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Mit dem Sturm sicher zufrieden, mit der Abwehr? Naja, geht so. Pohlheims Trainer Sherwin Rahmani .

Verrücktes Spiel (fast) ohne Defensive

Waldgirmes. In einem denkwürdigen Verbandsligaspiel holt Gastgeber SC Waldgirmes II gegen TuBa Pohlheim einen 1:5-Rückstand auf, verliert aber noch mit 5:6 (1:4).

SC Waldgirmes II - FC TuBa Pohlheim 5:6

»So etwas habe ich nie zuvor erlebt. Wir hören auf Fußball zu spielen, weil einige denken, dass der halbe Aufwand auch reicht, gewinnen aber am Ende hochverdient«, fasste Gästecoach Sherwin Rahmani die Partie kurz und knapp zusammen. Es war eine Begegnung, bei der die beiden Abwehrreihen praktisch nur auf dem Papier standen. Von wirklichem Verteidigen konnte hüben wie drüben zu keinem Zeitpunkt die Rede sein. Die Gastgeber legten mächtig los und mussten eigentlich bereits nach kurzer Zeit 3:0 führen. Mit Ausnahme von Christian Gabriel Mouras 1:0 (13.) ließen sie aber alle Hochkaräter liegen. Die Strafe ließ nicht lange auf sich warten. Binnen elf Minuten hatten Marius Klotz (21.) sowie der überragende Ahmet Marankoz (24./27./32., Foulelfmeter) mit vier Chancen auf 1:4 gestellt. »Ich musste in der Pause lauter werden. So durften wir uns nicht in die Winterpause verabschieden. Nach 20 ganz starken Minuten mussten wir 3:0 führen und dann liegen wir zur Pause mit 1:4 hinten. Meine Mannschaft und ich wussten, dass da noch etwas geht«, erklärte SC-Trainer Thorsten Schäfer später. Statt allerdings dank guter Möglichkeiten zu verkürzen, gestatteten seine Jungs dem früheren Waldgirmeser Gino Parson nach simplem Strickmuster sogar das 1:5 (61.).

Niemand gab mehr einen Pfifferling auf die Lahnauer. Dass die Partie zu einem kuriosen Fußballspiel wurde, beruhte dann aber auf zwei Umständen. Erstens bewies der SC II eine unfassbare Moral und zweitens behielt TuBa sein einer Spitzenmannschaft unwürdiges Abwehrverhalten bei. »Was Marankoz kann, das kann ich auch«, schien sich deshalb der Waldgirmeser Glodi Bebe zu denken. Innerhalb von 13 Minuten schnürte mit Bebe nach Marankoz der zweite Mann auf dem Feld einen lupenreinen Hattrick (62./66./75.). Als »Joker« Justin Schweitzer zum 5:5 ausglich, stand die Waldgirmeser Bank Kopf. »Ich bin stolz auf die Moral meiner Jungs. Ein bisschen ärgere ich mich aber auch darüber, dass wir noch das vollkommen unnötige 5:6 fingen«, bekannte Schäfer. Jenen Siegtreffer besorgte Ahmet Marankoz per Willensleistung und seinem vierten (!) Tagesstreich (87.). Nach unglaublichen 90 Minuten mit zwei absolut vogelwilden Defensivabteilungen, die ihren Namen an diesem Tag nicht verdienten.

Waldgirmes II: Göltl - Köhler, Gebauer, Höhn, Ter Jung (66. Schweitzer) - Gabriel Moura (87. van Moll), Böttcher, Weber (80. Hörr), Recio-Perez - Hinz, Bebe

Pohlheim: Yaman - Klotz, Chabou (25. Dalkilic), Sidon, Delzer - Parson, Dursun, Szymanski - Alkan (72. Rennert), Marankoz, Krasniq (57. Cosby)

Schiedsrichter: Radl (Groß-Gerau) - Zuschauer: 95 - Tore: 1:0 Gabriel Moura (13.), 1:1 Klotz (21.), 1:2 Marankoz (24.), 1:3 Krasniq (27.), 1:4 Marankoz (32., Foulelfmeter)), 1:5 Parson (61.), 2:5, 3:5, 4:5 (62./66./75.) Bebe, 5:5 Schweitzer (80.), 5:6 Marankoz (87.) - Gelb-Rote Karte: Parson (90., Pohlheim, wegen wiederholten Foulspiels)

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