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Vier Treffer in Unterzahl

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Von: Thomas Suer

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Beständiger Bestandteil des Spiels im Waldstadion: Der FC Gießen darf ein Tor bejubeln. Diesmal freuen sich Michael Fink und Yassine Maingad mit Denis Mangafic über dessen wunderschönen Treffer zum 3:0. Und Deniz Vural kommt auch noch schnell, um zu gratulieren. Foto: Friedrich © Friedrich

FC Gießen mit höchst souveränem Auftritt gegen Neuling Unter-Flockenbach. Nach Rot für Assar Räume für sich genutzt.

Gießen .Wie üblich saß Elvir Smajlovic am Samstagnachmittag im Waldstadion auf seinem Stuhl nahe der Seitenlinie. Torhüter Aleksa Lapcic, der die Traininsgseinheit am Freitag mit Fieber verpasst hatte, konnte doch auflaufen, sodass sein Torwarttrainer fünf Jahre nach seinem letzten Hessenliga-Einsatz kein Comeback geben musste. So konnte der 45-Jährige dem Treiben in Ruhe zuschauen, wobei er auch bei einem Ausfall Lapcic zwischen den Pfosten kaum ins Schwitzen geraten wäre.

FC Gießen - SV Unter-Flockenbach 6:0

Dazu war der Auftritt der Gießener beim 6:0-Kantersieg über den SV Unter-Flockenbach, zu souverän. Mit diesem Dreier verteidigte der Klassenprimus seine Spitzenposition nicht nur, er baute den Vorsprung sogar auf sechs Zähler aus, weil die U21 der Frankfurter Eintracht in den Schlussminuten eine 2:0-Führung gegen Neuhof noch verdaddelte. Neunter Erfolg im neunten Heimspiel, siebter Sieg in Folge und zwölf Partien in Serie ungeschlagen - das ist die außergewöhnliche Bilanz des FC Gießen, der sich vom Hessenpokal-Aus in Stadtallendorf gut erholt zeigte.

In die Kategorie »ungewöhnlich« passte die Verteilung des halben Dutzends:: In Unterzahl, nach dem Platzverweis für Aryan Assar kurz vor der Pause, erzielten die Rot-Weißen vier der sechs Treffer. Nur in der Anfangsviertelstunde, in der Linus Hebling in einer Eins-gegen-Eins-Situation an Lapcic scheiterte, hielten die Gäste dagegen. »Wir waren da nicht so gut im Spiel, da sind wir durch die Tore reingekommen«, konstatierte Trainer Daniyel Cimen und konnte seiner Elf große Effektivität bescheinigen. In der vierten Minute lief auf der rechten Seite Yassine Maingad durch, düpierte Keeper Nicolas Schütz, der sich auf den Hosenboden setzte und lupfte die Kugel zum 1:0 in die Maschen. Neun Zeigerumdrehungen darauf schlenzte Matheus Beal den Ball zum 2:0 ins lange Eck. Den »Flockies«, zuvor immerhin fünfmal am Stück unbezwungen, war damit bereits der Mut genommen. Mit den Dribblern und Technikern Maingad, lange auffälligster Gießener in der Offensive, Beal und Filsinger und der Wucht von Stoßstürmer Michael Gorbunow kam der Neuling überhaupt nicht zurecht. Der Tabellenführer diktierte das Geschehen nach Belieben und nutzte die vielen Räume, die der SV anbot, für seine Kombinationen. Augenscheinlich war die klare Überlegenheit in puncto Zweikampfführung. Der Aufsteiger stellte sich in den direkten Duellen äußerst unglücklich an. Keine Frage: Spätestens nach einer halben Stunde und den Chancen von Maingad (27.), Beal (27.) und Filsinger (29.) blieb Unter-Flockenbach lediglich die Rolle des Sparringspartners. Wenngleich jene Szene, die sich in der 39. Minute auf Höhe der Mittellinie zutrug, zumindest theoretisch das Potenzial hatte, daran zu rütteln. Fabio Hechler holte Assar rustikal von den Beinen, dass dem Gefoulten aber derart die Sicherungen durchbrannten und er in Richtung seines Gegenspielers nachtrat, war eine kaum erklärbare Überreaktion. Eine Tätlichkeit, für die Schiedsrichter Alessandro Scotece völlig zurecht die Rote Karte zückte. »Damit hat er uns einen Bärendienst erwiesen, da hat er sich zu einer Dummheit hinreißen lassen«, ärgerte sich Cimen über die unnötige Aktion von Assar, durch die sich die ohnehin kritische Situation auf den defensiven Außenbahnen verschärft. Auf der Linksverteidigerposition musste aufgrund des Fehlens von Wessam Abdel-Ghani und Francesco Calabrese bereits gegen Unter-Flockenbach improvisiert werden, dort machte Routinier Denis Mangafic als improvisierte Lösung seine Sache gut. Nun muss sich der Coach auch für die rechte Seite etwas einfallen lassen. Auf die zweiten 45 Minuten hatte der Aussetzer von Assar keine Auswirkungen - im Gegenteil: »Uns hat der Platzverweis keinen Abbruch getan. Dass das so funktioniert hat, war am Ende der dritten Englischen Woche so nicht zu erwarten. Hut ab vor der Mannschaft, was sie abreißt.« Der FCG wirkte eher, als sei er in Überzahl und die überforderten Südhessen, als habe man ihnen den Stecker gezogen. In der 53. Minute drang Maingad in den Strafraum ein und wurde von Jan Mayer regelwidrig gebremst. Gorbunow trat an den Kreidepunkt und drosch das Leder in Uli-Hoeneß-Manier vom EM-Finale in Belgrad 1976 in die Wolken. 60 Sekunden danach stand es dennoch 3:0 durch Mangafic, der wunderbar in den Winkel traf. Der 32-Jährige bereitete auch das 4:0 von Maingad vor (65.). Adrian Kireski (76.) und Mert Pekesen (88.) zeichneten für den 6:0-Endstand verantwortlich.

FC Gießen: Lapcic - Assar, Kireski, Fink, Mangafic - Vural (64. Tatchouop), Hagley - Filsinger (74. Abeselom), Beal (74. Mahmuti), Maingad (80. Akkus Rodriguez) - Gorbunow (68. Pekesen).

SV Unter-Flockenbach: Schütz - Mayer (56. Kamuff), Heckhoff, Tzimanis, Kaffenberger (67. Eckstein) - Zyprian (67. Schaudt) - Hechler (46. Arikan), Diefenbach (62. Blüm), Hammann, Marquardt - Hebling.

Tore: 1:0 Maingad (4.), 2:0 Beal (13.), 3:0 Mangafic (54.), 4:0 Maingad (65.), 5:0 Kireski (76.), 6:0 Pekesen(88.). - Schiedsrichter: Scotece (Walldorf). - Rote Karte: Assar (39./Gießen, wegen Tätlichkeit). - Zuschauer: 396.

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