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Vertragsunterzeichnung im Krankenhaus

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Von: Albert Mehl

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HSGWetzlar25Jahreerstklassi © Red

Wetzlar. Wer sich oberflächlich mit der Bundesliga-Geschichte der HSG Wetzlar befasst, könnte meinen, dass diese nur aus zwei Trainern bestanden hat. Einmal Velimir Petkovic, der nach dem Aufstieg 1998 bis 2004 den Grundstock für die weitere Erstliga-Zugehörigkeit legte, und dann Kai Wandschneider, der in den Jahren von 2012 bis 2021 für besondere Glanzpunkte sorgte.

Es ist erstaunlich, wie viele Übungsleiter neben diese beiden Konstanten auf der Trainerbank die sportlichen Geschicke der Grün-Weißen leiteten. Etwa Michael Roth.

Der am 15. Februar 1962 in Heidelberg geborene ehemalige Mittelmann hatte ab dem Start der Saison 2009/10 als Nachfolger von Interimscoach Zoran Djordjic das Sagen. Seine Karriere begann Michael Roth zusammen mit seinem Zwillingsbruder Ulrich bei der SG Leutershausen. Danach trug er bei diversen Erstligisten das Trikot und bestritt 44 Länderspiele für Deutschland. Mit dem TV Großwallstadt feierte er unter anderem die Deutsche Meisterschaft (1990) und holte mit dem DHB-Team bei den Olympischen Spielen in Los Angeles 1984 die Silbermedaille. Als Trainer kam er 2009 vom TV Großwallstadt. Bereits im Oktober 2010 folgte er dem Lockruf des Hessenrivalen MT Melsungen, bei dem er bis 2018 das Traineramt inne hatte. Seitdem hat er verschiedene Engagements im In- und Ausland angenommen.

Bekannt wurde er aber auch durch sein Engagement mit seinem Zwillingsbruder Uli. Nach eigener Erkrankung informieren sie immer wieder über das Thema Prostatakrebs.

Wie kam es zu Ihrem Engagement bei der HSG? Wer hat Sie verpflichtet?

Rainer Dotzauer hatte die Idee. Und wenn er eine Idee hatte, dann hat er die bedingungslos verfolgt. Ich war um die Silvesterzeit mit meinem Sohn in New York, da hat er mich das erste Mal angerufen. Da musste ich ihm erst einmal klar machen, dass schon ein paar Stunden Zeitunterschied zwischen Wetzlar und New York bestehen. Aber er war richtig hartnäckig. Das hat mich beeindruckt und mir geschmeichelt. Interessant auch, dass die Vertragsunterzeichnung im Krankenhaus erfolgte. Rainer musste damals nach Gießen ins Krankenhaus. Und ich bin nach Gießen gefahren und habe den Vertrag dort unterzeichnet.

Was war das größte Negativerlebnis in Ihrer Zeit bei der HSG?

Na klar, das war mein frühzeitiger Wechsel nach Melsungen. Zwischen beiden Vereinen bestand ja keine Freundschaft und entsprechend wurde das kommentiert. Das macht man auch nicht gerne. Aber es war für mich eine Riesenchance zu einem Verein zu wechseln, der ganz andere finanzielle Möglichkeiten hatte. In Wetzlar herrschte damals ja auch eine finanziell angespannte Situation, der Verein war im Umbruch. Und die HSG hat ja auch finanziell profitiert durch die Ablöse.

Worüber haben Sie sich am meisten gefreut in dieser Zeit?

Ich hatte eine tolle Mannschaft vorgefunden in Wetzlar. Und das erste Jahr verlief ja auch sehr erfolgreich. Und auch das erste Viertel der neuen Saison, bis ich ging. Das war eine Mannschaft mit einem tollen Teamgeist. Mit viel Leidenschaft und Energie haben wir viele Spiele gewonnen. Daran erinnere ich mich gerne zurück.

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Michael Roth © Red

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