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Vom Taj Mahal in die Osthalle

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Mann der klaren Worte: 46ers-Coach Pete Strobl. © Schepp

Gießen. Natürlich: Wer in Oldenburg gewinnt, den Bayern bis in die Overtime die Stirn bietet, in Bamberg lange an einer Sensation schnuppert und Bayreuth vom Feld fegt, für den ist immer etwas drin. Egal, wie der Kontrahent auch heißen mag, egal wie gut er in Form ist. Um es mit Pete Strobl zu sagen: »Wir haben gegen jeden Gegner eine Chance.«

Gießen 46ers - Ratiopharm Ulm

Also auch an diesem Freitag (20.30 Uhr) in der Sporthalle Ost unter 2G+-Bedingungen gegen ratiopharm Ulm. Wenngleich der Cheftrainer der Gießen 46ers einschränkt: »Unser Gegner ist eine ganz große Nummer.« Es ist eine wertschätzende Aussage, die der 44-Jährige gerne konkretisiert: »Sie haben ein hohes Niveau und mehrere ehemalige NBA-Akteure in ihren Reihen.« Ehe Strobl schnell auf das Lieblingsthema der heimischen Bundesliga-Basketballer zu sprechen kommt: »Ulm ist ein Vorbild für uns. Nicht nur weil sie im Europapokal unterwegs sind. Sie haben ein Taj-Mahal-Trainingszentrum«, hebt der Austro-Amerikaner den 2020 eröffneten »OrangeCampus« auf eine Stufe mit Indiens berühmtestem Wahrzeichen, dem Mausoleum in Agra im Bundesstaat Uttar Pradesh.

Zur Erklärung: Der »OrangeCampus« gilt als derzeit modernstes Nachwuchs- und Leistungszentrum Europas. Die Osthalle indes ist eine Schulsporthalle, die den Profis nur abends zur Verfügung steht. Weshalb Strobl nicht müde wird zu betonen: »Unsere Bedingungen müssen sich schnellstmöglich ändern.«

Während ein Um- und Ausbau in Gießen Zukunftsmusik ist, heißt es für Pete Strobls Truppe aktuell, den Tabellenkeller zu verlassen. Am besten mit zwei Punkten gegen die Donaustädter, die zwar nur auf Rang zehn der Tabelle stehen, die aber als bestes Auswärtsteam der Liga anreisen. Fünf Erfolge in der Fremde stehen für Ulm zu Buche, darunter solch spektakuläre Siege wie die bei Bayern München (86:83), den Merlins Crailsheim (93:71), den Löwen Braunschweig (90:76) oder den Niners Chemnitz (81:78).

In die zweiwöchige Länderspielpause gingen die Gäste, die im EuroCup bislang allerdings keine Bäume ausrissen und in Gruppe B mit nur einem Sieg aus fünf Partien lediglich auf Rang sechs rangieren, mit einer allerdings unglücklichen 66:71-Heimniederlage gegen Meister Alba Berlin. In dieser Begegnung zeigte sich der Königstransfer Christiano Felicio mit einem Double-Double von 15 Punkten und 13 Rebounds von seiner besten Seite. Der brasilianische Center wechselte vor der Saison von den Chicago Bulls, bei denen er in den vergangenen sechs Jahren rund 34 Millionen Dollar einstrich, zu den Mannen von Headcoach Jaka Lakovic.

Mit Point Guard Semaj Christon, der zuletzt die Geschicke von Tofas Bursa in der Türkei lenkte, den Flügelspielern Justin Simon, Jaron Blossomgame, einem Mann mit herausragender Athletik, und dem erst kürzlich hinzugestoßenen Sindarius Thornwell verantworten vor allem die US-Importe die Hauptlast beim Scoring. Aber auch die Qualität auf den deutschen Positionen lässt aufhorchen. Die Nationalspieler Karim Jallow und Philipp Herkenhoff, die aus Braunschweig beziehungsweise Vechta ihren Weg an die Donau fanden, sorgen ebenfalls für wertvolle Einsatzminuten. Was auch für die in Gießen aufgewachsene Club-Ikone Per Günther gilt, die nach 13 Jahren in Orange ihre Karriere beenden wird.

Die Hausherren, die weiterhin auf Bjarne Kraushaar und Kilian Binapfl (beide Oberschenkel-Verletzungen) verzichten müssen, haben die Hoffnung, ihre Neuerwerbung TJ Williams präsentieren, im Fall einer Verletzung der bisherigen sechs US-Boy vielleicht sogar einsetzen zu können. Der 27-Jährige, der zuletzt in Israel für Maccabi Rishon Le Zion drei Partien absolvierte, ist endlich am Donnerstag von Houston aus kommend in Frankfurt gelandet und absolvierte am Abend das erste Training. Der Texaner soll den Konkurrenzkampf im Team fördern. Damit die 46ers Überraschungen wie der in Oldenburg weitere hinzufügen können.

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