Trauriges Kapitel: Schiri-Nachwuchs fehlt

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ROMMELHAUSEN/BÜDINGEN - Rommelhausen/Büdingen. Die Zwangspause ist nicht nur für die heimischem Fußballclubs beendet. Auch Kreisschiedsrichterobmann Sebastian Poth (VfR Hainchen) und seine Kollegen von der Schiedsrichtervereinigung Büdingen haben ihre Schuhe für den Re-Start geschnürt. Der Kreis-Anzeiger sprach mit dem in Rommelhausen lebenden 43-jährigen Familienvater über die aktuelle Lage der Unparteiischen, Regeländerungen, Schiedsrichter-Aushängeschilder und Nachwuchsprobleme.

Die Zehn-Minuten-Strafe ist zurück und sorgt für reichlich Gesprächsstoff. Was kommt mit der Regeländerung auf die Unparteiischen der Schiedsrichtervereinigung Büdingen zu?

Ich sehe die Änderung nicht so kritisch, wie sie teilweise diskutiert wird. Prinzipiell ist die Zeitstrafe jedem Schiedsrichter aus dem Jugendbereich bekannt. Der Unterschied liegt lediglich darin, dass zuvor eine Verwarnung (gelbe Karte, d. Red.) erfolgt sein muss. Das war aber auch bisher bei Gelb-Rot so. Für unseren Amateurbereich finde ich es sinnvoll, dass man temporär in Unterzahl spielt, man aber nach Ablauf flexibel ist und den Spieler im Zweifel auch ersetzen kann. Ansonsten hat der Spieler die Möglichkeit, etwas abzukühlen. Ein Freibrief ist es natürlich nicht, wie es teilweise kolportiert wird. Bei entsprechendem Vergehen kann es weiterhin den direkten Feldverweis geben. Unglücklich finde ich die Regelung, dass wiederum eine Unterscheidung zwischen Pflicht- und Freundschaftsspielen gemacht wurde.

Zudem wurde die Handspielregel überarbeitet. Unter anderem gibt es nur noch zwei Kriterien, um ein strafbares Handspiel eines Verteidigers festzustellen. Ein Spieler führt Hand oder Arm mit einer absichtlichen Bewegung zum Ball. Oder er verfolgt durch seine Körperhaltung die Intention, den Ball aufzuhalten. Wie stehen Sie zu den Neuerungen?

Die angepasste Regelung kommt dem Sinn und Geist der Regel wieder näher. Es ist meines Erachtens auch wieder mit Blick auf unseren Amateurbereich nicht radikal abweichenden Entscheidungen zu rechnen. Spürbare Auswirkungen könnte es beim Video-Schiedsrichter geben, aber davon sind wir im Kreis Büdingen weit entfernt (lacht).

Wie sieht es bei der Schiedsrichtervereinigung Büdingen nach der langen Zwangspause aus: Gibt es einen Schiedsrichterschwund?

Glücklichweise hat es trotz der langen Pause im Kreis keinen Nettoverlust an Schiedsrichtern gegeben. Zum Glück, da die Lage auch vor der Pandemie bereits angespannt war und wir mitunter nicht alle Spiele mit neutralen Schiedsrichtern besetzen konnten. Letzteres liegt leider auch daran, dass einige Schiedsrichter lediglich im Rahmen des Pflichtsolls zur Verfügung stehen - und darüber hinaus keine weiteren Partien leiten wollen. Aktuell stehen uns rund 100 aktive Unparteiische zur Verfügung.

Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus? Gibt es nach dem langen Lockdown genügend Anmeldungen für den nächsten Neulingslehrgang?

Das ist ein trauriges Kapitel in unserem Fußballkreis. Bei unserem eigenen Lehrgang kamen 80 Prozent der Anwärter aus den Nachbarkreisen. Diese haben unseren eigenen Vereinen jedoch keine Plätze weggenommen, da der Lehrgang nicht ausgebucht war. Dafür kamen über einen hessenweiten Online-Lehrgang zwei Neulinge (einer aus Wolf und einer aus Büdingen) sowie ein weiterer Neuling aus Burkhards von einem Lehrgang aus dem Nachbarkreis während der pandemiebedingten Pause hinzu. Nach aktueller Planung findet gemeinsam mit den Friedberger Kollegen ein Neulingslehrgang mit sechs Terminen vom 23. September bis 9. Oktober in Florstadt statt. Ich bin gespannt, wie die Resonanz unserer Vereine sein wird.

Dabei gibt es in der Schiedsrichtervereinigung Büdingen genügend Vorbilder für den Nachwuchs. Zählen Sie bitte einmal die Aushängeschilder auf.

Trotz unseres verhältnismäßig kleinen Fußballkreises - gemessen an der Anzahl unserer Schiedsrichter - haben wir doch einige Aushängeschilder, auf die wir stolz sein können. Auf der aktiven Seite ist es sicherlich Marius Ulbrich, der weiterhin in der Regionalliga zum Einsatz kommt. Daneben ist Julia Boike weiterhin Schiedsrichterin der 2. Frauen-Bundesliga, Assistentin in der Frauen-Bundesliga und weiterhin bei den Männern in der Verbandsliga an der Pfeife. Ich hoffe für unseren Lehrwart Volker Höpp, dass er trotz des Blicks auf die Altersgrenze noch ein paar schöne Spiele in der Hessenliga bekommt, das hat er sich verdient. Mit Olaf Kehne hat ein weiterer Schiedsrichter aus unseren Reihen den Sprung in die Assistentenriege der Junioren-Bundesliga geschafft.

Auf der mehr oder minder passiven Seite sind wir als Beobachter und Coaches der Schiedsrichter ebenfalls mit meinem Vorgänger Edgar Schäfer sowie Matthias Kristek, Andreas Schröter und mir hessenweit und teilweise auch über die Landesgrenzen hinaus vertreten. Zudem ist auf Funktionärsebene unser Verbandslehrwart Andreas Schröter ein weiteres Aushängeschild. Von der guten Qualität profitieren wir natürlich in der Ausbildung unserer Schiedsrichter, wenn sie denn wollen.

Mit welchen Re-Start-Problemen für Schiedsrichter rechnen Sie nach der langen Corona-Pause?

Ehrlich gesagt bin ich Optimist und das Glas ist immer halb voll statt halb leer. Viele Schiedsrichter waren bereits wieder im Einsatz bei Freundschaftsspielen oder auch den Pokalspielen der alten Saison. Auch der Jugendbereich nutzt wieder rege die Spielmöglichkeit. Sorgen mache ich mir darum, wenn die Meisterschaftsrunde in den Re-Start geht. Dann merken wir unseren Schiedsrichtermangel.

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