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Vom Gehen und Bleiben

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Frankfurt . Trainingslager sind normalerweise dazu da, Spieler und Mannschaften auf kommende Aufgaben vorzubereiten. Das ist bei allen Klubs so, natürlich auch bei der Frankfurter Eintracht. Doch hört man genau auf die Töne, die aus dem Quartier der Eintracht in Dubai dringen, auf die öffentlichen Aussagen, aber auch die inoffiziellen Signale, die vor allem von Beratern aus der Ferne gesendet werden, könnte man glauben, es gehe weniger um Training und Arbeit als vielmehr darum, die eigenen Zukunftsplanungen voranzutreiben.

Nicht nur, aber vor allem auch bei den Frankfurtern wird viel gesprochen über Spieler, die noch Verträge haben, aber bei anderen begehrt sind, über Spieler, deren Verträge bald auslaufen und die dann vielleicht doch meistbietend verkauft werden sollen, über Spieler, die so gut sind, dass sie bald nicht mehr zu halten sein werden. Die mannschaftlichen Erfolge der letzten Jahre und die Leistungen der einzelnen Spieler scheinen den Klub in seiner Entwicklung fast schon zu überholen. Auch wenn Sportvorstand Markus Krösche und Trainer Oliver Glasner versuchen, die Ruhe und vor allem den Überblick zu behalten bei all den Fragen zu Gehen oder Bleiben, zu echten Verhandlungen und fragwürdigen Gerüchten, ist es eine komplizierte Gemengelage. »Am Ende liegt die Wahrheit wie meistens in der Mitte«, sagt Glasner treffend. Und ist sich ziemlich sicher, dass zumindest in dieser Transferperiode, die sich noch bis Ende des Monats hinzieht, keine Leistungsträger den Klub verlassen werden.

Ganz ohne Spieler-Verluste aber wird es wohl nicht abgehen. Luca Pellegrini hat beim Testspiel gegen Leipzig (4:2) nach seiner vorher »abgesprochenen Auswechslung«, so Trainer Glasner, nach nur 23 Minuten unwirsch reagiert. Der italienische Verteidiger, vor der Saison quasi als Zugabe für den Kostic-Transfer von Juventus Turin gekommen, hat noch immer nicht den kompletten Zugang zur Frankfurter Gruppe gefunden. »Er hat ein anderes Naturell wie viele andere«, beschreibt der Trainer den Verteidiger, »das ist prinzipiell nicht schlecht.« Aber so richtig gut findet Glasner es wohl auch nicht. Christopher Lenz hat im Konkurrenzkampf da die Nase eindeutig vorne. Sportvorstand Krösche würde Pellegrini dennoch gerne behalten, sieht er doch durchaus Potential. Aber er würde sich sicher nicht verschließen, wenn es eine Möglichkeit gäbe, ihn schon im Winter abzugeben.

Krösche jedenfalls hat viel zu tun. Er ist erst am Wochenende nach Dubai gereist, hatte vorher in den USA Termine wahrgenommen. Er wird fast täglich von neuen Meldungen überrascht. So hatte ein Berater von Rafael Borré öffentlich beklagt, der kolumbianische Nationalspieler fühle sich bei der Eintracht »unwohl und nicht respektiert«. Jeder, der seit Jahr und Tag, auch gerade in Dubai wieder, diese Mannschaft und diesen Spieler im Kreis der Kollegen beobachtet, weiß, dass das völliger Blödsinn ist. Sowohl bei Krösche als auch beim Trainer genießt Borré hohes Ansehen, bei den Fans seit seinem Europapokal-Siegtor sowieso. Nur gegen eine hohe Ablösesumme, zehn Millionen Euro aufwärts, würde die Eintracht über einen Abgang nachdenken. Doch das ist nicht in Sicht.

Am Montag dürfte Krösche gestaunt haben über Äußerungen von Jesper Lindström. In offiziellen Mediengesprächen hatte der Stürmer davon gesprochen, er könne nicht sagen, »ob ich diesen Sommer gehe, im nächsten Jahr oder in zehn Jahren.« Lindströms Vertrag bei den Hessen läuft noch bis Sommer 2026 und alle bei der Eintracht wollen ihn behalten. Doch im in Mode gekommenen »Sowohl-als-auch-Sprech« der Fußball-Branche, hat sich auch der dänische Nationalspieler alle Türen offen gelassen. Er denke zwar nicht an einen Wechsel, »ich mag nicht nur die Eintracht, sondern auch die Stadt. Es ist wie ein Zuhause.« Er denkt also nicht daran zu gehen, er spricht aber darüber.

Der Trainer hat sich bei den nahezu täglichen Diskussionen ein dickes Fell zugelegt. Er sei »gelassen«, sagt Oliver Glasner, »die ganzen Spekulationen seien »Teil des Geschäfts«. Fast schon selbstverständlich, dass sich auch Glasner selbst daran beteiligt. Er betonte zwar, er habe »wahnsinnigen Spaß« an seiner Arbeit in Frankfurt und denke »in keinster Weise« an einen Wechsel, aber ausschließen könne er natürlich nichts. »Wenn ich jetzt sage, dass ich sowieso bleibe oder sicher gehe, und dann kommt am Ende etwas anderes, dann ist niemandem geholfen«, sagt er ehrlich. Sein Vertrag läuft noch bis 2024, Gespräche über eine vorzeitige Verlängerung hat es noch nicht gegeben. Die zu Übertreibungen neigende Medienlandschaft hat Spielern und Trainern quasi die Unverbindlichkeiten ihrer Aussagen diktiert. Bloß nichts Falsches sagen, was einem hinterher auf die Füße fallen könnte, lautet das Motto. Da war es fast eine Wohltat, dass Sebastian Rode klare Worte zu seiner beruflichen Zukunft gefunden hat. Der Vertrag des Mittelfeldspielers läuft noch bis 2024, dann wäre er 34 Jahre alt. »Ich gehe aktuell davon aus, dass dann Schluss ist«, sagte er der Bild-Zeitung, ein weiteres Jahr sei aus gesundheitlichen Gründen nicht denkbar, »da müsste ich in einen Jungbrunnen fallen.« Also noch eineinhalb Jahre mit Rode. Das ist für alle Fans der Eintracht die beste Nachricht in diesen Tagen der unklaren Nachrichtenlage.

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