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Gefragt gegen Bonn: John Bryant und die Gießen 46ers.

Tadda und Bowlin kehren zurück

Gießen. Natürlich steigt Hauptsponsor Telekom am Ende dieser Spielzeit der Basketball-Bundesliga als Namensgeber aus und wird seine Zuwendungen, die 28 Jahre lang durchaus üppig geflossen sind, bis 2025 Zug um Zug reduzieren. Natürlich steht der Standort deshalb vor einer mehr als ungewissen Zukunft, denn ein Hauptsponsor ist in jener Stadt, in der Haribo täglich über 100 Millionen Gummibärchen produziert, weit und breit nicht in Sicht.

Natürlich haben die Baskets in den vergangenen Jahren im Oberhaus nicht viel gerissen und zuletzt 2009 im Finale gestanden. Natürlich hat der Club nicht nur einen neuen Trainer verpflichtet, sondern auch sein Team, das sich erst finden musste, fast komplett ausgetauscht.

Dennoch: Die Telekom Baskets Bonn kommen heute (18 Uhr) als Tabellenzweiter in die Sporthalle Ost. Mit nur zwei Niederlagen (in Göttingen und in Ludwigsburg) aus zehn Partien, vor allem aber mit jeder Menge Selbstbewusstsein, was Pete Strobl, Coach von Gastgeber Gießen 46ers, Respekt abnötigt: »Sie haben ein Team mit viel Erfahrung beisammen. Alle, die dort spielen, sind Klasseleute!«

Wie beispielsweise Flügelspieler Javontae Hawkins, der aufgrund einer Knieverletzung ein Jahr inaktiv war, den Bonns neuer Übungsleiter Tuomas Iisalo jedoch schon in der Saison 2019/20 bei den Merlins Crailsheim unter seinen Fittichen hatte. Die am Donnerstag am Hartberg getätigte Neuverpflichtung war also Teil jenes Überraschungsteams, das bis zur pandemiebedingten Saisonunterbrechung auf Platz drei lag. Damals führte Hawkins sein Team als Topscorer mit durchschnittlich fast 17 Punkten an. Dabei traf der durchsetzungsfähige und dribbelstarke Forward 55 Prozent seiner Zweier, rund 35 Prozent seiner Dreier und 80 Prozent seiner Freiwürfe.

Schlüsselfigur der neuen Bonner Mannschaft ist allerdings Point Guard Parker Jackson-Cartwright, der zuletzt als wertvollster Spieler in Frankreichs Liga zwei auf sich aufmerksam machte. Unterstützung im Aufbau erhält der megaflinke Scorer vom ehemaligen Gießener Skyler Bowlin, der aus dem polnischen Gora den Weg an den Rhein fand. Während der aus dem italienischen Trient gekommene Jeremy Morgan den Backcourt ebenfalls mit einem hohen Scoring beliefert, ist Ex-46ers-«Verteidigungsminister« Karsten Tadda nach vier Jahren in Oldenburg für die Stabilität in der Defensive zuständig.

Auf den großen Positionen wissen die deutschen Nationalspieler Michael Kessens und Leon Kratzer, der einzige verbliebene Akteur der vergangenen Runde, mit Physis unter den Brettern zu überzeugen. Mit dem ehemaligen Würzburger Tyson Ward, einem cleveren Vorbereiter, sowie der weiteren Forward-Riege Justin Gorham und Saulius Kulvietis, einem litauischen Routinier, der aus Andorra kam, hat Tuomas Iisalo seinen Kader nochmals aufgepeppt und erreicht, dass die Magenta-Truppe mit durchschnittlich fast 15 Offensivrebounds und neun Steals pro Partie Liga-Bestwerte produziert. Hinzu kommt die Tatsache, dass Skyler Bowlin und Co. die meisten Dreierversuche pro Begegnung nehmen.

Entgegenzusetzen haben die Gießener Verantwortlichen ein Team, das laut Geschäftsführer Sebastian Schmidt »attraktiven und schnellen Basketball spielen kann, diese Phasen bisher aber noch zu wenig gezeigt hat.« Weil Neuzugänge wie Jalen Tate oder TJ Williams erst einmal integriert werden mussten oder müssen. Weil Verletzungen und Erkrankungen immer wieder dazu führten, dass einige Jungs tageweise nicht trainieren oder bei den Partien, wie Bjarne Kraushaar und Kilian Binapfl am kommenden Samstag, erst gar nicht auflaufen konnten.

Weil die Riege der deutschen Akteure bislang kein Faktor war. Und weil Männer wie Kyan Anderson, John Bryant oder auch Nuni Omot teilweise völlig neben sich standen.

»Wir haben noch immer nicht unseren Rhythmus so richtig gefunden und kommen manchmal erst viel zu spät in einer Partie in Fahrt«, bittet Pete Strobl die aufgrund der neuen hessischen Corona-Verordnung gegen Bonn maximal 1001 zugelassenen Zuschauer bereits im Vorfeld ein wenig um Entschuldigung. Wohl wissend, dass die Telekom Baskets Bonn trotz eigener Sorgen als Rangzweiter in der Osthalle aufschlagen.

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