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Vincent Größer auf Hawaii in den Top 10

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»You are an Ironman.« Vincent Größer nach den Strapazen glücklich im Ziel. Foto: Größer © Größer

Gießen/Hawaii (red/rd). »Natürlich bin ich mit Platz zehn sehr zufrieden, der Rennverlauf hätte jedoch ein noch besseres Ergebnis möglich gemacht«, erläuterte der 25-jährige Vincent Größer im Zielbereich der Ironman World Championships in Kona/Hawaii seine Sicht auf den langen Triathlontag. 9 Stunden, 11 Minuten und 21 Sekunden und Platz 5 unter den Europäern sowie Platz 2 unter den deutschen Teilnehmern lautete am Ende die Bilanz eines - im wahrsten Sinne des Wortes - heißen Tages.

32°C und 70% relative Luftfeuchte bedeuteten nicht nur schwerste Bedingungen auf der schattenfreien Rad- und Laufstrecke, sondern auch die extremsten Verhältnisse bei einer Langdistanz Triathlon-WM auf Big Island/Hawaii seit langem.

Der Wettkampf, der erstmals an zwei Tagen ausgetragen wurde, begann Punkt 6.30 Uhr mit Kanonenschüssen am Kona-Pier für die Profi-Frauen, gefolgt von allen Frauen- und einigen Männer-Altersklassen, die das Feld auffüllten.

Unter den gut 200 Männern der Altersklasse M 25 bis 29, die um 7.40 Uhr als letzte Startgruppe des ersten Tages auf die Reise geschickt wurde, befand sich mit Janik Ortanderl, der für das Gießener Tri-Team in der Hessenliga an den Start geht, ein weiterer heimischer Starter im Feld. Größer erwischte einen recht guten Auftakt in den Wettkampf und entstieg nach 59:09 Minuten auf Position 46 am Kona-Pier dem Pazifik. Der Rückstand auf die vorderen Platzierungen betrug da immerhin schon gut neun Minuten.

Die große Stunde schlug für den Gießener, als es danach auf das Bike zur 180 km-Runde nach Norden mit Wendepunkt in Hawi ging. 4:37:16 Stunden und ein Stundenmittel von 39 km/h bedeuteten nicht nur die absolute Bestzeit seiner Altersklasse, sondern abermals eine Vorstellung auf der Zeitfahrmaschine, die absolutes Profiniveau bedeutet. Ähnlich schnell nur der bereits zu Anfang der Radstrecke in Führung liegende US-Amerikaner Matthew Marquardt, der am Ende dann auch Weltmeister wurde. Bereits auf den ersten Kilometern durch die mit tausenden Zuschauern gesäumten Straßen von Kona kassierte Größer einige Athleten seiner Altersklasse und bereits am Wendepunkt in Hawi nach 90 km war er auf Platz fünf vorgefahren. Weitere drei Konkurrenten sollte er bis zur zweiten Wechselzone in Kona noch ein- und überholen. Sensationell auf Platz zwei liegend, nahm der Medizinstudent den abschließenden Marathon in Angriff. Weiterhin verhalten waren zu diesem Zeitpunkt die Erwartungen der mitgereisten Supporter, wohl wissend, dass Hitze und Schwüle auf dem langen Weg über den Queen-K-Highway, durch das Energy Lab und zurück nach Kona noch einiges an Qualen für die Athleten bereithielt.

Zunächst ging es über die steile Palani Road auf den berühmten Ali’i Drive und es galt für Größer, zunächst mit km-Zeiten von 4.15 bis 4.20 Minuten in den Rhythmus zu kommen, nicht zu überhitzen, sich ausreichend abzukühlen und zu verpflegen. Die vier Kilo Gewichtsverlust Größers am Ende des Wettkampfs machen deutlich, welche extremen Belastungen der Langdistanz-Triathlon bei diesen klimatischen Bedingungen mit sich bringt.

Bis km 17 lief trotzdem alles nach Plan. Als die zunehmende Hitze dem 25-Jährigen jedoch auf dem schattenlosen Highway immer stärker zusetzte, verlor er einige Plätze und auf dem Weg zurück nach Kona war selbst die Top 10-Platzierung in Gefahr.

Zwischen km 25 und 30 angefeuert und unterstützt vom eigenen Anhang, fasste sich Größer jedoch noch einmal ein Herz und nach einer Gehpause zur Abkühlung und Getränkeaufnahme an einer der Verpflegungsstellen, verteidigte er Platz zehn bis nach Kona. Nach einer weiteren Schleife ging es dann ein letztes Mal über den Ali’i Drive, wo die zahlreichen Zuschauer die Athleten in das Ziel begleiteten und nach 9:11:21 Stunden hörte Vincent Größer dann die erlösenden Worte, »Vincent, you are an Ironman!«

Überglücklich zeigten sich dann auch Athlet und Betreuer über die tolle Platzierung. »Bei km 25 hatte ich keine Energie mehr und insbesondere das Bergauflaufen war mir kaum noch möglich. Umso erleichterter bin ich, es dann doch noch sicher bis ins Ziel geschafft zu haben und Platz zehn in der Welt ist ja auch nicht so schlecht«, resümierte Größer am Ende im Athletenzelt, wo die ersten Speicher wieder aufgefüllt werden konnten.

»Ohne Freundin und Familie wäre das alles nicht möglich gewesen und ich bin sehr dankbar für die tolle Unterstützung«, würdigte er schließlich auch noch die mentalen und körperlichen Strapazen der mit ihm angereisten Supporter-Crew.

Janik Ortanderl beendete den Wettkampf nach 9:47:10 Stunden (1:01:53 Swim, 5:08:57 Bike, 3:29:07 Run) auf Platz 46. »Ich war nach 20 km auf dem Rad energetisch schon völlig am Ende und frage mich, wie ich da noch einen Marathon laufen konnte. Es war nicht immer lustig, wie brutal das Rennen war,« zog der 27-jährige ehemalige Fußballer sein persönliches Fazit und zeigte sich im Ziel ebenso zufrieden mit dem Erreichten.

Weltmeister der M 25 bis 29 wurde Matthew Marquardt/USA in 8:35:49 Stunden, vor seinem Landsmann Devin Volk (8:48:18 Stunden) und Timmo Jeret/Estland (8:49:16 Stunden).

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