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Vom Nobody zum Top-Rookie

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Jubel, Freude, pure Begeisterung. Nach dem Führungstreffer brechen bei Ansgar Knauff alle Dämme. Foto: imago © imago

Frankfurt. Es war am 18. März, einen Tag nach dem 1:1 gegen Betis Sevilla, als die Eintracht so richtig tief in den internationalen Fußball eintauchte. In der UEFA-Zentrale in Nyon wurde der FC Barcelona als Viertelfinal-Gegner ausgelost. Es war Europa League, aber es fühlte sich an wie Champions League. 100 000 Kartenwünsche gingen bei der Eintracht für das Spiel ein, die Stadt und eine ganze Region spielte verrückt, alle wollten dabei sein.

Aber es gab ja nur 48 000 Tickets. Die Eintracht hätte das Stadion zwei- oder dreimal ausverkaufen können.

Start in der Regionalliga

Am 7. April war es dann so weit. Eintracht gegen den FC Barcelona. Viele Stars auf dem Platz. Hier Nationalspieler wie Kevin Trapp, Djibril Sow, Martin Hinteregger, Daichi Kamada und Filip Kostic. Da Marc-André ter Stegen, Jordi Alba, Gerard Piquet, Sergio Busquets, Ferran Torres und Jean-Pierre Aubameyang. Die Hauptrolle aber spielte an diesem Abend ein anderer. Ansgar Knauff. Ansgar wer? Sportchef Markus Krösche hatte den Flügelstürmer ein paar Wochen vorher aus Dortmund geholt, ausgeliehen bis Sommer 2023. Beim BVB hat Knauff zwar mit den Profis trainiert, aber häufig mit der zweiten Mannschaft in der Regionalliga gespielt. Bei der Eintracht sollte er den nächsten Schritt in seiner ganz persönlichen Entwicklung gehen.

Es läuft die 48. Spielminute

Es wurde mehr als ein Schritt. Knauff ist mit Siebenmeilenstiefeln vorangekommen. Beim BVB war er in der Vorrunde in der Liga gerade fünfmal für ein paar Minuten eingewechselt worden. Bei der Eintracht wurde er auf Anhieb Stammspieler. Er stürmte rechts und auf einmal waren die Frankfurter nicht mehr nur auf den Star am linken Flügel, Filip Kostic, angewiesen. Gegen Barcelona wurde der knuffige Knauff zu einem »Helden«. In der 48. Minute hatte Kostic einen Eckball von rechts mit dem linken Fuß nach innen getreten. Eric Garcia versuchte mit dem Kopf zu klären und der Ball war zu Knauff gekommen. Der hatte nicht lange gezögert, volley abgeschlossen, aus 18 Metern, mit dem Außenrist. Der Ball schlug genau im Winkel ein, ein Traumtor. Ein Traum für Knauff, das 1:0 für die Eintracht. Am Ende reichte es zu einem 1:1, nachdem Ferran Torres in der 66. Minute den Ausgleich erzielt hatte. In Barcelona gelang der Eintracht dann ein 3:2-Erfolg und der Einzug ins Halbfinale.

Da ging es dann in London gegen West Ham United weiter. Das Olympiastadion im »Königin Elisabeth-Park« wurde wieder zur nächsten großen Bühne für Knauff. Es war noch keine Minute gespielt, als Rafael Borré vom linken Strafraumeck den Ball weit auf die andere Seite flankte. Knauff lief seinem Bewacher Pablo Fornals davon und köpfte den Ball ins lange Eck. Im Stadion war es für ein paar Sekunden mucksmäuschenstill. Mit diesem Blitztor hatte der Frankfurter Senkrechtstarter den Engländern den Zahn gezogen. Die Eintracht-Fans jubelten. Am Ende gewannen die Frankfurter das Halbfinal-Hinspiel mit 2:1.

Auszeichnung nicht nur für Benzema

Drei Monate später stand jener Ansgar Knauff, den Anfang des Jahres noch kaum jemand gekannt und der diese beiden wunderbaren Tore gegen Barcelona und West Ham erzielt hatte, im Olympiastadion von Helsinki neben dem späteren Weltfußballer Karim Benzema. Anlässlich des Supercups zwischen dem Champions-League-Sieger Real Madrid und dem EuropaLeague-Sieger Eintracht Frankfurt wurden die besten Spieler der europäischen Wettbewerbe geehrt. Der Stürmer der »Königlichen« bekam den Pokal für den besten Spieler der Königsklasse. Und Knauff bekam den Preis für den »Rookie des Jahres«. In der Tat hatte er mit der Eintracht die Europa League gerockt.

Der chinesische Kalender bezeichnet 2022 als das »Jahr des Tigers«. Im Kalender des Fußballs war es das stattdessen »Jahr des Adlers«. Die Frankfurter Eintracht, ihre Spieler tragen den Adler als Wappen auf der Brust, ist hoch geflogen, noch höher als in den Jahren zuvor. Mit dem Sieg in der Europa League hat die Eintracht zum ersten Mal nach 42 Jahren wieder einen internationalen Titel gewonnen. Mit tollen Auftritten in der Champions League haben sie im zweiten Halbjahr den Aufwärtstrend bestätigen können. Die Erfolge wurden erreicht mit großer Geschlossenheit und mit viel Leidenschaft. Aber es brauchte auch »Heldentaten« einzelner Spieler in wichtigen Momenten der vielen wichtigen Spielen. Dies sind ihre Geschichten.

(pep)

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