Teilung der Hessenliga bahnt sich an

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WETZLAR - Wie sieht die kommende Saison der Fußball-Hessenliga aus? Nun, einen Blick in die Glaskugel vermochten auch die Beteiligten nicht zu werfen, dennoch drehte sich bei der Videokonferenz der Vereinsvertreter mit Klassenleiter Matthias Bausch alles um diese Frage. "Es war eine freiwillige Sitzung, die unter der Überschrift Gedankenaustausch stand", so Bausch.

Wie groß der Redebedarf war, zeigte sich an der großen Resonanz. 19 von 20 Hessenligisten, darunter auch Pressewart Kai Köger für den SC Waldgirmes, beteiligten sich am Austausch über mögliche Spielmodelle für die nächste Spielzeit - unverfänglich und ohne Abstimmung. "Das sind alles reine Gedankenspiele im Konjunktiv", betont Bausch. Denn zu vieles ist noch oder nach wie vor im Unklaren: die Ligagröße, das Thema Aufsteiger, das auf dieser Sitzung nicht behandelt wurde und beim nächsten Treffen der Gesellschafter (die neun beteiligten Landesverbände) thematisiert werden soll, der Zeitpunkt des Trainings- und damit auch der des Saisonstarts. "Eigentlich wissen wir nichts", kommentierte Bausch mit einer Prise Galgenhumor.

Durch die vom Hessischen Fußball-Verband Ende März beschlossene Annullierung der aktuellen Spielzeit ab der Verbandsliga abwärts ist nur sicher, dass es keine Absteiger aus der Hessenliga geben wird. Da Eintracht Stadtallendorf und wohl auch Bayern Alzenau aus der Regionalliga Südwest absteigen werden, wird Hessens höchste Amateurklasse im Vergleich zu den derzeit 20 Teams weiterwachsen. Und auch der FC Gießen und Hessen Kassel sind längst noch nicht gerettet. "Je nach Konstellation sind bis zu 24 Mannschaften möglich", so Bausch.

Der Fehler des Vorjahres, eine Saison mit Hin- und Rückrunde inklusiver vieler Englischer Wochen durchziehen zu wollen, soll daher nicht wiederholt werden. So zumindest der nahezu einheitliche Tenor der Vereinsvertreter. Lediglich zwei osthessische Vertreter, der SV Neuhof und der SV Steinbach, sprachen sich, allerdings erst nach der Sitzung, für eine komplette Runde mit bis zu 46 Spieltagen aus. "Ich bin nach wie vor ein Freund von Hin- und Rückrunde, wenn das möglich ist. Aber derzeit sieht es nicht so aus, als sei das möglich. Dann müssten wir im Juli starten und die Saison mit mindestens fünf Wochenspieltagen bis Juni 2022 beenden. Zum einen müssten die Vereine dann schon bald ins Training starten. Zum anderen hätten wir wieder kaum Puffer bei Corona-bedingten Spielausfällen oder Pausen durch einen Lockdown", so Bausch.

Also braucht es alternative Spielmodelle. Zwei davon fanden in der Sitzung besonders großen Anklang: Die Teilung der Liga in zwei Gruppen (Nord und Süd) mit einem Endspiel der Gruppensieger um Titel und Aufstieg sowie das Ausspielen einer Hinrunde mit anschließender Teilung in Auf- und Abstiegsrunde, bei der die Punkte aus der Runde mit übernommen werden. "Es gab beispielsweise auch einen Vorschlag mit einer Teilung in vier Gruppen. Aber die erstgenannten Vorschläge wurden am meisten befürwortet - ohne, dass sich ein klarer Favorit herauskristallisiert hat", so Bausch. Aufgrund der kürzeren Wege sei eine Ligenteilung vor allem beim Osthessen-Quintett auf Zustimmung gestoßen.

Zwei Teams aus
Osthessen scheren aus

Jedoch sind beide Alternativen nicht frei von Problemen: "Einerseits ist dann die Frage, wo wir die Grenze für die beiden Gruppen ziehen. Wahrscheinlich würde es darauf hinauslaufen, dass der SC Waldgirmes zwar geografisch näher an den Teams im Frankfurter Raum liegt, aber in der Nord-Gruppe landen würde und damit längere Auswärtsfahrten hätte. Andererseits sind um die 20 Spiele in einer Saison sehr wenig für eine komplette Hessenliga-Saison", erklärt Bausch auch mit Blick auf etwaige Sponsoreneinnahmen. Bei einer Hinrunde mit anschließenden Playoffs und Playdowns sei das Problem, dass die Frage der Anzahl der Absteiger in der kommenden Runde noch nicht geklärt sei und vor allem, dass manche Teams weniger Heimspiele hätten als andere, was zu einem weiteren wichtigen Aspekt der Videokonferenz führt: den Zuschauern. Denn alle Vereine einte, wie auch Bausch unterstrich: Eine Rückkehr auf den Platz ohne die Rückkehr der Zuschauer "geht gar nicht".

Es sind also nach diesem ersten Meinungsbild noch eine Menge Fragen zur neuen Hessenliga-Spielzeit zu klären. Vor allem solche, die weder Liga, noch Vereine oder Verband beantworten können, sondern einzig der weitere Verlauf der Pandemie und die damit einhergehenden Beschlüsse der Politik. Sicher ist für Bausch und die Vereinsvertreter nur eins: "Es muss weitergehen."

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