem soll der neue Kunstrasenplatz, der in Beuern bis zum Sommer 2023 fertiggestellt sein soll, ein weiteres »Zugpferd« für neue Spielerinnen werden.

Bis es so weit ist, möchte Nocker aber schon mal einen Dank loswerden. »Aufgrund des Umbaus ist Training in Beuern ja derzeit nicht möglich, weshalb wir in Alten- und in Großen-Buseck trainieren. Daher möchte ich mich bei der SG Trohe/Alten-Buseck und dem FC Großen-Buseck dafür bedanken, dass wir dort nicht nur unsere Trainingseinheiten, sondern auch unsere Spiele austragen können«, lobt der 41-Jährige die benachbarten Vereine, die großes Entgegenkommen zeigten.

Und so fiebert die neue Damenmannschaft des FSV Beuern dem Saisonstart nun engagiert und motiviert entgegen, und weder die Spielerinnen noch Nocker noch der Vorstand hätten sicherlich etwas dagegen, wenn der Verein seine Frauenfußball-Abteilung auch in Zukunft weiter etabliert. Dass der Frauenfußball im Kreis Gießen aber weiterhin lebt, dafür dürfte der Beweis angetreten sein.

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