1. Startseite
  2. Sport
  3. Lokalsport

Tritt auf Euphoriebremse

Erstellt:

Von: Agentur Chuc

gispor_1309_tor_140922_4c
Der neue Hoffnungsträger im Tor der Roten Teufel: Rihards Babulis blickt dem Saisonstart entgegen. Foto: chuc © chuc

Bad Nauheim. Mit neun Auswärts-Erfolgen hintereinander gleich beim Saisonstart einen neuen Rekord aufgestellt, als Fünfter nach der Hauptrunde direkt die Playoff-Qualifikation geschafft und dann erstmals bis ins Halbfinale gegen die Ravensburger Towerstars vorgedrungen: Harry Lange hat mit seinem Team zum Ende der letzten Saison die Latte sehr hoch gehängt und eine große Erwartungshaltung aufgebaut, bevor jetzt am Wochenende die neue Spielzeit 2022/23 in der Deutschen Eishockey-Liga 2 beginnt.

Kein Wunder, dass der EC-Coach vehement auf die Euphorie-Bremse tritt.

»Das Abschneiden in der letzten Runde ist nicht mehr von Belang. Wir fangen bei Null an und unser wichtigstes Ziel ist, dass wir mit den Playdowns nichts zu tun haben«, sagt der Deutsch-Österreicher, der damit zunächst einmal auf Platz zehn schielt, der automatisch die Sicherheit für das sportliche Überleben in der Liga bringt. »Wenn wir das erreicht haben, ist alles möglich. Das hat ja auch die letzte Saison gezeigt«, sagt Lange.

Dass er mit Zurückhaltung und einer gewissen Portion Skepsis in die neue Spielzeit blickt, hat gleich mehrere Gründe. Die eigene Vorbereitungsphase, die Kader-Politik und die Entwicklung der Konkurrenz sind alles Aspekte, die der EC-Trainer für seine ganz eigene Sicht bezüglich der Saison-Einschätzung anführt.

Da erst seit gut einer Woche in Bad Nauheim überhaupt Eis zur Verfügung steht, entwickelten sich die letzten Wochen bis zum Saison-Start zum reinen »Vorbereitungs-Tourismus«. Trainingslager im österreichischen Villach, Training in Lauterbach, Training und Testspiele in Limburg/Diez sowie einige Übungseinheiten auf Krefelder Eis ließen die EC-Cracks phasenweise richtig »heimatlos« werden. Aber nicht nur die ständigen Reisen zermürbten, auch die dadurch entstandene geringe Trainingsintensität macht Harry Lange zu schaffen. »Wir haben gerade einmal 24 Trainingseinheiten absolviert, im letzten Jahr waren es 38«, fehlen dem Coach jetzt fast 40 Prozent Vorbereitungszeit.

Nach dem Motto »Never change a winning team« setzten die Verantwortlichen beim EC Bad Nauheim nach der letzten Runde auf personelle Kontinuität und wollten die Mannschaft größtenteils zusammenhalten. Das schien über den Sommer auch zu funktionieren, ehe die ersten »Querschläge« einsetzten. Co-Trainer Hugo Boisvert ging nach Kassel und mit Torwart Philipp Maurer sowie Kontingentspieler Tristan Keck zog es zwei EC-Akteure ebenfalls in die nordhessische Eishockey-Metropole. »Der Abgang von Philipp Maurer hat uns weh getan«, sagt Lange. Bei Tristan Keck sah der Coach gleichermaßen Offensiv-Qualitäten und Defensiv-Defizite.

Dass sich mit Stefan Reiter dann auch noch ein deutscher Stürmer im Juli aus seinem bestehenden Vertrag »befreite« und nach Rosenheim ging, hat die Bad Nauheimer Planungen endgültig durcheinander geworfen. »Zu diesem Zeitpunkt bekommt man einfach auf dem Markt keinen adäquaten Ersatz mehr«, muss Lange jetzt mit nur 18 Vertragsspielern (und fünf Förderlizenzspielern aus Köln) in die Runde starten, nachdem auf dem letzten Drücker mit David Cerny noch ein Spieler verpflichtet werden konnte.

Insgeheim hofft der EC-Headcoach, dass Andreas Pauli noch zum Kader dazu stößt. Er trainiert derzeit mit dem Profikader bis Ende September mit, dann soll die Entscheidung fallen, ob sich bei ihm Ausbildung und Profisport in Einklang bringen lassen. »Eigentlich benötigen wir noch zwei Spieler. Einen, der uns besser macht und einen, der die Kader-Tiefe vergrößert«, hofft Lange auf die Zeit nach dem Deutschland-Cup, wenn die ersten »Unzufriedenen« den Markt bereichern.

Neben den »hausgemachten Problemen« ist es das Erstarken der Konkurrenz, das beim EC Bad Nauheim Sorgenfalten auslöst. »Die Bayreuth Tigers haben sich enorm verstärkt, mit Kassel, Rückkehrer Krefeld und Dresden haben gleich drei Clubs die DEL im Visier und hinter den Spitzenteams dürfte es ein breites Mittelfeld geben, das um die wichtigen Plätze sechs (direkte Playoff-Qualifikation) und zehn (Vermeidung der Playdowns) kämpft«, glaubt Lange und erwartet wieder einen spannenden Saisonverlauf mit Überraschungen wie sie zuletzt Bad Nauheim und Heilbronn mit dem Halbfinal-Einzug geliefert haben .

Hoffnung setzt man in Bad Nauheim auf den neuen Kontingentspieler Tim Coffman. Der erfahrene kanadische Mittelstürmer hat in den letzten Jahren an mehreren Stationen bewiesen, dass er scoren kann. Mit Stürmer Michael Bartuli, dem erfahrenen Verteidiger Marius Erk, Torwart-Talent Rihards Babulis und David Cerny sind vier weitere Vertragsspieler neu im Kader des EC Bad Nauheim.

Daneben baut Trainer Lange auch auf die Kölner Förderlizenzspieler Leo Hafenrichter, Pascal Steck und Kevin Niedenz. Ob die Haie dagegen Maximilian Glötzl und Robin van Calster häufiger nach Bad Nauheim abgeben, wird in erster Linie von der personellen Entwicklung in der Domstadt abhängen.

Auch interessant