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Und irgendwo wird immer noch gefeiert

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Festtagsstimmung: Die Licher Basketballer nach dem Aufstieg. © Gümbel/Lich

In einer fulminanten Saison haben sich die Korbjäger von Lich Basketball zum Meister der 2. Regionalliga Südwest gekrönt. Glaubt man Trainer Viktor Klassen, ist die Party nich nicht zu Ende.

Lich (cnf). Vor ziemlich genau vier Jahren wurde bekannt: Viktor Klassen wird zur Saison 2018/19 neuer Cheftrainer in Lich. Der ehemalige Spieler und Kapitän sollte nach den Abstiegen aus der ProB und anschließend der 1. Regionalliga frischen Wind reinbringen. Es war das Jahr (2018), in dem der Verein Lich Basketball den Spielbetrieb der Basketball-Teams des TV Lich übernahm. Nicht erst seit heute ist klar: Die Mission ist geglückt. Lich kehrt nach einer fulminanten Runde mit 21 Siegen aus 22 Pflichtspielen von der 2. Regionalliga in die vierthöchste deutsche Spielklasse - in die 1. Regionalliga Südwest - zurück. Vier Jahre, über Strecken von der Pandemie geprägt sowie im vergangenen Sommer vom verpassten Aufstieg, in der 2. Regio-Staffel sind genug. Und die Begeisterung in Lich ist natürlich riesig.

»Die Jungs, die machen noch immer was, glaube ich«, schmunzelt Klassen auch zwei Wochen nach dem letzten Auftritt seiner Mannschaft gegen die SG Koblenz II (73:54) und mit Blick auf die lange nicht endenden Feierlichkeiten.

Das Spiel gegen Koblenz vor rund 600 Zuschauen, bei dem es sportlich um nichts mehr ging, war ein besonderer Auftritt - ein Auftritt, den sich die LB-Korbjäger redlich verdient hatten. Gemeinsam mit ihren Fans, Familien, Freunden, die - sofern es die Auflagen zulassen - stets so zahlreich erscheinen, dass selbst so mancher Basketball-Zweitligist neidisch wird, wurde gefeiert: Eine überragende Spielzeit, das Comeback in die 1. Regionalliga nach vier Jahren, Viktor Klassen, der nach dem letzten Spieltag in seinen Geburtstag reinfeierte. Da passte alles.

»So etwas erlebt man nicht jeden Tag, das ist einfach etwas Besonderes«, resümiert Klassen und ergänzt: »Ich hatte das mit dem Aufstieg mal als Jugendspieler. Damals, als wir 98/99 mit Lich in die 1. Liga aufgestiegen sind. Das war mein erster Aufstieg - das war vor über 20 Jahren. Man muss es nun einfach genießen. Unsere harte Arbeit hat sich ausgezahlt.«

Dass diese Spielzeit so souverän ablaufen würde, das hatte der Trainer, bei allem Optimismus, so nicht erahnt: »Vor der Runde hätte ich gesagt: Wenn wir Platz eins bis sechs mit unserer jungen Truppe erreichen, dann ist das in Ordnung. Aber dann hat sich das von Woche zu Woche einfach entwickelt.«

Den Grundstein für den Erfolg, den legte man in Lich bereits vor der Saison. Nach der knapp verpassten Beförderung im Rahmen der Aufstiegsrunde fiel bei den LB-Verantwortlichen um Annette Gümbel und Christian Knaus, im Dialog mit Klassen, die Entscheidung, vermehrt auf junge Spieler aus den eigenen Reihen zu setzen. Auf Akteure wie Carl Chromik, der vom Gießener NBBL-Team kam oder Kevin Hoxhallari, der nach einer längeren Pause wieder angreifen wollte. »Er hat uns auf jeden Fall sehr geholfen als zweiter Pointguard«, lobt Viktor Klassen. Mit Felix Schweizer kehrte zudem ein wichtiger Akteur von den Gießen 46ers Rackelos an die Wetter zurück.

»Die jungen Spieler haben die Vorgaben wirklich sehr gut umgesetzt«, bereut Lichs Trainer die strategische Entscheidung nicht. Zumal Routiniers wie Rene Keller oder Nils Pompalla dem Team wichtige Stabilität verliehen.

Und dann war da natürlich noch Brettspieler Yannik Ribbecke, der Akteur, der in diesem Jahr die meisten Punkte in der 2. Regionalliga Südwest gesammelt hat: Nämlich satte 550, was einem Schnitt von exakt 25 Zählern pro Partie entspricht. Ribbecke habe, sagt Klassen, in diesem Jahr den »Durchbruch« geschafft: »Als ich vor vier Jahren hier anfing, da haben wir ihn als Bankspieler immer weiter aufgebaut. Er hat sich immer mehr gesteigert - und da ist sogar noch sehr viel Luft nach oben. Da werden wir weiter daran arbeiten, dass wir diesen Rohdiamanten noch weiter schleifen. Er hat allerdings auch schon bewiesen, dass er die Liga mit seinen 24 Jahren dominieren kann.«

Bei aller Souveränität, die Lich Basketball in der nun beendeten Spielzeit ausgestrahlt hat, merkt Klassen indes auch an, dass seine Farben in den letzten Monaten von einem massiven Corona-Ausbruch verschont geblieben sind. »Wir hatten Glück, das war bei anderen Gegnern anders.« Jedoch hatten auch die Wetterstädter, gerade zu Saisonbeginn, mit verletzungsbedingten Ausfällen von Leistungsträgern zu kämpfen: »Und wir haben dennoch - bis auf die eine Niederlage gegen Makkabi Frankfurt - überragend gespielt.«

Dass es für die Licher Korbjäger so rund lief, das macht Klassen derweil an vielen Facetten fest. Am Team und dessen Zusammenhalt - aber auch am Umfeld, am Vorstand, an den Fans. Aber auch an der Unterstützung seines Co-Trainers Lucas Nasev oder des Fitnesstrainers Michael Stephan.

Gegen Ende sei es zwar nicht ganz einfach gewesen, die Konzentration zu wahren, doch selbst das sei gelungen, weiß Klassen: »Ich glaube, dass alle Spieler vier, fünf Spieltage vor dem Saisonende begriffen hatten, dass wir kurz vor der Meisterschaft stehen - da war die Anspannung dann schon sehr hoch. Da hat man die Nervosität dann auch gesehen - und da war dann auch Fingerspitzengefühl gefragt für mich als Trainer.«

Dass er über dieses Fingerspitzengefühl verfügt, das hat Klassen bewiesen. Nicht nur aufgrund seines ersten Aufstiegs als Headcoach einer Herren-Mannschaft. Es klingt authentisch, wenn er mit Blick auf seinen »Job« festhält: »Jetzt habe ich meine Berufung gefunden.«

Auch hinsichtlich der neuen Runde in der 1. Regionalliga - die noch lange auf sich warten lässt, wobei in der Zwischenzeit »noch einige Gartenfeste«, in Anbetracht des Aufstiegs gefeiert werden dürften - glaubt der LB-Trainer fest daran, dass sein Team mithalten kann: »Vor allem, wenn wir als Mannschaft so bleiben. Die Fans stehen ja auch immer hinter uns, selbst, wenn wir dann mal verlieren werden.«

Erst einmal ist aber Pause angesagt: »Ich freue mich in erster Linie über den Aufstieg, natürlich. Aber auch, dass es nun eine Pause gibt. Wir haben seit letztem Juni quasi durchtrainiert. Die Jungs waren am Ende ausgelaugt. Nun gibt es mehr Zeit für die Familie, die musste viel zurückstecken. Jetzt bin ich für sie da - darauf freue ich mich.«

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Erfolgs- und Aufstiegstrainer: Viktor Klassen. © Schepp

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