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Teamplayer, kein Einzelkämpfer

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Wechsel in der Geschäftsführung des TV Wetzlar - ein Lollarer geht, eine Lindenerin kommt Detlev Lange und Alisa Schmidt. © Fischer

Wetzlar. Die Frage aller Fragen hat er oft gestellt bekommen. Oder sie ist quasi hinter seinem Rücken erörtert worden. »Warum benötigt ein Verein, der sich dem Breitensport verschrieben hat, einen Geschäftsführer?« Detlev Lange kann Auskunft geben. »Weil rund 2600 Mitglieder einen Ansprechpartner brauchen. Weil Immobilien verwaltet werden müssen. Weil die Instandhaltung und der Ausbau von Sportstätten Personal bindet.

Weil wir all unseren Frauen und Männern Angebote machen möchten.«

Seit über 32 Jahren ist der zweifache Familienvater (Tochter Jana, 36, lebt in Bensheim, Tochter Nicki, 34, in Wiesbaden) und zweifache Opa (Theo, 7, Helena, 4) beim TV Wetzlar, einem der mitgliederstärksten Vereine in Hessen, an Deck.

Am 31. Dezember war Detlev Langes letzter offizieller Arbeitstag, am 1. Januar begann sein Ruhestand. Und damit auch der Umzug seiner Nachfolgerin Alisa Schmidt von ihrem hinteren, etwas im Dunkleren liegenden Schreibtisch an den an der Fensterfront mit Blickrichtung Studio 1. Die 27-Jährige hat in Köln Gesundheitsmanagement studiert. Sie stammt aus Rabenau-Londorf, lebt inzwischen in Linden und bringt »Stallgeruch« mit, da sie während ihres dualen Studiums nicht nur als Sportliche Leiterin beim TVW eingestiegen ist, sondern auch Kurse gegeben hat. Und noch immer gibt.

Dass Detlev Lange ihr und auch Geschäftsstellenleiterin Susanne Menges für ihr weiteres Wirken die Daumen drückt und natürlich gerne auch mit Rat und Tat behilflich ist, versteht sich von selbst. Zum einen steht im Juli das 175-jährige Jubiläum des Vereins an, zum anderen hat Corona seine Spuren hinterlassen. Tiefe Spuren! »2020 haben wir 133, 2021 nochmal 70 Menschen verloren«, berichtet Lange, der die Mitgliedergewinnung, das Aufpimpen der Sportstätten und vor allem den Ausbau und die Anpassung des Angebotes, »damit gerade Kinder und Jugendliche den Weg zurück zu uns finden«, als vordringlichste Aufgaben für seine Nachfolgerin ansieht.

Am 8. Mai 1989 begann der damals 32-Jährige, der aus Fischbach am Rande des Taunus stammt und mit seiner Frau Astrid in Lollar-Ruttershausen wohnt, nach einem in Bayreuth abgeschlossenen Studium für Sportrecht und Sportverwaltung beim TV Wetzlar. Erst in einem kleinen Büro in der längst abgerissenen TV-Halle am Goldfischteich, 1997 erfolgte dann der Umzug in die vereinseigenen Räumlichkeiten in der ehemaligen Spilburgkaserne. »Es war nicht immer leicht, fast nur mit Ehrenamtlichen zusammenzuarbeiten«, hat sich Lange als Geschäftsführer jedoch schnell etablieren können. Und dabei immer auf die volle Unterstützung seiner Vorsitzenden Gerd Braun (»Der Visionär«), Frank Drill (»Der Sanierer«) und Ulrich Schmidt (»Der Sportler«) bauen können.

Befragt nach jenen Errungenschaften, die in den vergangenen drei Jahrzehnten eng mit seinem Namen verbunden waren, wird der begeisterte Radfahrer und Thailand-Liebhaber schmallippig. Denn Aufsehen zu erregen und seine Person in den Vordergrund zu stellen, das waren und sind noch nie seine hervorstechendsten Eigenschaften. »Natürlich haben wir uns zu einem modernen Sportverein entwickelt, was auch viel damit zu tun hat, dass wir das Projekt eines Sport- und Freizeitparks realisieren konnten«, lässt sich Detlev Lange dann doch entlocken. Und ergänzt: »Ich war schon immer ein Teamplayer, kein Einzelkämpfer.«

Was sie bei Eintracht Haiger bestätigen können. Denn der 65-Jährige hat sich in Mittelhessen nicht nur einen Namen als TVW-Geschäftsführer, sondern vor allem als Oberliga-Fußballer gemacht. Über ein Jahrzehnt lang beackerte er die linke Außenbahn auf dem Haarwasen. Er spielte unter den Trainern Dieter Mietz, Niko Semlitsch, Gerd vom Bruch und Peter Cestonaro. Er stand auf dem Feld zusammen mit Harry Hartung, Christoph Lang, Jürgen Hendrich, Peter Plonka, Stefan Born, Carlo Ringsdorf, Winfried Brümmer, Ernst-Rudolf Meister, Rainer Gottfried, Peter Endrulat, Charly Dörfler und Klaus Schmidt. Und er war im Stadion, als seine Jungs den Karlsruher SC an Buß- und Bettag des Jahres 1984 vor 5000 Besuchern durch ein Tor in der Verlängerung von Wolfgang Waldschmidt aus dem DFB-Pokal warfen. »Allerdings nur als Zuschauer, ich war verletzt.« Dafür stand er drei Jahre später auf dem, Rasen, als die Eintracht bis ins Halbfinale um die Deutsche Amateurmeisterschaft gegen den MSV Duisburg vordrang.

Dass es für den heutigen Lollarer, obwohl er Mitte der 70er Jahre zum erweiterten Bundesliga-Kader der Frankfurter Eintracht gehörte, nie zu einem Erstligaeinsatz reichte, beantwortete er einmal mit den Worten: »Vielleicht war ich ein bisschen zu schlecht, vielleicht aber auch schlicht nur zu brav.« Bei aller Zurückhaltung: Trainer Dietrich Weise förderte den Youngster, der aus der Jugend des SV Fischbach an den Riederwald kam, sein Nachfolger Gyula Lorant indes wollte nur mit Bundesliga-erfahreren Leuten zusammenarbeiten. So verschlug des Detlev Lange schließlich nach Mittelhessen. Zum Glück für den TV Wetzlar ...

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